nach oben
Der frühere Stadtkämmerer Horst Stamm starb vergangene Woche im Alter von 94 Jahren.  Foto: Ketterl
Der frühere Stadtkämmerer Horst Stamm starb vergangene Woche im Alter von 94 Jahren. Foto: Ketterl
12.12.2016

Trauer um ehemaligen Stadtkämmerer Horst Stamm

Pforzheim. Das waren Zeiten: Als Horst Stamm im Jahr 1965 aus dem nordrhein-westfälischen Münster ins Pforzheimer Rathaus wechselte, um dort Stadtkämmerer zu werden, erschien ihm ein Blick in den Haushaltsplan als ausreichende Entscheidungsgrundlage für den Wechsel in die ihm ansonsten unbekannte Stadt. Stamm hatte sich das dicke Buch nach Münster schicken lassen und dort bei seiner Analyse gefunden: Pforzheim verfüge über eine stabile Finanzwirtschaft, eine gesunde Haushaltsstruktur, eine gute Investitionsrate und eine unterdurchschnittliche Verschuldung.

So steht es in der „Pforzheimer Zeitung“ vom 28. Juni 1982 zu Stamms Verabschiedung als Stadtkämmerer. Vergangene Woche ist Stamm im Alter von 94 Jahren gestorben, wie seine Familie, Frau, drei Kinder und Enkel, per Traueranzeige bekanntgab.

In den Jahren an der Spitze der Stadtkämmerei machte er sich einen Namen dafür, auf Wirtschaftlichkeit in der Haushaltsführung und auf eine klare Kostenrechnung hinzuarbeiten, zum Beispiel beim Klärwerk und beim Fuhrpark. Dies sollte die Schwachstellenanalyse erleichtern, zudem die Rücklagen festigen – letztlich eine Vorwegnahme dessen, was später mit der Doppik und den dort aufzuführenden Abschreibungen geschah. Zusammen mit den Sozialdezernenten setzte der Kämmerer auch darauf, soziale Aufgaben an freie Träger zu vergeben, weil diese wirtschaftlicher arbeiteten.

Er wirkte zunächst unter Oberbürgermeister Johann Peter Brandenburg, dann unter dessen Nachfolger Willi Weigelt. An beiden habe er geschätzt, dass sie ihm – der aus Münster im Gegensatz zu Pforzheim das Arbeiten unter einem Finanzbürgermeister kannte – bei der Arbeit weitgehend freie Hand gelassen hatten, verriet er ebenfalls bei seinem Abschied mit nicht ganz 60 Jahren in Folge eines schweren Herzinfarkts. Sein Nachfolger wurde erst Michael Stotz, dann Dieter Bolz. Dem Wohnort Pforzheim blieb Stamm bis zuletzt treu, öffentlich in Erscheinung trat er 2003 noch einmal, als er sich mit einigen Weggefährten letztlich mit Erfolg dagegen wehrte, dass die Stadtbau eine Mehrheit an der Wohnbaugesellschaft Bau und Grund übernahm.

Die Beerdigung findet am Freitag, 16. Dezember, um 12.30 Uhr auf dem Friedhof Dillweißenstein statt.