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Auch im OP-Pflegedienst war der Einsatz von externem Honorarpersonal zur Aufrechterhaltung des OP-Betriebs erforderlich.  Foto: dpa-Archiv/Gentsch 

Unbesetzte Stellen trüben die Bilanz des Helios Klinikums Pforzheim

Pforzheim. Unbesetzte Stellen, wegbrechende Kooperationen und sinkende Patientenzahlen: Das Helios Klinikum Pforzheim hat mit einigen Baustellen zu kämpfen. Das spiegelt sich auch im Jahresabschluss 2019, der am kommenden Mittwoch, 22. Juli, im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen beraten wird, da die Stadt Gesellschafterin des privatisierten, einstigen städtischen Klinikums ist. „Insgesamt ist die Gesamtentwicklung als nicht zufriedenstellend einzuschätzen“, heißt es dort. Als eine der wesentlichen Ursachen für den Geschäftsverlauf nennt der Jahresbericht die vielen Personalwechsel. So wurde die seit Februar 2018 vakante Chefarzt-Stelle des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin erst zu Beginn dieses Jahres nachbesetzt.

Bis zur Neubesetzung der Stelle ebenfalls mehrere Monate kommissarisch geführt wurden die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie wegen fristloser Kündigung des Chefarztes sowie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin nach Freistellung des einstigen Chefarztes. Weiterhin vakant ist die Spitzenposition der Klinik für Urologie und Kinderurologie, nachdem der dortige Chefarzt 2019 gekündigt hatte.

 

1014

Vollkräfte arbeiteten 2019 im Helios Klinikum. Damit wurde die Anzahl der Vollkräfte gegenüber 2018 um 24 erhöht. Das Pflegepersonalstärkungsgesetz und die verbindliche Umsetzung der Pflegepersonaluntergrenzen sind ursächlich für die Aufstockung.

 

Hunderte Patienten weniger

In der Klinik für Plastische Chirurgie wiederum reduzierte der Chef seinen Beschäftigungsumfang im Helios wegen der Tätigkeit in einer Privatpraxis. Weil dadurch die Fallzahlen um 23 Prozent zurückgingen, wurde das Beschäftigungsverhältnis zum Jahresende aufgelöst.

Erschwerend kommt hinzu, dass in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie die seit 2012 bestehende Kooperation mit der medius Klinik Ostfildern-Ruit gekündigt wurde. „Das Helios Klinikum konnte deshalb den Versorgungsauftrag im letzten Quartal nicht erfüllen“, heißt es. Die Folge: stark rückläufige stationäre Patientenzahlen in diesem Bereich. 

 

612

Patienten weniger im Vergleich zu 2018 zählte das Helios Klinikum 2019. Das lag vor allem an kleineren Fallzahlen in der Klinik für Urologie und der Kinderklinik. Höhere Nachfrage herrschte dagegen bei die Klinik für Neurologie, der für Pneumologie sowie in der Kardiologie.

 

Insgesamt gab es 612 stationäre Patienten weniger als 2018.  „Die stärksten Fallzahlrückgänge verzeichneten die Klinik für Urologie und die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin“, heißt es. Auch in der Gastroenterologie und der Allgemeinchirurgie gab es Rückgänge. Einen Anstieg der Patientenzahlen erreichten dagegen die Klinik für Neurologie, die Klinik für Pneumologie und die Medizinische Klinik I (Kardiologie) mit der Erweiterung des Spektrums um die minimalinvasiven Eingriffe an den Herzklappen. Jedoch seien aufgrund der hohen Aufwendungen für Einmalmaterial und Implantate parallel auch die Ausgaben gestiegen.

Auch die Ausgaben für externes Honorarpersonal liegen laut Bericht über denen von 2018. Pfleger und Ärzte mussten wegen nicht besetzter ärztlicher Stellen in der Klinik für Anästhesie für die notärztlichen Besetzungen der Rettungswachen in Pforzheim und Wimsheim und für Schichten in der neonatologischen Intensivstation eingesetzt werden. Auch im OP-Pflegedienst war wegen nicht erfüllter Stellenbesetzung der Einsatz von externem Honorarpersonal erforderlich, um den OP-Betrieb aufrechtzuerhalten.

Mehr Personal, höherer Tarif

Mit einer Betriebsleistung in Höhe von rund 115,5 Millionen Euro hat das Klinikum gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 2,8 Millionen Euro erzielt.  Während die Erlöse aus stationären Leistungen um 2,2 Prozent stiegen, blieben die Erlöse aus ärztlichen Wahlleistungen um knapp elf Prozent hinter den Erwartungen zurück. Auch die Erlöse aus ambulanten Leistungen sanken um neun Prozent.

Gleichzeitig stiegen die Personalkosten. Begründet wird dies mit einer größeren Zahl an Vollkräften auf 1014 sowie Tariferhöhungen. Zudem wurden die Ausbildungsplätze für die Pflegeberufe erhöht. Insgesamt wird für 2019 ein Jahresergebnis in Höhe von 1,25 Millionen Euro ausgewiesen.

Nicola Arnet

Nicola Arnet

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