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Platz zwei beim Konrad-Adenauer-Preis 2019 für die PZ-Redakteure Simon Walter und Isabel Ruf.
Platz zwei beim Konrad-Adenauer-Preis 2019 für die PZ-Redakteure Simon Walter und Isabel Ruf. © Meyer
11.06.2019

Titel verteidigt: Tornado-Reportage beschert PZ-news Platz zwei beim Konrad-Adenauer-Lokaljournalistenpreis

Vier Augenzeugen im Video, Fotos, Karten, Animationen und eine Tonspur: Mit der Multimedia-Reportage „D-Zug am Himmel, Dramen am Boden“ haben die PZ-Redakteure Isabel Ruf und Simon Walter im vergangenen Jahr an die Naturkatastrophe erinnert, die 50 Jahre zuvor die Leben Hunderter Menschen in der Region auf einen Schlag verändert hatte. Für den multimedialen Rückblick und die Printserie wurde die PZ am Dienstag mit dem zweiten Platz beim Konrad-Adenauer-Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet.

Es klang wie ein Zug, ein Donnern, ein Grollen – und für manch einen gar wie ein Flugzeugabsturz: jenes Geräusch, das der Tornado erzeugte, der am 10. Juli 1968 in Pforzheim und der Region wütete.

Es ist dieses von vielen Augenzeugen unvergessene Rauschen, mit dem die 2018 erschienene PZ-Multimedia-Reportage „D-Zug am Himmel, Dramen am Boden“ beginnt. Begleitet wurde diese durch eine sechsteilige Serie in der „Pforzheimer Zeitung“ sowie eine Podiumsdiskussion im PZ-Forum. Für das Gesamtpaket wurden Isabel Ruf und Simon Walter gestern mit dem sogenannten „Oscar des Lokaljournalismus“ ausgezeichnet: dem Konrad-Adenauer-Preis. Bei 390 Einsendungen landeten die beiden PZ-news-Redakteure hinter der „Freien Presse Chemnitz“ auf Rang zwei.

[Hier gelangen Sie direkt zur mit dem Konrad-Adenauer-Preis ausgezeichneten Multimedia-Reportage "D-Zug am Himmel, Dramen am Boden"]

Die Vorbereitungen für die Multimedia-Reportage hatten Anfang 2018 mit der Suche nach Augenzeugen begonnen. Auf einen entsprechenden Aufruf reagierten gut 50 Leser, von denen Ruf und Walter vier als Protagonisten der Reportage auswählten: Eva Zaudtke, Hans Weidner, Wolfgang Hohl und Gisela Sajak. Weitere Augenzeugen unterstützten die PZ mit historischem Material sowie ihrem Fachwissen - etwa Hubert Mahle, der auch bei der Veranstaltung im PZ-Forum auf dem Podium saß.

„Mit Menschen, die diese Naturkatastrophe am eigenen Leib erfahren mussten, an die Orte der damaligen Geschehnisse zu gehen und dort ihre Geschichte, Ängste und Hoffnungen zu hören, war ein Erlebnis, das mich tief bewegt hat“, blickt Isabel Ruf zurück. Parallel zu den Interviews samt Foto- und Videoaufnahmen nahmen sie und Walter Kontakt zu Experten auf – etwa vom Deutschen Wetterdienst und dem Stadtarchiv Pforzheim. Mit dessen Unterstützung gelang es schließlich, auch die Tonspur zu bekommen, die ein Pforzheimer vor 50 Jahren zufällig aufgenommen hatte, als er das vermeintlich aufziehende Gewitter aufzeichnen wollte.

Unterstützung durch weitere Kollegen

Unterstützt wurden die 27-Jährige und der 33-Jährige durch weitere Mitarbeiter des PZ-Medienhauses: das Tochterunternehmen TV-BW Medienproduktionen etwa, das die Animation von der Route des Tornados erstellte. Und Fotograf Thomas Meyer, der für Vergleichsbilder exakt die Stellen aufnahm, die vor 50 Jahren verwüstet wurden. Das gesammelte Material verwoben die Online-Redakteure schließlich über mehrere Wochen hinweg zu der Multimedia-Reportage. „Dieses Format bot uns die Möglichkeit, die vielen Details des Tornados und seiner Folgen in bestmöglicher Weise darzustellen“, sagt Ruf: „Mal war dies durch ein Video möglich, mal durch Audio, Foto oder Text.“

Zu den ersten Gratulanten zählte gestern Kurt Kister, Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“: „Ohne regionale Zeitungen ist alles nichts, jedenfalls alles, was Zeitungsjournalismus ist“, schrieb er an die PZ – verbunden mit viel Lob und Glückwünschen. Dass der Preis „ein großes Stück Wertschätzung für lokalen Qualitätsjournalismus“ ist, betont Thomas Satinsky, Geschäftsführender Verleger der „Pforzheimer Zeitung“. Der Preis sei ein Ansporn, Leser auch künftig „seriös zu informieren, zu unterhalten und zur Meinungsbildung beizutragen – so, wie sich dies für eine anspruchsvolle Lokalzeitung gehört.“

Dass die „ganze Vielfalt modernen Lokaljournalismus‘“ – nämlich Print, Online und Social Media – in der ausgezeichneten crossmedialen Tornado-Serie steckt, hebt PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht hervor. „Soll heißen: Nie war die PZ lebendiger und näher an den Menschen.“

Lobende und warnende Worte der Jury

Auch die Jury der Konrad-Adenauer-Stiftung betrachtete in ihrer Pressemitteilung die gesamte Entwicklung der Zeitungsbranche. Demnach fiel bei den Einsendungen die Lust der Redaktionen auf, „mit neuen Darstellungsformen und Ausdrucksweisen zu experimentieren“ und dem „Publikum noch näher zu kommen. Dabei besinnen sich viele Redaktionen auf alte Reportertugenden: rausgehen, an Türen klopfen, mit Menschen reden, hinschauen, hinhören.“

Auffällig sei jedoch auch, dass die Schere zwischen gutem und misslungenem Lokaljournalismus weiter auseinandergehe – was unter anderem an mangelnden Ressourcen liege. „Qualitätsjournalismus im Lokalen droht unter solchen Umständen zum individuellen Zufallsprodukt zu werden, wo angesichts der keineswegs harmloser gewordenen Probleme des Journalismus Strukturen und Bedingungen notwendig wären, die Qualität auf breiter Fläche ermöglichen“, warnt die Jury.

„Ohne den immensen, auch zusätzlichen Einsatz einzelner Kollegen sowie der Unterstützung aller Redakteure des Ressorts wäre es nicht möglich gewesen, ein solch großes Projekt zu verwirklichen“, sagt Walter, der die Online-Redaktion leitet – und mit der Auszeichnung einen Titel verteidigt hat: Schon im Vorjahr erreichte er beim Adenauer-Preis Rang zwei, damals mit der Serie „Verschwiegene Verbrechen“.