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04.03.2009

Unfallstatistik 2008: Zahl der Verkehrstoten verdoppelt sich

PFORZHEIM/ENZKREIS. Im Land ist die Zahl der Verkehrstoten 2008 um fast zwölf Prozent zurückgegangen – in Pforzheim und dem Enzkreis waren es 100 Prozent mehr. Das trübt die ansonsten positive Unfallstatistik gewaltig. Die Gurtmuffel sind das größte Sorgenkind der Polizei.

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Das Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. liegt in der Stadt Pforzheim etwa doppelt so hoch wie im Enzkreis: 39 beziehungsweise 18 Unfälle ereignen sich je 1000 Einwohner. Betrachtet man das Risiko, verletzt zu werden, relativiert sich die angebliche Gefährlichkeit der Großstadt, und sie liegt nur noch wenig über dem Risiko im Enzkreis. Bei den schweren Personenschäden – Schwerverletzte und Tote – gab es im vergangenen Jahr einen Gleichstand: Hier wie da starben je sieben Menschen.

Ein Todesopfer auf der Autobahn kommt hinzu. Der hohe Blutzoll ist der größte Wermutstropfen im Statistik-Kelch von Polizeichef Burkhard Metzger. In seiner ersten Bilanz-Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt hatte er gestern prinzipiell nur positive Zahlen zu vermelden: Mit 8052 Verkehrsunfällen ging deren Zahl um 4,6 Prozent zurück, ebenso die der Schwerverletzten (auf 293) und die der Leichtverletzten (um über 13 Prozent). Das sind fast überall bessere Zahlen als im Landesdurchschnitt – wären nicht doppelt so viele Tote zu beklagen gewesen. Überdurchschnittlich oft wurden diese tragischen Unfälle von Fahranfängern verursacht. Oft – viel zu oft – waren die Getöteten nicht angeschnallt, könnten also unter Umständen noch leben. Zumal die Autos immer sicherer werden – ein Grund, weshalb trotz der stark gestiegenen Zahl von zugelassenen Fahrzeugen insgesamt deutlich weniger Tote zu beklagen sind als in den 80er- oder gar 70er-Jahren.

Zu schnell unterwegs

Hauptunfallursachen (Autobahn ausgenommen) sind Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Ausfahren (778), gefolgt von Vorfahrtsverletzungen (596 Unfälle) und zu hoher Geschwindigkeit (366). Dieser Faktor gewinnt naturgemäß auf der Autobahn, kombiniert mit zu geringem Abstand, an Bedeutung. Apropos A 8: Dieses Jahr könnte durchaus die magische Marke von 80 000 Fahrzeugen pro Tag geknackt werden. Im vergangenen Jahr betrug die Steigerungsquote gegenüber 2007 satte 4,6 Prozent und lag durchschnittlich bei knapp 79 000 Fahrzeugen. Auch wenn die Unfallursache Geschwindigkeit statistisch um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückging, war zu hohes Tempo in der Stadt, auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen schuld, dass zehn von 14 Menschen starben.

Auch Alkohol am Steuer ist jedes Jahr ein Thema: 2008 hatten 93 Fahrer über 1,1 Promille. Betrachtet man die Zahlen der vergangenen drei Jahre, scheinen die Konsumenten vernünftiger zu sein als 2006 und 2007: Die Zahl derer, die zwischen 0,5 und über zwei Promille intus hatten, ging zurück. Lediglich die Zahl der Fahrer, die sich mit Werten zwischen 0,3 und 0.49 Promille herantasten an die ominöse 0,5-Promille-Grenze, stieg von neun auf 16. Gleichwohl warnt Metzger: „Vielen Verkehrsteilnehmern ist nicht klar, dass insbesondere bei entsprechenden Ausfallerscheinungen wie Unfällen der Führerschein bereits ab 0,3 Promille in Gefahr ist.

Ohne Übung

Was die Zweiräder – Mofas, Roller, Motorräder – betrifft, sind Fahrer einer Altersspanne von 19 Jahren für 87 Prozent aller Unfälle verantwortlich: die 14- bis 17-Jährigen , die 18- bis 24-Jährigen (zu je 25 Prozent) sowie die 40- bis 50-Jährigen – die Generation, die mal den Führerschein machte, 20 Jahre lang keine Praxis hatte, nun über Geld – aber kein Können verfügt und mit der teuren, schweren Maschine nicht zurechtkommt. Bei den Unfällen mit motorisierten Zweirädern verzeichnete die Polizei einen leichten Rückgang um 1,3 Prozent auf 233. Die Zahl der Leichtverletzten ging um über 13 Prozent zurück; es war ein Schwerverletzter mehr zu beklagen, und die Zahl der Toten hat sich auf zwei verdoppelt.

Bei der Bilanz der Überwachungsmaßnahmen fallen einige Zahlen ins Auge: Über 11 000 dokumentierte Geschwindigkeitsverstöße sind einsamer Rekord – 2007 waren es noch rund 7000, 2006 knapp 6000, 2005 rund 4600 und 2004 etwas über 4000. Noch nie wurde so wenigen Lastwagenfahrern wegen einer gravierenden Beanstandung die Weiterfahrt vorübergehend verboten: 42 (im Vorjahr waren es mehr als doppelt so viel). Metzger führt dies wie sein Vorgänger Holger Trunk darauf zurück, dass sich im Zuge des beinharten Wettbewerbs – im Gegensatz zur Zeit unmittelbar nach der Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ – osteuropäische Spediteure es sich nicht mehr leisten können, tickende Zeitbomben ins Rennen um den Kunden zu schicken. Jede Verzögerung durch Pannen oder Polizeikontrollen ist bares Geld, das flöten geht.