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Foto: dpa/Symbolbild
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08.07.2016

Tritte ins Gesicht: 40-Jähriger wird brutal überfallen - Prozess gegen 27-Jährigen

Pforzheim. Einen „Absacker“ wollte ein 40-Jähriger am späten Abend des 13. Dezember noch in einer ihm empfohlenen Bar nehmen. Allerdings sah der Absacker anders aus, als er es sich vorgestellt hatte: Nach 22.30 Uhr lag er blutüberströmt nahe der Auerbrücke in einer dunklen Straße. Sein Geldbeutel mit 40 Euro Bargeld, Ausweispapieren und Kreditkarten sowie sein Handy waren verschwunden.

Kurz zuvor hatte er eine Gruppe von vier jungen Männern nach dem Weg zur Bar gefragt. Man werde es ihm zeigen, sagte einer und führte ihn zum Enzvorland. Irritiert wollte der Mann auf seinem Handy nach der Wegskizze schauen, als ihm sein „hilfsbereiter Führer“ den Ellbogen ins Gesicht rammte. Er ging zu Boden und bekam dort noch einen wuchtigen Tritt ins Gesicht. Am Freitag musste sich ein 27-Jähriger wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichtes Karlsruhe, Außenstelle Pforzheim, verantworten. Das Verfahren gegen seine drei Mittäter war abgetrennt worden.

Keinesfalls habe er dem Opfer den Tritt versetzt, sagte der Angeklagte. An manches könne er sich wegen zuvor genossenen Alkohols und Drogen nicht mehr erinnern, aber das wisse er sicher. In Gegenteil, der Tritt habe ihn entsetzt, weil er so unglaublich hart gewesen sei. „Wie auf einen Ball“ habe sein Kumpel ins Gesicht des Opfers getreten. Den Stoß mit dem Ellbogen hingegen räumte er ein. Ob er den Geldbeutel aus der Gesäßtasche des 40-Jährigen gezogen habe, wisse er nicht mehr, das Handy aber habe er dem Mann entrissen. Später habe er es verkauft. Das Handy, das durch viele Hände gegangen war, führte die Polizei nach mühsamer Kleinarbeit schließlich auch auf die Spur des Angeklagten.

Polizei untersucht Schuhe nicht

Bei der Vierergruppe hatten sich zwei komplett herausgehalten, sie standen abseits, erklärte der Angeklagte. Darum wurde die Beute auch nur durch zwei geteilt. „Hektisch“ habe sein Mittäter gegen 23 Uhr seine blutverschmierten Schuhe abgewaschen. Allerdings sagte dieser Mittäter bei der Polizei, den Tritt ins Gesicht habe der Angeklagte dem Opfer verpasst, nicht er. Seine Schuhe wiesen bei der Laboruntersuchung auch keine Blutspuren auf. Die Schuhe des Angeklagten wurden nicht untersucht. „Das war vielleicht ein Versäumnis“, räumte der ermittelnde Kriminalbeamte gestern gegenüber der Kammer unter Vorsitz von Richter Andreas Heidrich ein. Allerdings sagte auch das Opfer bei der polizeilichen Vernehmung, derjenige, der ihm den Ellbogen ins Gesicht gestoßen habe, habe ihm auch ins Gesicht getreten.

Die Entwicklung des Angeklagten verlief ab der Pubertät negativ. Er nahm Drogen, trank, wurde in Kinderheimen und Pflegefamilien untergebracht. Überall riss er aus. Therapien brach er ab. Der gepflegt und intelligent wirkende Mann hat zwar einen Hauptschulabschluss, aber nie eine Lehre in Angriff genommen. Immer wieder saß er im Gefängnis. Außer dem Angeklagten und dem Kriminalbeamten wurden gestern keine Zeugen gehört. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 20. Juli, um 9 Uhr fortgesetzt.

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