Teil VI der Serie "DNA-Spuren": Julia Wessinger - Polnische Indizien, Birkenfelder Beweise

Fragen über Fragen: Stamme ich von einem Mix aus Enzkreis-Ureinwohnern und polnischen Flüchtlingen ab? Oder kommen meine Vorfahren ganz woanders her?

Eine Reportage von Julia Wessinger

Es ist kein Wunder, dass mein Ergebnis des DNA-Tests von MyHeritage zu 59,4 Prozent nord- und westeuropäische Gene aufzählt. Mein Vater, ein Mann, der die langjährige Geschichte der Familie Wessinger in Birkenfeld mit seiner dortigen Geburt im Jahr 1958 fortführte. Er ist derjenige, der unseren Familienstammbaum Ende der 1990er-Jahre nachverfolgte, für mich – wie ich jetzt bemerkte – quasi Vorarbeit leistete und dabei herausfand, dass mein Ur-Ur-Ur-Opa, Gottlieb Friedrich Wessinger, 1824 in Birkenfeld das Licht der Welt erblickte. Kurzum: Das knapp 8000 Einwohner-Dorf im westlichen Enzkreis, dort wo meine Tante und meine Oma noch heute zu Hause sind, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dafür verantwortlich, dass der größte Teil meiner DNA aus meiner tatsächlichen Heimat – dem Enzkreis – stammt.

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Sie verbrachten ihre Kindheit in Birkenfeld und führten dadurch die langjährige Geschichte der Familie Wessinger fort: mein Vater und seine große Schwester (1961).

Hinweise auf Osteuropa

Nun gut: Mein DNA-Ergebnis ist kein Wunder – zumindest zu Teilen. Es ist mit dem 10,3 prozentigem Hinweis auf Osteuropa vielmehr eine Bestätigung – und zwar für all diejenigen, die mich in den vergangenen 26 Jahren gefragt haben, ob ich mir sicher sei, in Deutschland geboren zu sein. Man sehe mir meine osteuropäische Herkunft schließlich von weitem an. Die blauen Augen, die blonden Haare, die Gesichtsform – für viele Menschen, so habe ich es mir nur all zu häufig anhören müssen, eindeutige Indizien einer polnischen Herkunft. Wenn auch meine Kollegen da eher anderer Meinung sind und MyHeritage diese mit seiner Definition von „osteuropäischer DNA“ untermauert: Mein Aussehen, ein Merkmal, das eindeutig auf das Baltikum hinweist.

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Meine Ur-Großeltern heirateten im Februar 1932 in Wittenberge. Wo die Familienursprünge meines Ur-Opas liegen, war schon damals nicht klar.

Herkunft der Familie Potrafke ein Rätsel

Wird mit der Liste der Ethnien von MyHeritage also erst über 26 Jahre nach meiner Geburt ein Rätsel gelöst, das für mich eigentlich nie wirklich zur Debatte stand? Schon möglich, denn das Ergebnis ist vor allem auch eine Bestätigung für all diejenigen in meiner Familie mütterlicherseits, die schon immer gerätselt haben, woher die in Ostdeutschland angesiedelte Familie Potrafke abstammt. Allen voran: Meine Oma: Heide-Maria Barth geborene Potrafke. Sie weiß bis heute nicht – so habe ich es erst jetzt erfahren – wo ihr Großvater geboren wurde. In Deutschland oder doch vielleicht in Polen? Der Nachname Potrafke lässt da eher weniger Spielraum. Dass er eine polnische Herkunft nicht komplett ausschließt, ist keinesfalls zu überhören. Da ist sich auch meine Großmutter sicher. Hinzu kommt, dass sie im Oktober vor 78 Jahren in Wittenberge – also 200 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt – geboren wurde. Ihr Vater, mein Uropa, Otto Potrafke, kam in Wietmoor bei Karstädt, ebenfalls rund 200 Kilometer westlich der Oder-Neiße, auf die Welt. Wie dessen Vater, sprich mein Ur-Ur-Opa hieß, ist leider nicht bekannt, geschweige denn wo er geboren wurde. Dass er in Zeiten des Ersten Krieges als gebürtiger Pole nach Deutschland geflohen ist, erscheint meiner Oma – vor allem jetzt mit meinem DNA-Ergebnis – am wahrscheinlichsten. An diesem Punkt kommt meine Recherche allerdings zum Erliegen.

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Um die Familie versorgen zu können, wurde mein Ur-Opa kreativ: Er verkaufte in Wittenberge in Zeiten des Kriegs Eis mit diesem Wagen.

DNA-Test überrascht

Leider, denn der DNA-Test offenbarte schließlich noch mehr als das zu erwartende Genmaterial: 13,7 Prozent Balkanbewohnerin, 9,8 Prozent Engländerin, 3,6 Prozent Westasiatin, 2,4 Prozent Skandinavierin und 0,8 Prozent Orientalin. Wie bitte? Ja, richtig gehört. Dieses Ergebnis sorgte – nicht nur bei mir – für äußerst große Überraschung: Schlummert in mir tatsächlich eine Südosteuropäerin, eine Britin? Fühle ich mich zu meinen Einheimischen so stark hingezogen, dass London mit immerhin fünf Besuchen mein Reiseziel Nummer Eins ist? Und habe ich mich damals während des Studiums bewusst für ein Auslandssemester in der norwegischen Hauptstadt Oslo entschieden, weil irgendetwas in mir sagte, Skandinavien ist es definitiv wert, ein halbes Jahr meines Lebens dort zu verbringen?

Antworten habe ich auf diese doch so wichtigen Fragen natürlich keine. Doch vielleicht bringen die DNA-Tests meiner Eltern in Kürze mehr Aufschluss. Denn mein Ergebnis hat bei ihnen das große Interesse geweckt, ihren Vorfahren auf die Spuren zu kommen.

Pforzheim

Teil V der PZ-Serie "DNA-Spuren": Badner – und das seit mehr als 500 Jahren

MyHeritage und die Pforzheimer Zeitung verlosen sieben DNA-Tests

MyHeritage ist eine Firma mit Sitz in Tel Aviv, die weltweit führend im Bereich DNA- und Stammbaum-Forschung ist. In den vergangenen 17 Jahren hat MyHeritage Millionen von Menschen dabei geholfen, neue Verwandte zu finden und ihre ethnische Herkunft zu entdecken. Die DNA-Tests werden bequem von zu Hause aus per Speichelprobe gemacht und per Post eingesendet. Nach etwa drei bis vier Wochen sind die Speichelproben ausgewertet und der Kunde bekommt die Ergebnisse per E-Mail. Die Resultate beinhalten ausschließlich die ethnische Einschätzung, die die Labore von MyHeritage anhand der Proben aufgeschlüsselt haben.

Im Zuge der Serie „DNA-Spuren“ verlost die Pforzheimer Zeitung wöchentlich einen von sieben DNA-Tests. Um bei der Verlosung mitzumachen, senden Sie eine E-Mail mit dem Stichwort „DNA“ an internet@pz-news.de und erzählen uns in ein paar Zeilen, warum Sie einen solchen Test gerne machen möchten. Vergessen Sie nicht Ihre Kontaktdaten, unter denen die Redaktion Sie im Falle eines Gewinns erreichen kann.

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Julia Wessinger

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