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05.09.2008

Verhalten zuversichtlich

PFORZHEIM. Die Bewohner des Großraums Pforzheim glauben mehrheitlich, es gehe ihnen wirtschaftlich schlechter als im Jahr zuvor. Aber laut Regionalmonitor denken sie überwiegend, dass dies nächstes Jahr anders sei.

Es ist das zentrale Glaubensbekenntnis der Nostalgie: Früher war alles besser. Und tatsächlich: In wirtschaftlicher Hinsicht haben sich deutschlandweit die Zeiten für die breite Masse in den vergangenen zehn Jahren eher zum Schlechteren gewendet. Auf die Zeit weit verbreiteter Arbeitslosigkeit folgten Jahre mit hohen Preissteigerungen bei stagnierenden Netto-Einkommen.
Auch im Nordschwarzwald hat dies in der Einschätzung der Menschen seine Spuren hinterlassen. Fast die Hälfte der knapp 800 im Rahmen des Regionalmonitors Nordschwarzwald Befragten glaubt, vor einem Jahr noch wirtschaftlich besser dagestanden zu sein. Die allgemeine wirtschaftliche Lage im Großraum Pforzheim zwischen Bretten und Calw, zwischen Remchingen und Heimsheim, zwischen Enzklösterle und Mühlacker aber beurteilen die Menschen deutlich zuversichtlicher: Nur drei von zehn Befragten glauben, es gehe der Region wirtschaftlich schlechter als im Vorjahr, immerhin zwei von zehn sagen, es sei aufwärts gegangen. Fünf von zehn, die Hälfte also, sagen, die wirtschaftliche Lage im Nordschwarzwald sei gleich geblieben. Für das kommende Jahr rechnen etwas mehr Befragte mit einer Verbesserung: 22 Prozent sagen, allgemein wie persönlich werde es wirtschaftlich aufwärts gehen. Doch es gibt, was die persönlichen Zukunftserwartungen angeht, weniger Pessimisten als beim Blick auf die allgemeine Lage im Nordschwarzwald: Nur 23 Prozent erwarten eine Verschlechterung bei sich selbst, im Allgemeinen rechnen dagegen 30 Prozent mit einem negativen Trend.

Die Frage nach der wirtschaftlichen Entwicklung ist nicht die erste, bei der sich deutliche Unterschiede zwischen den Menschen im traditionell badischen Teil des Großraums Pforzheim und den eher schwäbisch geprägten Gebieten auftun. Aber die Differenzen treten hier besonders deutlich zutage. Während die Bewohner des westlichen Enzkreises, traditionell gen Karlsruhe orientiert, nur zu 36 Prozent eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation im Vergleich zum Vorjahr angeben, sind es im östlichen Enzkreis 51 Prozent.
Dort ist gleichzeitig mit acht Prozent auch der Anteil derjenigen am niedrigsten, die nach ihrem Empfinden besser dastehen als vor einem Jahr. Im westlichen Enzkreis sind das immerhin zwölf Prozent. Die Pforzheimer befinden sich im Mittelfeld. Die Calwer und die Brettener weisen die interessante Besonderheit auf, dass bei ihnen im Vergleich mit den anderen Gebieten am wenigsten Befragte davon ausgehen, dass alles beim Alten geblieben sei. Auch dieser Wert, der ein gewisses Vertrauen in die Stabilität der eigenen wirtschaftlichen Lage erkennen lässt, ist im westlichen Enzkreis am deutlichsten ausgeprägt und liegt dort bei 52 Prozent. Auffällig ist ebenfalls, dass eine Verbesserung der eigenen Lage im Vergleich zum Vorjahr mit zunehmendem Alter seltener gesehen wird. Glauben 19 Prozent der unter 25-Jährigen daran, so sind es bei den 26 bis 35 Jahre alten nur noch 14 Prozent, 12 Prozent bei den 36 bis 45 Jahre alten, sieben Prozent der 46 -bis 65-Jährigen und nur noch zwei Prozent der über 65-Jährigen. Umgekehrt nimmt der Anteil derer zu, die sich schlechter dastehen sehen alss vor einem Jahr: Er klettert von 36 Prozent bei den Jüngeren auf 55 Prozent bei den 46- bis 65-Jährigen, sinkt dann bei den Menschen im Rentenalter allerdings wieder auf 44 Prozent.

Ganz grundsätzlich aber beschäftigt die wirtschaftliche Lage der Region die Menschen: Sie gilt gleichermaßen als eine der großen Stärken (bei 35 Prozent der Befragten, Platz zwei der Nennungen) wie auch als eine ihrer größten Schwächen (19 Prozent, ebenfalls Platz zwei).