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27.09.2011

Totschlags-Prozess: Opfer berichten von Quälereien

In dem Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Karlsruhe um vier Männer, die wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags angeklagt sind, haben am Dienstag die beiden Opfer und weitere Zeugen ausgesagt. Sowohl Täter als auch Opfer leben in den Notunterkünften in der Siedlung Unteres Enztal, alle kennen sich von regelmäßigen Saufgelagen.

Schwarzer Kapuzenpulli, dunkle Hose: Der 57-jährige Alfred D. (Name geändert) berichtet schleppend und mit verhaltenen Gesten, wie ihn die Vierer-Gruppe am späten Abend des 30. Januars besuchte, obwohl er mit seiner Freundin schlafen gehe wollte. Er erzählt, wie der 27-jährige zu dem 49-jährigen Angeklagten gesagt habe: „Du wolltest ihm doch eine mitgeben.“ Dieser habe dann zugeschlagen, später habe der 27-Jährige „mit den Füßen auf mich eingetreten“. Das sei jemand, dem er immer geholfen habe. Und auch die Fäuste des 44-jährigen Angeklagten trafen ihn ins Gesicht, später lag er am Boden. Gegen 1.30 Uhr war Schluss mit der Gewalt. Den Grund für die Eskalation kennt der schmächtige Mann nicht. Der vierte Mann blieb unbeteiligt.

Ins künstliche Koma versetzt

Als die Nachbarin am nächsten Tag die Polizei holt, finden sie Alfred D. auf seiner Matratze im Schlafzimmer eingewickelt in eine Decke. Überall ist Blut. Der Kopf ist angeschwollen wie ein Ballon, die Augen und Lippen ebenso. Er kann nicht mehr sprechen. Die Ärzte versetzen ihn ins künstliche Koma, beatmeten ihn. Eine Rechtsmedizinerin der Uni Heidelberg begutachtet den Schwerverletzten für die Verhandlung. Ihr Fazit: Durch die massive Gewalteinwirkung wäre er vermutlich ohne ärztliche Hilfe erstickt. Verletzungen am Kopf, aber auch durch Rippenbrüche, Hämatome und eine Lungenquetschung – vermutlich durch Sprünge auf den Körper verursacht – war bereits Luft in die Weichteile entwichen. Die zugeschwollene Nase erschwerte das Atmen.“ Die Angeklagten betrachteten die gezeigten Fotos ohne sichtliche Regung.

Über viele Stunden malträtiert

Dies war die zweite grausame Tat innerhalb von zwei Tagen. Denn am Freitag, 28. Januar, hatten die vier Angeklagten bereits einen 46-Jährigen über viele Stunden immer wieder in der Wohnung eines der Angeklagten malträtiert. Nach Aussage des Opfers hatte ihn vor allem der 44-jährige Angeklagte etwa 30 Mal mit Fäusten ins Gesicht geschlagen.

Der Grund war anscheinend eine nicht eingehaltene Wette mit einem der Täter gewesen. Auch dieses Opfer schlug die Gruppe gezielt ins Gesicht, in die Augen –„bis ich endlich nach Hause gehen durfte.“ Als er nichts mehr sehen konnte, weil das Gesicht verquollen war, rief sein Nachbar die Polizei.

Heute werden die Gutachter gehört und die Plädoyers erwartet.