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Vor einem Jahr randalierten acht Jugendliche im Pforzheimer Stadtteil Hohenwart. Sie besprühten Wände und zerschlugen Autospiegel. Ein Jahr lang machten sie ihren Schaden wieder gut.
Vor einem Jahr randalierten acht Jugendliche im Pforzheimer Stadtteil Hohenwart. Sie besprühten Wände und zerschlugen Autospiegel. Ein Jahr lang machten sie ihren Schaden wieder gut. © pol
28.12.2012

Vandalismus: Teenager leisten 243 Arbeitsstunden

Pforzheim. Acht Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren verursachten in der Nacht vom 30. auf 31. Dezember vergangenen Jahres und der darauffolgenden Sylvesternacht im Pforzheimer Stadtteil Hohenwart einen Gesamtschaden von ca. 10.000 Euro. Jetzt machten sie ihren Schaden wieder gut.

Begonnen hatte alles in der Nacht vor Sylvester in der Hohenwarter Ortsmitte, von wo aus sich vier Jugendliche aus dem Pforzheimer Raum auf den Weg zum Forum Hohenwart machten. Unterwegs beschädigten sie mit Fußtritten und Handschlägen an 20 geparkten Fahrzeugen die Außenspiegel.

In der Folgenacht trafen sich drei dieser Jugendlichen mit vier weiteren Freunden und besprühten zunächst die Glaswände der Leichenhalle an der Friedhofskapelle mit Schriftzügen. Wieder wurde auf dem Weg zur Begegnungsstätte sowohl Privat- als auch Gemeindeeigentum mutwillig beschädigt. Lampen, Verkehrs- und Hinweisschilder, Garagen, Fahrzeuge sowie eine Holzpalisade wurden besprüht, mit Steinen beworfen, herausgerissen oder eingeschlagen. Und auch hier fielen wieder Außenspiegel an geparkten Fahrzeugen dem Übermut der Jugendlichen zum Opfer.

An der Begegnungsstätte besprühte die Gruppe Sitzgelegenheiten, Natursteine, Tischtennisplatten, Wegweiser und eine Streukiste. Die Wegbeleuchtung wurde beschädigt und ein Zigarettenautomat diente als Zielscheibe für Steinwürfe.

„Das war ganz schön blöd von uns“, räumten die Täter gegenüber der Polizei einige Monate später bei ihren Vernehmungen ein.

Schon früh ergab sich ein Tatverdacht gegen Teile der Gruppe und durch die enge Zusammenarbeit der Staatsanwaltschaft mit der Polizei im Haus des Jugendrechts konnte gemeinsam ein Weg gefunden werden, dass die Jugendlichen zu ihren Taten stehen und den Schaden wieder gut machen konnten.

„Es tut uns leid“ sagten dann zwei der Täter persönlich unter den Augen von Polizeihauptkommissar Volker Weingardt einem Hausbesitzer, dessen Gartenpalisade eingetreten wurde. Dieser nahm die Entschuldigung an und verzichtete auf eine finanzielle Schadenswiedergutmachung in Höhe von mehreren hundert Euro. Stattdessen schlug er vor, dass die beiden einen zusätzlichen Tag gemeinnützige Arbeit im Forum Hohenwart leisten sollten, was diese auch bereitwillig taten.

Neben der finanziellen Schadenswiedergutmachung leisteten die Jugendlichen mit Beginn der Sommerferien bis Ende Oktober insgesamt 243 gemeinnützige Arbeitsstunden im Ortsteil Hohenwart ab.

„Eine tolle Sache“, findet auch der Leiter des Forums, Gerhard Hötger. „Die Jugendlichen haben Mist gebaut, aber sie zeigen Reue, beseitigen die Schäden eigenhändig und leisten darüber hinaus gemeinnützige Arbeit, die der Gemeinde zugute kommt.“

Das ist auch die Philosophie im Haus des Jugendrechts. Jugendstaatsanwalt Dr. Bernhard Ebinger und der Geschäftsführer des Haus des Jugendrechts, Polizeihauptkommissar Thomas Hoffmann sehen in dieser Maßnahme einen tieferen Sinn: „Die Täter konnten durch Ihre Einsicht und dem Willen zur Schadenswiedergutmachung eine Anklage vor Gericht vermeiden, die Opfer bleiben nicht auf ihren Schäden sitzen und die Bevölkerung sieht, dass die Jugendlichen auch Konsequenzen tragen müssen. Wenn die direkte Konfrontation mit den Folgen ihrer Taten vor Ort dazu führt, künftig solche Streifzüge zu unterlassen, ist viel im Sinne des Erziehungsgedankens erreicht.“

Ein Jugendlicher erschien am ersten Tag allerdings nicht zu den Arbeitsstunden. Er wurde am nächsten Morgen von uniformierten Polizeibeamten zu Hause geweckt und zum Rathaus gebracht, um in Hohenwart die gemeinnützige Arbeit zu beginnen. Im Gespräch mit der Polizei wurde bekannt, dass er kurz zuvor seinen Ausbildungsplatz als Maurer verloren hatte. Enge Kontakte zwischen dem Haus des Jugendrechts und der Agentur für Arbeit sorgten schließlich dafür, dass der Jugendliche noch in der laufenden Woche zunächst einen Praktikumsplatz und für 2013 einen Ausbildungsplatz vermittelt bekam. „Wenn Jugendliche in Arbeit und Brot kommen, ist das meist der wichtigste Schritt in eine straffreie Zukunft. Kein Herumhängen auf der Straße, weniger Langeweile und keine permanente Geldnot. Prävention mit Aussicht auf Erfolg,“ sagen die beteiligten Kooperationspartner im Haus des Jugendrechts in der Bahnhofstr. 26.