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26.01.2010

Tod und Knochenbrüche durch Glatteis

PFORZHEIM/ENZKREIS. Bei insgesamt 13 größeren Blitzeisunfällen in Pforzheim und dem Kreis ist ein Mann ums Leben gekommen, fünf Menschen wurden schwer verletzt. Mehr Knochenbrüche als üblich verzeichnen die Kliniken.

„Wir wussten was auf uns zukommen könnte“, sagt Bernd Hagenbuch, Leiter der Technischen Dienste der Stadt Pforzheim. Gut, das hatte es bei „Daisy“ auch geheißen, und dann traf es mit Schneeverwehungen und Blitzeis den Osten. Aber gestern Morgen wurde es für die Angestellten der Technischen Dienste und die von der Stadt beauftragten Privatunternehmen ernst: Um 2.30 Uhr wurden sie aus den Federn geklingelt. Jeder der 70 Männer wusste, wo er zu tun hatte, was ein Mann tun muss bei Blitzeis: streuen, ob mit der Maschine oder zu Fuß. Drei Durchläufe machten sie hintereinander, das sind viereinhalb Stunden.

Dennoch holte es viele Menschen in den frühen Morgenstunden von den Beinen. Die Kliniken können ein Lied davon singen. Im Rhön-Klinikum an der Enz verzeichnete die Zentrale Notaufnahme zehn witterungsbedingte Einlieferungen, die Kollegen des Siloah-/St. Trudpert auf der Wilferdinger Höhe gar 13. „Handgelenksbrüche waren der Spitzenreiter“, sagt Bonaventura Schmid-Weinzierl, Leitender Oberarzt, dazu betroffen: Oberschenkel, Sprunggelenke, außerdem gab’s Prellungen und eine Gehirnerschütterung.

Richtig schlimm wurde es auf der Autobahn. Es war 6.45 Uhr, als ein Kleinlaster zwischen Pforzheim Ost und Nord beim Überholen eines Lastwagens ins Schleudern geriet und auf eisglatter Fahrbahn nach rechts in den Böschungsbereich geriet. Er überschlug sich mehrfach. Der 63-jährige Beifahrer starb, ein weiterer wurde schwer verletzt, der Fahrer nur leicht.

Der Fahrer eines unmittelbar folgenden Opel bremste, stellte sich quer – und zwei weitere Autos krachten in das Fahrzeug. Schließlich konnte auch ein weiterer Fahrer sein Auto nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr auf.

Bilanz allein dieser drei Unfälle, denen eine einstündige Vollsperrung folgte: ein Toter, drei Schwerverletzte und 60 000 Euro Schaden. Der Sachschaden, der bei den insgesamt 13 schwereren Blitzeisunfällen entstand, liegt nach Polizeiangaben bei rund 130  000 Euro.
Die Karlsruher Autobahnmeisterei, zuständig im Osten bis Heimsheim, war seit vorgestern um 19 Uhr im Einsatz. Vier Fahrzeuge auf der A 5 und sechs Fahrzeuge auf der A 8 versuchten schon mal vorsorglich, dem sich abzeichnenden Chaos die Stirn zu bieten, waren nach den Worten von Uwe Herzel, Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe, rund um die Uhr im Einsatz und brachten mit ihren rotierenden Tellern am Heck der Fahrzeuge die 70:30-Mischung aus Trockensalz und feuchter Salz-Wasser-Sole auf.

Auch die Feuerwehr wusste frühzeitig über die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes, was die Stunde schlagen würde – aber gefordert wurden die Männer von Kommandant Volker Velten nicht wirklich. Und wenn: „Wir sind so organisiert, dass wir sofort reagieren können“, sagt Velten. Aber auch der oberste Brandbekämpfer weiß, dass seine Leute gerade bei solchen Witterungsbedingungen einen Schutzengel brauchen. Velten: „Das Risiko fährt immer mit.“

Noch früher als die Feuerwehr stellten sich schon die Technischen Dienste ein. Deren Chef Hagenbuch hat einen Vertrag mit einem privaten Anbieter, der keine regionale Vorhersage bietet – sondern punktgenaue Informationen, was Pforzheim betrifft. „Das kostet zwar wie jeder Service“, sagt Hagenbucher, aber damit weiß er wenigstens, woran er ist.

Blitzeis war gestern – und Schnee wird morgen wieder sein. Davon geht Hagenbuch aus. Drängt sich die Frage auf: Sind die Salzlager voll? „Das sind sie nirgends, aber wir kriegen regelmäßig was rein“, sagt er, „jede Kommune hat mehr Nachfrage als Lieferung.“
Aber bis Dienstag, wenn man damit rechnet, dass das Schlimmste fürs Erste überstanden ist, sei man versorgt, zumindest was die Grundaufgaben der Räumdienste betrifft.