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Der Metzgermeister lässt das Messer flitzen: Stephan Platzer gibt alles, um den begehrten Königsbacher Saftschinken an die Frau und den Mann zu bringen. Ketterl
Der Metzgermeister lässt das Messer flitzen: Stephan Platzer gibt alles, um den begehrten Königsbacher Saftschinken an die Frau und den Mann zu bringen. Ketterl
Mehrere solche Sitzgruppen gibt es beim Herbstfest auf dem Wochenmarkt, kaum ein freies Plätzchen ist zu ergattern. Überwältigt sind die Beschicker von der Resonanz bei Stammgästen und neuen Kunden.
Mehrere solche Sitzgruppen gibt es beim Herbstfest auf dem Wochenmarkt, kaum ein freies Plätzchen ist zu ergattern. Überwältigt sind die Beschicker von der Resonanz bei Stammgästen und neuen Kunden.
Die Stadträte Michael Schwarz und Jacqueline Roos servieren Reinhilde Ölschläger Schupfnudeln (von links).
Die Stadträte Michael Schwarz und Jacqueline Roos servieren Reinhilde Ölschläger Schupfnudeln (von links).
So schmeckt das Spätjahr: Margot Misch und Erich Machauer löffeln die leckere Kürbissuppe.
So schmeckt das Spätjahr: Margot Misch und Erich Machauer löffeln die leckere Kürbissuppe.
Jörg Müller
Jörg Müller
25.10.2015

Tausende erleben auf dem Turnplatz ein Fest fürs Auge und für den Gaumen

Mächtig haben sich die Beschicker für das Herbstfest ins Zeug gelegt, und ihre Mühen werden belohnt. Die Sonne gibt noch einmal alles an diesem Samstagvormittag. Sie lockt so viele Bummler auf den Turnplatz, dass es auch alten Hasen fast die Sprache verschlägt.

„Nach einer Stunde alles weg“, sagt Michael Daubner kopfschüttelnd. 20 Liter Kürbissuppe hat der Mann, den man auf dem Wochenmarkt nur als „Langos-Michl“ kennt, für die große Sause zubereitet. Ganz schön viel, aber offenbar immer noch zu wenig. Stephan Platzer, der Metzgermeister aus Königsbach, nennt – ähnlich baff – nur die Zahl Neun. So viele stattliche Saftschinken hat er mitgebracht. Am späten Vormittag sind sie allesamt scheibchenweise zwischen Brötchenhälften verschwunden.

„Schöner kann es nicht sein“, schwärmt Jörg Müller, der Sprecher der Marktbeschicker, beim Blick auf das Getümmel zwischen den Ständen, die sich fast biegen vor lauter Vielfalt und Pracht.

Hier bummelt die Prominenz

Tausende Besucher honorieren den Einsatz der Marktleute und ihrer Helfer und tun ganz nebenbei noch etwas Gutes: Den Erlös aus den Sonderaktionen stiften Müller und seine Kollegen auch beim siebten Herbstfest an die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“.

Suppe und Schinken, Zwiebelkuchen, Sekt und neuer Wein, süße Versucherle, deftige Weißwürste und erstmals Schupfnudeln mit Sauerkraut aus der Riesenpfanne lassen die Gaumen schnalzen und die Spendenkasse klingeln. „Wir wollen auch mal Dankeschön sagen“, betont Müller, der um die Strahlkraft des Wochenmarkts und die Treue der Kundschaft weiß. „Die Besitzer haben sich viel einfallen lassen – hier gibt es einfach alles“, freut sich Nina Walter aus Eutingen, deren Tasche sich zusehends füllt. Auch Jürgen Kreutel greift gerne zu: „Auf dem Markt ist alles frisch, und es schmeckt“, sagt der Büchenbronner. Viel Prominenz ist auszumachen, etwa Rolf Nagel, der mit Ehefrau Angelika nicht nur das „umfangreiche Angebot“, sondern auch die Schwätzchen mit anderen Besuchern genießt. „Die Kommunikation auf so einem Markt ist optimal“, sagt der Kreishandwerksmeister augenzwinkernd.

„Ich liebe Märkte, sie bedeuten Lebensqualität“, betont Oana Krichbaum, während ihr Mann Gunther Krichbaum dem Filderkraut nicht widerstehen kann. „Hier kauft das Auge mit ein“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete. Der Wochenmarkt sei eine Institution und „der zentrale Punkt für Pforzheim“. Dass soll er auch bleiben, wie Jörg Müller im Interview mit Freie-Wähler-Stadtrat und Markt-Förderer Michael Schwarz herausstellt.

Neues an bewährter Stelle

Seit 80 Jahren böten Beschicker ihre Waren auf dem Turnplatz an. „Das ist unser Stammplatz, wenn es geht, wollen wir auch die nächsten 80 Jahre hierbleiben“, sagt Müller. Dabei sei man für Neuerungen durchaus aufgeschlossen. Er begrüße die Gedankenspiele der Stadt, das Enzufer besser anzubinden, etwa durch Steine als Sitzgelegenheiten oder durch ein Café mit Terrasse. Schließlich sollen sich die 4500 Kunden wohlfühlen, die durchschnittlich samstags zum Turnplatz strömen.

Beim Herbstfest sind es deutlich mehr, die nicht nur schauen, staunen und sich von ehrenamtlichen Helfern wie Michael Schwarz und SPD-Stadträtin Jacqueline Roos bewirten lassen, sondern auch ordentlich einkaufen. „Es war ein schönes Fest“, sagt Jörg Müller und ergänzt verschmitzt: „Die Geschäfte waren auch gut.“