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Gut gelaunt und top frisiert – so kannte man Gerhard Knapp. Foto: dpa
10.09.2017

Trauer um Bartweltmeister und "Pforzemer Schnäuz"-Präsident Gerhard Knapp

Pforzheim. Pforzheim. „Ich bin sehr traurig und schockiert.“ Die Nachricht vom Tod des Pforzheimer Friseurmeisters, Bartkünstlers und mehrfachen Welt- und Europameisters Gerhard Knapp hat Wolfgang Stier tief getroffen. Wie der Präsident des 1. Höfener Bart- und Schnorresclubs erfahren hat, ist Knapp in der Nacht von Donnerstag auf Freitag im Alter von 82 Jahren gestorben.

Stier ist eigenen Angaben zufolge über den Tod seines Vereinskollegen und Freundes vom Club „Pforzheimer Schnäuz“ informiert worden, den Knapp gegründet hatte und dessen Präsident er immer geblieben ist.

„Überall herrscht tiefe Betroffenheit“, sagt Stier, der sich mit Knapp sehr gut verstanden hat. Noch vor kurzem habe Knapp, der seit 1997 auch Mitglied beim 1. Höfener Bart- und Schnorresclub war, Unterlagen für die kommende Bart-Meisterschaft in Israel angefordert. Knapp war weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt, ein Unikat, das mit seinem Faible für ausgefallene Gesichtsbehaarung auch international für Aufsehen gesorgt hat. 1985 gewann Knapp die erste Bartweltmeisterschaft. Zahlreiche Titel folgten, vom Stadt- bis zum Superweltmeister – Meister aller Bartklassen und Liebling der Medien.

Erst Ende Juli ist der Friseurmeister mit 82 Jahren in den Ruhestand gegangen, hat lange Zeit vergebens versucht, für seinen Haarsalon an der Zehnthofstraße einen Nachfolger zu finden. Seit 1958 war der Perücken- und Toupet-Spezialist selbstständig. Der diamantene Meisterbrief warte, sagte er noch im Sommer stolz. Aber nach einem Schlaganfall etwa zwei Jahre zuvor konnte er nicht mehr den ganzen Tag arbeiten – und nahm Abschied.

Ein später Ruhestand

Bereits vor seiner internationalen Karriere als Bartträger ist Knapp um die Welt gereist. Für die Haarpflegeindustrie hat er auf knapp 80 Tourneen Menschen auf allen Kontinenten frisiert und geschult. Doch auch in seiner Heimat war Knapp geachtet, genoss unter Kollegen Renommee. Er war etwa Mitglied der Meisterprüfungskommission und stand von 1986 bis 1999 der Innung als Obermeister vor. 1992 wurde dem heutigen Ehrenobermeister die Karl-Nessler-Medaille verliehen, die höchste Auszeichnung des Landesinnungsverbands. Eine seiner größten Errungenschaften: das Berufsförderungszentrum an der Blumenheckstraße. Fünf Friseurläden mit 34 Angestellten hat Knapp in Pforzheim betrieben und über 100 Lehrlinge ausgebildet. Darauf war er zum Ende seines Berufslebens besonders stolz.

Knapp war in Mönsheim in einer Friseur-Familie aufgewachsen. Vier Kinder hat er großgezogen – auch sie sind dem Handwerk treu geblieben. Doch das Schicksal hatte es nicht immer gut gemeint mit ihm und seiner Familie. Er musste früh beide Ehefrauen zu Grabe tragen, verlor eine Tochter und einen Enkel. Den wohlverdienten Ruhestand wollte Knapp in seinem Garten genießen – der selbsterklärte „Naturmensch“ und sein „kleines Hundchen“. Es war ihm nur einen Sommer lang vergönnt.

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