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Therapeutin fühlt sich im Stich gelassen - Politik in der Pflicht

Aus Verzweiflung hat sich eine Therapeutin an die PZ gewandt, die sich um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Patienten sorgt. Aus Angst, ihren Job zu verlieren, möchte die Angestellte ihre Identität nicht öffentlich preisgeben. Ihre Mail kommt einem Hilferuf gleich.

Ihr Beruf sei ihre Leidenschaft, sagt die Frau – aber er sei nicht ohne Körperkontakt möglich. Darum kann sie nicht verstehen, warum sie ihn – anders als etwa Friseure – derzeit weiterführen soll. Sie sei in einem Zweig tätig, in dem man eine Therapie ohne weitere Probleme über einige Zeit aussetzen könnte, sagt sie. „Man kann in diesem Bereich den aktuell geforderten, sinnvollen Mindestabstand nicht einhalten“, schreibt die Frau. Oft müsse man den Patienten sehr nah kommen. Das Problem: „Erwachsene können sich noch an die ,Hust-und Niesregeln‘ halten, kleine Menschen und Menschen mit Behinderung nicht.“

Pforzheim

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Die Therapeutin fühlt sich zu wenig geschützt, auch durch ihren Arbeitgeber. So gebe es quasi neben Desinfektionsmittel keine Schutzausrüstung, weder Handschuhe noch Mundschutz, in der Praxis, die wöchentlich von einer dreistelligen Anzahl an Patienten besucht werde. Und deren Zahl habe kaum abgenommen. Wer nicht selbst aus Angst vor einer Corona-Infektion seinen Termin absagt, müsse behandelt werden. Im Fall einer Schließung der Praxis zum Schutz von Mitarbeitern und Patienten sei kein finanzieller Ausgleich von Bund oder Land zu erwarten. „Chefs können es sich nicht leisten, die Praxen von sich aus zu schließen – das wäre deren finanzieller Ruin“, stellt sie klar. Darum sieht die Therapeutin die Politik in der Pflicht, sie zu entbinden. Doch: „Von oben herunter realisiert keiner, welche Gefahr von Heilmittelpraxen ausgeht.“ Am meisten belaste sie die Sorge, selbst zum Überträger des Virus zu werden und immungeschwächte Menschen zu infizieren. Die Therapeutin appelliert auch an ein Umdenken der Patienten: Die Anweisung, zu Hause zu bleiben, solle jeder auch auf nicht notwendige, therapeutische Termine anwenden.