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Hier radelten sie noch vereint: Klimaschutzaktivisten – darunter Umweltbürgermeisterin Sibylle Schüssler (Zweite von links) und VCD-Chef Matthias Lieb (Vierter von rechts) – Anfang Juni bei „Mobil ohne Auto“ im Würmtal. 

Umweltverbände boykottieren Pforzheimer Klimaschutzwoche

Pforzheim. Dicke Luft herrscht zwischen jenen, die sich eigentlich alle den Schutz des Klimas auf die Fahnen geschrieben haben. Da ist die grüne Umweltbürgermeisterin Sibylle Schüssler, die am Samstag, um 11 Uhr mit Unterstützung etlicher lokaler Einrichtungen und Organisationen auf dem Marktplatz die städtische Klimaschutzwoche eröffnen wird.

Und da sind die hiesigen Köpfe der großen Verbände Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC), Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die diese Eröffnung boykottieren – mit überaus kritischer Begründung.

Seit Jahren organisiere die Verwaltung im Juli eine Klimaschutzwoche, mit der die Stadt Pforzheim die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren wolle, heißt es in einer von ADFC-Sprecher Wolfgang Haas, VCD-Chef Matthias Lieb und der BUND-Vorsitzenden Sabine Duffing unterzeichneten Mitteilung, „doch Anstrengungen der Stadtverwaltung für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen können die Umweltverbände nicht erkennen“. Deshalb habe man die Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung abgesagt.

Ziele „krachend verfehlt“

In Pforzheim ließen sich „nirgends wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz nachvollziehen“, schreiben die Umweltaktivisten. Bei vielen vom Gemeinderat verabschiedeten Papieren, etwa dem Verkehrsentwicklungsplan (VEP) aus dem Jahr 2009, dem Klimaschutzkonzept aus 2011, dem Masterplan von 2012 oder dem Radverkehrskonzept von 2013, sei die Umsetzung „offensichtlich komplett zum Erliegen gekommen“. Insbesondere würden die VEP-Ziele für das Jahr 2020, der eine Förderung des Umweltverbunds aus ÖPNV, Fuß- und Radverkehr vorsehe, „krachend verfehlt“. Statt einer Steigerung der Verkehrsanteile des Umweltverbunds zu erreichen, habe der Anteil des Autoverkehrs weiter zugenommen, so VCD-Chef Lieb. Habe der Anteil des Autoverkehrs in Pforzheim 1990 noch 50 Prozent betragen, würden jetzt 61 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt, verweist er auf die Studie „Mobilität in Deutschland“. Nach dem VEP sollte der Autoanteil im Jahr 2020 bei höchstens 50 Prozent liegen. „Dazu hätten allerdings die Alternativen Radverkehr und öffentlicher Verkehr sowie Fußverkehr attraktiver gestaltet werden müssen, was nicht erfolgte.“

Appell für ein Miteinander

Der BUND ist der Meinung, dass die Stadt ihre 2010 im „Konvent der Bürgermeister“ gesetzten Ziele der Reduktion von CO2 „niemals erreichen“ werde, „wenn sie nicht grundlegende Änderungen in ihrer Politik vornimmt“. Erster Schritt wäre das Ausrufen des Klimanotstands, wie es Konstanz getan habe, so BUND-Chefin Duffing. Danach ergäben sich die Entscheidungen und Maßnahmen „von alleine“ (siehe „Forderungen des BUND“). Bei allen Maßnahmen müsse die Stadt „vorbildlich vorangehen“, die Bürger anleiten und motivieren. Die Verantwortlichen dürften „nicht die Ziellinie immer weiter in die Zukunft verschieben, statt zu handeln“. Vermeintlich unpopuläre Maßnahmen müssten getroffen und könnten nicht den Nachfolgenden überlassen werden. Tatsächlich profitierten von einer natürlichen Umgebung alle, weil sie die Lebensqualität erhöhe, so die Verbände, die betonen, weiter an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert und zu beratenden Gespräche bereit zu sein.

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Claudius Erb

Claudius Erb

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