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In den USA haben die Tornados Tod und Zerstörung gebracht (links). Auch in Pforzheim hat im Jahr 1968 ein Tornado viele Häuser wie hier auf dem Haidach beschädigt. © dpa/PZ-Archiv
28.04.2011

Todes-Tornados über den USA - Pforzheim 1968 betroffen

PFORZHEIM/WASHINGTON. Weggefegte Häuserzeilen, überschwemmte Straßen, verzweifelte Menschen - Tornados im Süden der USA haben in der Nacht zum Donnerstag mindestens 160 Menschen getötet und viele Teile der Region verwüstet. Über 40 Jahre ist es jetzt her, dass ein Tornado über Pforzheim hinweg fegte. Er beschädigte damals am späten Abend 1750 Häuser und mehrere Fahrzeuge in Pforzheim. In Ottenhausen starben zwei Menschen und 200 wurden verletzt. Es war Pforzheims schlimmste Nacht seit dem Zweiten Weltkrieg.

Bildergalerie: Seit Tagen wüten in den USA heftige Stürme

Bei dem Tornado, der am 10. Juli 1968 über Pforzheim wütete, entstand innerhalb von nur drei Minuten ein Sachschaden in Höhe von über 100 Millionen Mark. Dächer wurden abgedeckt, ganze Fassaden abgerissen, Bäume entwurzelt, Autos durch die Luft gewirbelt und Laternenmasten umgeknickt. Im Sportheim auf dem Buckenberg war das Dach eingestürtzt und mehrere Menschen konnten erst nach einigen Stunden befreit werden. Auch im Enzkreis zwischen Wurmberg und Büchenbronn hat der Tornado damals eine Spur der Verwüstung hinterlassen und das Landschaftsbild nachhaltig verändert.

In den USA sind die Auswirkungen der aktuellen Tornados aber sehr viel schlimmer:

Allein im US-Staat Alabama kamen mindestens 50 Menschen ums Leben, wie US-Medien am Donnerstag früh meldeten. Bis zum frühen Morgen wurden nach Angaben des Nachrichtensender CNN insgesamt 76 Opfer gezählt. Hunderte von Menschen wurden verletzt, viele galten zunächst als vermisst. Ein Fernseh-Meteorologe sagte, Gebäude in der Stadt Tuscaloosa seien einfach verschwunden. Das Schicksal ihrer Bewohner sei ungewiss. Dutzende von Straßen waren nach Überschwemmungen zunächst unpassierbar. Bis Mitternacht (Ortszeit) seien mindestens 138 Tornados über die ebenfalls hart getroffenen Bundesstaaten Tennessee und Mississippi hinweggefegt, hieß es. Hunderttausende Menschen in der Region waren ohne Strom. US-Präsident Barack Obama ordnete sofortige Hilfe für Alabama an. Dazu sollten auch Such- und Rettungskräfte gehören. «Unsere Gedanken sind bei all jenen, die von dieser Verwüstung betroffen sind, und wir loben den heldenhaften Einsatz jener, die unermüdlich gegen die Folgen dieser Katastrophe gearbeitet haben», erklärte Obama. In mehreren US-Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) war von dem Unwetter betroffen. Er nahm auf seiner USA-Reise kurzentschlossen den Zug von New York nach Washington, weil der dort geparkte Regierungsflieger am Mittwoch nicht rechtzeitig loskam, um den Minister in New York abzuholen. Die Fahrt dauerte etwa drei Stunden. Die US-Nationalgarde mobilisierte Hunderte von Mitgliedern, um in den am härtesten betroffenen Regionen zu helfen. Die schweren Stürme deckten von Texas bis Tennessee Häuser ab, kippten Autos um und ließen Strommasten wie Streichhölzer umknicken. Das Ausmaß der Schäden sei noch nicht abzusehen, betonte Obama. Bereits in den Tagen zuvor waren bei Stürmen, Tornados und Überschwemmungen in verschiedenen US-Bundesstaaten elf Menschen ums Leben gekommen. Vor zehn Tagen starben mindestens 40 Menschen bei tödlichen Tornados in Oklahoma und North Carolina.