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Träger der Verdienstmedaille Manfred Barges-Gärtner (Foto) kritisiert Urteil des Jugendschöffengerichts.
Träger der Verdienstmedaille kritisiert Urteil des Jugendschöffengerichts © Ketterl
24.11.2010

Verdienstmedaillen-Träger kritisiert Prügelei-Urteil

PFORZHEIM/ENZKREIS. Manfred Barges-Gärtner, 43, einer der Träger der Verdienstmedaille des Präventionsvereins „Sicheres Pforzheim – Sicherer Enzkreis“, ist wütend. Er fühlt sich durch das Urteil des Jugendschöffengerichts verhöhnt. Barges-Gärtner war im September vergangenen Jahres eingeschritten, als er mitbekam, wie vier junge Frauen sich an einer Bushaltestelle in der Pforzheimer Innenstadt drohend vor einem älteren Mann aufgebaut hatten. Barges-Gärtner entschied sich in Sekundenschnelle, einzugreifen.

Im Zuge der Auseinandersetzung vor allem mit einer 19-Jährigen war er niedergeschlagen worden und kam ins Krankenhaus. Nie, auch im Prozess nicht, wurde geklärt, wer verantwortlich für den Sturz war. Zeugen hatten jedoch gesehen, wie die 19-Jährige dem bewusstlos am Boden Liegenden ins Gesicht gespuckt hatte und versucht haben soll, den Wehrlosen zu treten. Die 19-Jährige wurde zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt – allerdings nicht wegen dieser Tat. Die sei ihr nicht nachzuweisen, so der Richter. Sondern weil sie wegen eines anderen Dlikts unter Bewährung stand und Bewährungsbrecherin war.

Barges-Gärtner fühlt sich nun verunglimpft. Der Richter hatte in seinem Urteil gesagt, die Zivilcouragepreisträger seien wohl vorschnell belobigt worden. Barges-Gärtner hätte, sagt er im Gespräch mit der PZ, nicht übel Lust, die Verdienstmedaille wieder zurückzugeben. Die Richter-Schelte, man müsse eben erst einmal kritisch abwägen und die Situation einordnen, kann er ebenso wenig nachvollziehen wie Oberstaatsanwalt Christoph Reichert. Der teilt die Auffassung des Gerichts nicht und sagt: „Es war eine Situation, wo in Sekundenschnelle entschieden werden musste: Helfe ich oder nicht?“ Es sei oft leichter, solch einen Vorgang im Nachhinein strafrechtlich zu beurteilen. „Überrascht“ zeigt sich Polizeichef Burkhard Metzger, der mit Oberbürgermeister Gert Hager und Landrat Karl Röckinger die Verdienstmedaillen überreicht hatte. Metzger: „Es galt damals, schnell ein Zeichen zu setzen, dass man sich in solchen Situationen einsetzt statt wegzuschauen.“

Den Rücken gestärkt hat Berges-Gärtner nach dem Urteil noch keiner derer, die ihn damals lobten. Zuspruch in Form von Unverständnis über das Urteil kommt dagegen von Bekannten und Arbeitskollegen. ol

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