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Erste Schritte in Pforzheim:  Nach fünf Stunden Fahrt entdeckt Luchs „Nummer zwei“ sein neues Zuhause.
Erste Schritte in Pforzheim: Nach fünf Stunden Fahrt entdeckt Luchs „Nummer zwei“ sein neues Zuhause.
Zuhause in Warstein:  Matthias Bäuerle (von links), Maja  Rosenberg, Carsten Schwarz und Monika Kull vom Pforzheimer Wildpark sprechen mit Förster Hennig Dictus (Mitte) über den Luchs-Transport.
Zuhause in Warstein: Matthias Bäuerle (von links), Maja Rosenberg, Carsten Schwarz und Monika Kull vom Pforzheimer Wildpark sprechen mit Förster Hennig Dictus (Mitte) über den Luchs-Transport. © Messmer
10.12.2008

Tierischer Umzug von Warstein nach Pforzheim: Neuer Luchs im Wildpark

Endlich. Fünf Stunden Fahrt sind zu Ende. In einer dunklen Box. Jetzt wird die hölzerne Kiste an einer Seite geöffnet und vor dem Luchs-Männchen liegt sein neues Zuhause im Pforzheimer Wildpark. An diesem Tag hat der Kuder, wie männliche Luchse in der Fachsprache genannt werden, 285 Kilometer auf Deutschlands Autobahnen zurückgelegt. Von Warstein im Sauerland nach Pforzheim am Rande des Nordschwarzwalds.

Aufregung zur Mittagsstunde

Die Aufregung für das zehn Jahre alte Tier hat bereits in den Mittagsstunden begonnen. Seine bisherigen Betreuer Förster Hennig Dictus und Wildpark-Mitarbeiter Heinrich Greifenstein vom Warsteiner Wildpark locken den Luchs in eine Schleuse. Denn in seinem bisherigen Zuhause haben die Tiere einen 7000 Quadratmeter großen Freilauf sowie einen 1000 Quadratmeter kleineren Bereich. Beide Gehege sind mit einem Durchgang verbunden. „Die Tiere werden im kleineren Gehege gefüttert“, erläutert Dictus. Deshalb kriecht auch an diesem Tag das Luchs-Männchen anstandslos in die Schleuse. Doch dann rattert der Schieber herunter. Männchen mit dem Namen „Nummer zwei“ sitzt in der Falle.

Den ungewöhnlichen Namen hat er von Dictus und seinem Team erhalten. Schließlich ist er vor sieben Jahren mit seinem älteren Bruder mit Namen „Klinke“ in den Warsteiner Wildpark eingezogen. Doch gegenüber dem älteren Bruder konnte sich der Kuder nie behaupten. Als dann vor zwei Jahren ein Weibchen in die Männer-Wohngemeinschaft einzog, war es mit dem brüderlichen Miteinander vorbei. „Vor allem während der Ranzzeit gibt es zwischen den beiden männlichen Tieren Ärger“, berichtet Dictus. Und deshalb muss „Nummer zwei“ ausziehen. Dank des Fördervereins Wildpark kann das Tier in Pforzheim aufgenommen werden. Denn der Förderverein kommt für den Kaufpreis des Luchses auf.

Eigentlich hat Carsten Schwarz, Chef des Pforzheimer Wildparks, am Morgen in der Goldstadt zwei Holzkisten auf seinen Pritschenwagen aufgeladen. Denn Schwarz will nicht nur ein Luchs-Männchen, sondern auch noch ein paarungsfähiges Weibchen in den Schwarzwald mitnehmen. Schließlich waren Anfang November zwei Pforzheimer Luchse gestorben. Die dritte Luchsdame ist seitdem allein. Um der 13-Jährigen Gesellschaft zu vermitteln, wollte Schwarz zwei Tiere aus Warstein nach Pforzheim bringen.

Doch aus diesem Plan wurde nichts: Zwar leben im Warsteiner Wildpark noch zwei weitere Jungtiere, doch die sind bereits an andere Einrichtungen versprochen. Die kleinere Luchs-Dame wird nach Spanien vermittelt und der etwas freche Jung-Kater reist nach Österreich, erläutert der Warsteiner Förster, der einst in Bretten das Licht der Welt erblickte. Die Spanier hätten sich lange Zeit nicht gemeldet und so wuchs in Carsten Schwarz die Hoffnung, zwei Tiere nach Hause zu nehmen. Doch in letzter Sekunde kam die Nachricht: Das Luchs-Mädchen wird sich jetzt doch an die spanische Sprache gewöhnen müssen.

„Reibungslos abgelaufen“

So wie „Nummer zwei“ an Pforzheim. Auf der Rückfahrt kreisen die Gespräche um das neue Luchs-Männchen: Schließlich ist der Kuder ohne große Aufregung von der Schleuse in die Transportkiste gekrochen. „Das war ausgesprochen reibungslos“, sagt Schwarz. Innerhalb von wenigen Sekunden war das Tier verladen. Nur ein trotziges Fauchen dringt aus der Kiste.

Und auch das Aufladen auf das Fahrzeug klappt problemlos: Und das, obwohl „Nummer zwei“ gute 25 Kilogramm auf die Waage bekommt und auch die hölzerne Transportkiste einiges wiegt. Damit sich der Stress für das Tier in Grenzen hält, wird die Kiste unter eine Abdeckung geschoben, damit es im Dunkeln transportiert wird. Von der Ladefläche ist kein Geräusch zu hören. Und das bleibt so, bis zur Ankunft in Pforzheim. Zwar ist es mittlerweile finster geworden, doch das scheint „Nummer zwei“ nicht zu stören: Sofort als der Schieber an der Transportkiste nach oben geschoben wird, tapst die Großkatze nach draußen. Zwar ist das Hinterteil noch ängstlich nach unten gesenkt und auch die angebotenen Küken lässt „Nummer zwei“ erst einmal links liegen.

Aber einen Tag später verhält sich der Luchs so, als ob er nie woanders gelebt hätte. „Der ist völlig cool“, sagt Matthias Bäuerle, Student der Forstwirtschaft. Um die Mittagszeit findet dann ein erstes Rendezvous zwischen der älteren Luchsdame und „Nummer zwei“ statt.

Und da zeigt sich, dass der Luchs ein Kater von Welt ist: Ganz nach Art der Samtpfoten, umkreist er zunächst einmal die Angebetete und beschnüffelt sie heftig. Sie indes schreit erst ein wenig herum, letztlich aber vertragen sie sich.

Mit einer Dame verträgt sich „Nummer zwei“ schon, jetzt muss nur noch eine weitere Gefährtin für ihn gefunden werden. Damit auch die Pforzheimer einmal in den Genuss von Luchs-Babys kommen. Dorothee Messmer

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