nach oben
Wegen der Terrorgefahr sind die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen verschärft worden.
Terror Polizei © dpa
17.11.2010

Terrorgefahr: Polizei in Pforzheim und Mühlacker wachsam

PFORZHEIM/STUTTGART. Wegen einer erhöhten Gefahr von Terroranschlägen hat auch Baden-Württemberg die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen verstärkt. „Wir haben auf die Entwicklung reagiert und legen den Schwerpunkt auch auf verdeckte Aufklärung“, sagte Innenminister Heribert Rech (CDU) am Mittwoch in Stuttgart. Die Bundespolizei wird auch im Bereich der Bahnhöfe Pforzheim – hier unterhält der ehemalige Bundesgrenzschutz eine Niederlassung – und im Rahmen der Streifentätigkeit in Mühlacker die Präsenz erhöhen, sowohl offen als auch verdeckt.  

Nähere Details will Steffen Zaiser, Sprecher der Bundespolizeidirektion Stuttgart, aus einsatztaktischen Gründen nicht nennen. Nur so viel: Die eigenen Aktivitäten würden eng mit den lokalen Polizeidienststellen abgestimmt.Die regelmäßigen Absprachen würden nun intensiviert angesichts der akuten Sicherheitslage, so Wolfgang Schick, Sprecher der Polizeidirektion Pforzheim. In Pforzheim werde auch die Polizeipräsenz auf dem Weihnachtsmarkt verstärkt. Bisher wurde das Augenmerk nur auf potenzielle Taschendiebe gelegt und im Hinblick auf den Jugendschutz patrouilliert. Nun fließe die aktuelle mögliche Bedrohung durch den Terror in die Streifen mit ein.Parallel laufen schon seit dem 11. September 2001 so genannte Strukturermittlungen gegen Islamisten – auch in Pforzheim. Nach PZ-Informationen gibt es rund ein halbes Dutzend Personen, die auch genau wissen, dass sie unter verschärfter Beobachtung des Staatsschutzes stehen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte zuvor in Berlin mitgeteilt, die Bundesregierung habe konkrete Hinweise darauf, dass für Ende November in Deutschland ein Anschlag geplant sei. Er sprach von einer „neuen Lage“ hinsichtlich der Terrorgefahr in Deutschland: „Es gibt Grund zur Sorge, aber aber keinen Grund zur Hysterie.“
Landes- und Bundespolizei zeigen nach Rechs Angaben eine erhöhte Präsenz an Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen. „Es gibt aber auch eine Reihe von Maßnahmen, die der Bürger nicht sieht. Unsere Sicherheitsbehörden bewerten die Lage fortlaufend. Wir werden alles tun, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.“
In Baden-Württemberg läuft nach Angaben aus Sicherheitskreisen bereits seit Anfang Oktober ein verdeckter und umfangreicher Einsatz. Experten rechnen mit verschiedenen Anschlagszenarien parallel: also nicht mit einem Anschlag, sondern mit Anschlägen auf mehrere Ziele. Als Vorbild könnten die Terroranschläge von Mumbai (Indien) sowie vom Times Square (USA) dienen.
Zehn Terroristen hatten am 26. November 2008 in Mumbai unter anderem zwei Luxushotels, den größten Bahnhof der Stadt sowie das jüdische Zentrum angegriffen. Die Terroristen nahmen mehrere hundert Menschen als Geiseln. Ein aus Pakistan stammender Mann hatte am 1. Mai 2010 einen mit Sprengstoff beladenen Geländewagen am TimesSquare geparkt. Die Polizei konnte den Sprengsatz rechtzeitig entschärfen Niemand kam zu Schaden. Der 30 Jahre alte Täter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Laut einem internen Papier des Bundeskriminalamtes, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, geht eine besondere Bedrohung von Islamisten aus, die aus dem afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zurückgekehrt sind und sich dort in terroristischen Lagern ausbilden ließen. „Unverändert sind emotionalisierte und fanatisierte Einzeltäter, die keine Ausbildungslager durchlaufen haben, ebenfalls zu berücksichtigen“, heißt es in dem Papier weiter. Die Bedrohung könne sich „jederzeit in Form von Anschlägen unterschiedlicher Dimension und Intensität realisieren“. Derzeit seien aber keine konkreten Informationen zur Vorbereitung „gravierender Anschläge“ bekanntgeworden.
Zu den gefährdeten Angriffsobjekten zählen laut BKA nach wie vor Orte mit hohem Symbolwert oder infrastruktureller Bedeutung. Gefährdet seien aber auch Örtlichkeiten, die mit „typischen westlichen Lebensgewohnheiten“ in Verbindung gebracht werden, wie beispielsweise Einkaufs- und Vergnügungszentren.
Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden treibt die Terrororganisation Al-Kaida Planungen voran, Anschläge sowohl in Deutschland und europäischen Ländern als auch in den USA zu verüben. Der weltweite Fahndungsdruck habe trotz Festnahmen und Erfolgen bei der Vereitelung von Anschlägen „weder zu einer nachhaltigen Schwächung islamistischer Strukturen in westlichen Staaten noch zu nachlassenden Aktivitäten in den Krisenregionen Süd- und Zentralasiens, des Nahen Ostens, der Arabischen Halbinsel oder Nord- und Ostafrikas geführt“.
Im Ausland ist laut BKA-Papier vor allem in den Regionen Afghanistan/Pakistan und Maghreb/Sahel jederzeit mit Anschlägen und terroristischen Aktionen gegen deutsche Interessen zu rechnen. „Es besteht in zunehmendem Maße die Gefahr, dass deutsche Geiseln im Zusammenhang mit politischen Forderungen, wie beispielsweise dem Rückzug Deutschlands aus Afghanistan, getötet werden.“

Umfrage

Haben Sie Angst vor einem Terroranschlag in Deutschland?

Ja 0%
Nein 0%
Stimmen gesamt 0

Leserkommentare (0)