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Derivate-Debakel in Pforzheim

Der Derivate-Prozess zwischen der Stadt Pforzheim und J.P. Morgan ist aktuell unterbrochen. Von Rechts im Bild: Oberbürgermeister Gert Hager, die Anwälte der Stadt Christian Kirchberg, Marco Röder, dann die Kammer um Richter Daniel Köhler.
Derivate-Prozess © Klimanski
01.12.2014

Vergleich mit J.P. Morgan: 37,2 Millionen weniger Verlust für Pforzheim

Frankfurt/Pforzheim. Die Dienstreise nach Frankfurt hat sich für Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager, seine Mitarbeiter und die Anwälte der Stadt gelohnt: Die Stadt Pforzheim und die Investmentbank J.P. Morgan haben sich bei dem als Verhandlungstermin angesetzten Treffen am Landgericht Frankfurt auf einen Vergleich bei der Haftung für 55,9 Millionen Euro Verluste der Stadt aus Zinsderivatgeschäften der Jahre 2005 und 2006 geeinigt. Pforzheim kann die Verluste nun um 37,2 Millionen Euro verringern.

Der Vergleich sieht vor, dass die Bank der Stadt 28,1 Millionen Euro überweist. Zudem erhebt J.P. Morgan keinen Anspruch mehr auf 9,1 Millionen Euro, die Pforzheim durch ähnliche Geschäfte mit der Deutschen Bank als Gewinn gemacht hatte – weil aus diesen Geschäften zwischenzeitlich Verluste in unbegrenzter Höhe drohten, hatte Pforzheim überhaupt erst die Zinsderivate bei J.P. Morgan zum Ausgleich abgeschlossen. Somit hat Pforzheim seinen Verlust um 37,2 Millionen Euro verringert. In der Verhandlung war bekannt geworden, dass J.P. Morgan am Donnerstag vergangener Woche erstmals ein eigenes Vergleichsangebot unterbreitet hatte, nachdem es bereits vom Gericht zwei Vorschläge gegeben hatte. Diese waren der Stadt, wie zuletzt auch das Angebot von J.P. Morgan über 22,7 Millionen Euro, zu niedrig gewesen.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Frankfurt, Daniel Köhler, hatte in der Verhandlung für einen Vergleich geworben. Daraufhin begannen einstündige Verhandlungen beider Seiten auf dem Flur des Gerichts, die zu dem Ergebnis führten. Es wird, wenn beide Seiten sich nicht mehr äußern, am 23. Dezember rechtskräftig. Das Regierungspräsidium Karlsruhe als Rechtsaufsichtsbehörde muss noch zustimmen, genau wie der Pforzheimer Gemeinderat.

Wie die Stimmung im Gemeinde bezüglich eines Ja zum Vergleich ist, lesen Sie in einer PZ-Umfrage unter den Fraktionen am Dienstag in der „Pforzheimer Zeitung - Region Mühlacker“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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