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20.06.2008

Tödliche Messerstecherei am Marktplatz - Tatverdächtiger in Haft

PFORZHEIM. Nach einer Auseinandersetzung in der Toilettenanlage am Pforzheimer Marktplatz hat ein 47-jähriger Mann – nach PZ-Informationen unter Alkohol – einen 45 Jahre alten Mann mit mehreren Messerstichen getötet. (aktuelle Version mit neuen Details)

„Lass' das Ding fallen“, rief der Polizist, als Erkan G. (Name geändert) auf ihn zukam, blutverschmiert, hastigen Schritts. In Höhe des früheren Schuhgeschäfts „Charlott“ auf der Westseite des Marktplatzes, ließ der 47-jährige Türke das Messer, das er noch in der Hand hielt, fallen. Er wurde sofort festgenommen.

Minuten zuvor, so der dringende Tatverdacht, hatte er den 45 Jahre alten Andreas Z. in der Toilettenanlage am Abgang zur Marktplatz-Tiefgarage niedergestochen – nach PZ-Informationen in Bauch und Brust. Polizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz waren zufälligerweise ohnehin in der Nähe – nach PZ-Informationen hatte ein anonymer Anrufer mitgeteilt, die Tiefgarage stehe wegen eines Rohrbruchs unter Wasser.

In Klinik gestorben

„Da haben sich zwei Männer angeschrien“, erinnert sich eine Geschäftsfrau in der Nähe an die dramatischen Momente gegen 11.35 Uhr. Wegen irgend etwas müssen der Deutsche und der Türke aneinandergeraten sein. Dann die Stiche, die schweren Verletzungen. Ihnen erlag Andreas Z. kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus.

Ein Blick in die Herrentoilette, in der Kriminaltechniker filmen und Spuren sichern, zeigen eine Jacke, blutverschmierte Fliesen, eine Schnapsflasche. Der Täter soll nach PZ-Informationen unter Alkohol gestanden haben – wie stark, das wird später in einem Prozess eine Rolle spielen. Ob es zu einer Anklage wegen Mordes oder Totschlag kommen werde, könne die Staatsanwaltschaft zur Stunde noch nicht beantworten, so Gabi Gugau, stellvertretende Behördenleiterin, gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“.

Unklarheit herrschte über das Motiv und den Tathergang – wenn es sich denn abgespielt hat, wie Erkan G. behauptet. Schließlich gab es keine unmittelbaren Zeugen. Es wird Sache der Kripo sein, die Schilderung auf Plausibilität abzuklopfen. Am Samstag wird der mutmaßliche Täter im Verlauf des Tages dem Haftrichter am Amtsgericht vorgeführt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Alkohol und ein Messer eine unrühmliche Hauptrolle auf dem Marktplatz beziehungsweise in angrenzenden Bereichen spielen: Mitte März 2006 fuhr ein erkennbar betrunkener 42-Jähriger mit dem Aufzug in ein Gebäude am Marktplatz – in die Praxis eines Kinderarztes. Er schrie: „Ich bring' Euch um!“ In Panik stürzten Mütter mit ihren Kindern vom Warte- in die Behandlungszimmer.

Erinnerung an ähnliche Fälle

Die Polizei kam sofort, nahm den Mann fest und steckte ihn zum Ausnüchtern in die Arrestzelle. Er hatte zwei Promille Alkohol im Blut. Wohl war er nicht bewaffnet – aber in der Folge traute sich eine Patientin nur noch mit einem Küchenmesser in der Tasche in die Praxis. In der Folge wurde eine heftige Diskussion geführt, ob der Marktplatz generell eine alkoholfreie Zone werden sollte. Ein Anwalt kündigte sein Mietverhältnis wegen des wenig erbaulichen Umfelds.

Zwei Jahre nach diesem Vorfall kam es abends zu einer Auseinandersetzung zwischen einem 24-Jährigen aus Bad Wildbad und einem unbekannten farbigen Mann. Im Verlauf des Streits zog der Bad Wildbader ein Messer und bedrohte sein Gegenüber. Der rannte davon. Die Polizei hatte Mühe, den Angreifer festzunehmen. Das war am Freitag anders.