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13.05.2008

Treffen der Rechtsradikalen - Grillfest aufgelöst, Vortrag gehalten

Die rechtsradikale NPD hat am Pfingstsonntag in der Gaststätte „Im Hinteren Tal“ in Pforzheim-Dillweißenstein eine mehrstündige Veranstaltung abgehalten. Aus rechtlichen wie taktischen Gründen, so der Pforzheimer Polizeisprecher Wolfgang Schick, habe die Polizei die Veranstaltung nicht aufgelöst. Dagegen waren Polizei und Staatsschutz am Samstag in Knittlingen im Einsatz, um ein Grillfest von Mitgliedern von „Stallhaus Germania“, einer der rechtsextremen Szene zugeordneten Gruppierung mit Sitz in Lomersheim, aufzulösen.

Die rechtsradikale NPD hat am Pfingstsonntag in der Gaststätte „Im Hinteren Tal“ in Pforzheim-Dillweißenstein eine mehrstündige Veranstaltung abgehalten. Den Wirtsleuten, die seit März Pächter der Vereinsgaststätte der Spielvereinigung sind, wurde seitens des Veranstalters – nach PZ-Informationen ein Privatmann aus Rosenberg – lediglich anvisiert, im Rahmen einer geschlossenen Gesellschaft „werde ein Autor über sein Buch“ referieren.

Keine Zustimmung bei klarer Ansage

Das stimmt. Aber hätte der Vorstand der SpVgg Dillweißenstein gewusst, wes' Geistes Kind der Veranstalter war, hätte man die Notbremse gezogen, so Vorstandsmitglied Helmut Schmitt. Der war am Sonntagnachmittag ins Hintere Tal gekommen und hatte sich noch über die vielen Autos aus ganz Süddeutschland gewundert.

Als er sah, was sich im Innern der Gaststätte abspielte, „da bin ich zusammengezuckt“. Wohl ist die NPD nicht verboten, wohl lag kein verfassungsfeindliches Material aus, doch die Redner vor den rund 100 Anwesenden (darunter einige Glatzen mit T-Shirts „No-go-area Karlsruhe“) hatten es in sich: Olaf Rose und Abdullah Melaouhi.

Hetze gegen Engländer

Rose ist Germanist, Historiker, Autor, Vortragsredner und arbeitet seit 2006 für die NPD. Der Geschichtsrevisionist hetzt gegen die Engländer und vertritt die These, dass der ehemalige Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß im Gefängnis in Spandau ebenso ermordet wurde wie SS-Chef Heinrich Himmler. Rose ist Mitglied im Vorstand der „Kulturvereinigung Gesellschaft für Freie Publizistik“. Die sieht es unter anderem als ihre Aufgabe an, „unsere Volksgenossen auf die Lügen der BRD-Schickeria aufmerksam zu machen“.

Ihm zur Seite steht immer wieder – so auch an Pfingsten im „Hinteren Tal“ – der ehemalige Hess-Krankenpfleger Abdullah Melaouhi.

Paralleles Partnerschafts-Treffen

„Und das ausgerechnet am Tag, als unsere Freunde aus St. Maur da waren“, stöhnt Schmitt, der sich namens des Vereins entschieden von den rechtsradikalen Gästen distanziert. Am Sonntag rief er umgehend bei der Polizei an. Die hatte schon Wind von der Sache bekommen, entschied sich aber, aus rechtlichen wie taktischen Gründen, so Polizeisprecher Wolfgang Schick, die Veranstaltung nicht aufzulösen.

"Stallhaus Germania" schon lange im Blick

Im Einsatz sind Polizei und Staatsschutz am Samstag in Knittlingen gewesen. Mitglieder von „Stallhaus Germania“, einer der rechtsextremen Szene zugeordneten Gruppierung mit Sitz in Lomersheim, hatten sich auf einem außerhalb gelegenen Grundstück getroffen. Streifen der Polizei waren laut Pressesprecher Wolfgang Schick auf das Treffen aufmerksam geworden. „Wenn wir Kenntnis von Aktivitäten von „Stallhaus Germania“ bekommen, kümmern wir uns darum“, sagte Schick. Grund dafür sei die Vorgeschichte der Skinhead-Gruppe.

Die Polizei hat bereits ein Konzert in Lienzingen im Jahr 2005 überwacht und ist mit einer Hundertschaft zu einem Treffen ausgerückt. Im Herbst 2006 waren die Beamten davon ausgegangen, dass im Lomersheimer Treffpunkt ein Skinhead-Konzert stattfinden sollte. Rund 70 Personen wurden damals kontrolliert, gefunden wurde nichts, die Polizei beschlagnahmte allerdings eine Musikanlage aus dem Gebäude.

Rechte Gruppierung fühlt sich schikaniert

Damals wie heute fühlt sich der Sprecher von „Stallhaus Germania“ von der Polizei schikaniert und will Klage erheben. „Es kann nicht sein, dass die Polizei immer nur bei uns die größten Geschütze auffährt“, sagte der Sprecher. Nach seiner Darstellung ist am Samstag Folgendes passiert: Wie bereits des Öfteren hätten sich Mitglieder von „Stallhaus Germania“ auf dem Wiesengrundstück in Knittlingen getroffen. Diesmal um das achtjährige Bestehen der Gruppe mit Bierwagen und Grillgut zu begehen. Eingeladen seien rund 40 Personen gewesen.

Gegen 18.45 Uhr kamen Polizei und Staatsschutz mit rund 30 Mann. In ihrer Begleitung Marcus Witzke, Geschäftsführer des evangelischen Jugendwerks in Württemberg (ejw). Das ejw ist Besitzer des Grundstücks und hat es dem Posaunenchor Knittlingen zur Nutzung überlassen. Die Polizei hatte beim Besitzer angerufen und ihn auf die Nutzung durch „Stallhaus Germania“ hingewiesen. Dieser pochte auf sein Hausrecht, „Stallhaus Germania“ zog ab.

Zuvor rückte allerdings noch die Feuerwehr Knittlingen an, um das von den Veranstaltern bereits mit Wasser übergossene Grillfeuer vollends zu löschen. Kommandant Markus Haberstroh sieht das als eine dem trockenen Wetter geschuldete Vorsichtsmaßnahme. „Wenn keiner mehr die Glut beaufsichtigt, wer steht dann gerade, wenn etwas passiert?“

Weiter gefeiert auf Privatgelände

Beim Mühlacker Stadttteil Mühlhausen durfte „Stallhaus Germania“ später noch Grillen. Eine Privatperson hatte ihr Grundstück zur Verfügung gestellt und der Gruppe die Nutzung gestattet.

In Knittlingen waren die Aktivitäten von „Stallhaus Germania“ aufgefallen. Allerdings in anderem Kontext: Der Dirigent des Posaunenchors, Günther Rapp, war von einem anderen Mitglied während der laufenden Kirchensanierung angesprochen worden, weil gesehen worden sei, dass die Lomersheimer Gruppe Paletten aufs Grundstück gebracht hätte. Die Sorge war, dass die Grillstelle damit falsch befeuert würde.

Nach Angaben Rapps nutzt der Posaunenchor das Grundstück für Treffen an Himmelfahrt oder zum Saisonabschluss. Außerdem werde das „wunderschön“, aber abgelegen liegende Grundstück vermietet. „Es ist recht zum Feiern, nur nicht, wenn es die falschen Leute sind. Das war sicher nicht abzusehen“, meint Rapp. Und erinnert sich an einen Geburtstag vor einigen Jahren. Damals habe es Ärger gegeben, als eine „andere problematische Randgruppe“ die Party aufgemischt habe.