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Der Initiator und der Künstler: Hans Mann (links) und Gunter Demnig beim Verlegen von Steinen 2011. Foto: Ketterl/Archiv
Der Initiator und der Künstler: Hans Mann (links) und Gunter Demnig beim Verlegen von Steinen 2011. Foto: Ketterl/Archiv
17.05.2017

Über diese Steine soll man stolpern

Pforzheim/Karlsruhe. Ein paar Wochen ist es her, da wurden im gesamten Stadtgebiet vor ausgesuchten Häusern im Bordstein knapp 30 weitere „Stolpersteine“ eingelassen: Messingquader mit dem Namen von NS-Opfern mit Pforzheimer Bezug – individuell oder allgemein gehalten wie etwa ein Stein zum Gedenken an die in Pforzheim eingesetzten Zwangsarbeiter oder an die in Dillweißenstein und Huchenfeld ermordeten englischen Soldaten (die PZ berichtete). Es handle sich dabei um das einzige dezentrale Kunstwerk Europas, sagt der Künstler Gunter Demnig (Berlin), der in den meisten Fällen persönlich anreist, um die Steine zu verlegen.

Die örtlichen Initiativen haben kein Netzwerk – gleichwohl verfolgen sie die Entwicklung in anderen Städten genau. Und so hört man natürlich das Rumoren im 30 Kilometer entfernten Karlsruhe. Dort krachte es gewaltig zwischen der Koordinierungsgruppe innerhalb des Fördervereins Karlsruher Stadtgeschichte und dem Künstler, der bisher knapp 300 „Stolpersteine“ in der Fächerstadt verlegt hat. Es werden wohl keine mehr dazukommen – denn die Karlsruher haben die Zusammenarbeit mit Demnig aufgekündigt. Nach Medienberichten soll der Künstler zur Bedingung für das Verlegen weiterer Steine in memoriam der Ermordeten – gewissermaßen als Junktim – gemacht haben, dass die Koordinierungsgruppe auch die Namen von Familienangehörigen und Überlebenden präsentieren solle. In Karlsruhe fürchtete man eine Inflation von „Stolpersteinen“.

Auch in Pforzheim hatte sich – 2007 – eine private Initiative „Stolpersteine“ gebildet, bestehend aus Hans Mann, dem ehemaligen Landrat Heinz Reichert und dem früheren evangelischen Dekan Hans-Martin Schäfer. Der erste „Stolperstein“ wurde am 13. März 2008 auf dem Platz der Synagoge verlegt. Es folgten weitere 225 – davon seit 2010 etliche, die auch an die Überlebenden erinnern. Beispielsweise an die drei Kinder von Alfred und Klara Landau, die mit knapp 200 anderen Pforzheimer Juden am 22. Oktober 1940 vom Hauptgüterbahnhof aus ins südfranzösische Internierungslager Gurs und zwei Jahre später nach Auschwitz deportiert wurden. Dort verliert sich die Spur der Eltern. Der Pforzheimer Weg, auch den Überlebenden ein Stück Erinnerung zu widmen, sei aus freien Stücken erfolgt, sagt Hans Mann – lange bevor es zu den angeblichen Knebel-Bedingungen Demnigs in Städten wie Karlsruhe oder Augsburg kam. „Uns tangiert das nicht“, sagt Mann. Demnig übrigens sagt, seine Kritiker hätten nicht mit ihm geredet und stattdessen Lügen verbreitet. Mann: „Wir halten uns da zurück.“ Mehr lesen Sie am Donnerstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.