nach oben
Die Darsteller brillierten: Elke Straehler-Pohl und Benjamin Steinhagen, dahinter sitzen Jaenette Kolem, Regine Hahn und Jürgen Schmerbauch. Foto: Frommer
Die Darsteller brillierten: Elke Straehler-Pohl und Benjamin Steinhagen, dahinter sitzen Jaenette Kolem, Regine Hahn und Jürgen Schmerbauch. Foto: Frommer
13.11.2016

Überzeugendes Amateurtheater: Inszenierung von Loriots Klassikern

Pforzheim.

Was für ein Auftakt! Schon der allererste Sketch „Filmmonster“ der „Loriot Situationen“ war, salopp ausgedrückt, ein echter Kracher. Elke Straehler-Pohl als Reporterin und Benjamin Steinhagen als Filmmonster „Vic Dorn“ sorgten für die ersten Zwerchfellattacken im ausverkauften Osterfeld-Studio. Während der Einstiegszene trug Steinhagen ein perfekt gestaltetes Gruselmonster-Gebiss, das so echt wirkte, dass der 28-Jährige bei seinem nächsten Auftritt nur noch die Augen rollen musste, um erneut Lachschauern im Premierenpublikum loszutreten.

Den Original-Loriot-Sketch hat das unvergessene Komiker-Duo Evelyn Hamann und Vicco von Bülow bereits Mitte der 1970er-Jahre fürs Fernsehen aufgezeichnet; bei Straehler-Pohl und Steinhagen wirkt er kraftvoller und wirkte kein bisschen in die Jahre gekommen.

Silbenverdreher fordert heraus

Für das nächste Highlight sorgte Ensemble-Mitglied Regine Hahn, die in der Szene „Familienbenutzer“ sprachlich brillierte und den schwierigen, und völlig sinnentleerten, weil silbenverdrehten Satz-Lindwurm scheinbar mühelos bewältigte: „Jeder halbwegs gebildete Mensch kann den Familien-Original-Verwutzer bewenden, aber nicht als Bewender verwutzen, gell?“. Sätze, wie diesen oder letztlich nicht zu bewältigende Zungenbrecher kultivierte Loriot – am Pforzheimer Premierenabend wäre er übrigens 93 Jahre alt geworden – auch im Sketch „Inhaltsangabe“ um „Lord Molesworth-Houghton“, den Irina Vierlinger bravourös darbot.

Starke Männerriege

Dem gesamten ATV-Ensemble ist zu bescheinigen, dass der einzig wahrnehmbare Unterschied zu Vollzeit-Schauspielern im selbst vorgenommenen Umbau zwischen den Szenen zu Tage tritt. Die Mischung des Ensembles war ideal gewählt und bewegte sich mit je sechs weiblichen und sechs männlichen Darstellern fern des ansonsten generellen Amateurtheater-Problems: Männermangel. Jede Rolle war ideal besetzt – und zeugte von der langjährigen Erfahrung und vom Motivationsgeschick des Regisseurs Reinhard Kölmel, der es verstand, gleich mehrere Herren aus dem Improvisations-Theater des Osterfelds für ein fulminantes ATV-Debut zu begeistern. Und die „Neuen“ überzeugten: Lothar Müller beispielsweise im „Lottogewinner“ und als Weinvertreter, Jürgen Schmerbauch als Klavierschlepper wie als Reporter und Michael Pott in der finalen Szene „Schmeckt’s“, als zunehmend angriffslustiger Tischnachbar des arg geplagten und von Peter Graf-Gerstenäcker gekonnt gespielten Restaurantbesuchers. In weiteren Rollen brillierten Petra Gstettenbauer, Melanie Kalcher, Jeanette Kolem (als „Frau Hoppenstedt“) und Gunnar Gstettenbauer verlieh dem Anstandsunterricht als Herr Blühmel ein „hochprozentiges“ Highlight. Weitere Aufführungen am 18.11. und 25.11. ab 20.30 Uhr; 27.11. ab 16 Uhr; 9.12. und 10.12. ab 20.30 Uhr; 24.02.2017, ab 20.30 Uhr und 25.02.2017 ab 18 Uhr. Weitere Infos: www.kulturhaus-osterfeld.de