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Parkmöglichkeiten:  Die Situation wird als gut bezeichnet, doch nach der Untersuchung ist das Parkhaus an der Deimlingstraße weggefallen.
Parkmöglichkeiten: Die Situation wird als gut bezeichnet, doch nach der Untersuchung ist das Parkhaus an der Deimlingstraße weggefallen.
Radfahrwege:  Zumindest in Ost-Westrichtung entlang der Flüsse gibt es in der Tallage ein gutes Angebot.
Radfahrwege: Zumindest in Ost-Westrichtung entlang der Flüsse gibt es in der Tallage ein gutes Angebot. © Frei
26.06.2008

Verkehr in Pforzheim: kaum Platz für fahrende, viel Platz für parkende Autos

PFORZHEIM. Es ist Halbzeit auf dem Weg zum Verkehrsentwicklungsplan, den der Gemeinderat im Dezember 2006 beschlossen hat. Von den vier Arbeitsschritten sind mit dem Entwickeln eines Leitbilds der zweite Schritt erledigt.

Nachdem zunächst die aktuelle Situation analysiert wurde, hat das mit den Untersuchungen beauftragte Ingenieur-Büro Dr. Brenner (Aalen/Stuttgart) ein Leitbild für die Stadt entwickelt, das nach Beratung und Diskussion in der dafür eingesetzten Projektgruppe nun den Gremien des Gemeinderats vorgestellt wird. Im Planungs- und Umweltausschuss fand es uneingeschränkte Zustimmung.

Wie Ulrich Noßwitz vom Büro Dr. Brenner erläuterte, soll das Leitbild ein verbindlicher Orientierungsrahmen sein, das die Ziele der städtischen Entwicklung kurz zusammenfasst. Es enthalte dabei bewusst keine konkreten Maßnahmen, denn solche sollen in den weiteren Bearbeitungsschritten entwickelt werden. Die Menschen sind weniger zu Fuß und dafür mehr mit dem Auto unterwegs – dies ist eine Erkenntnis der Untersuchungen. Bei der Wahl der Verkehrsmittel besitzt das Kraftfahrzeug mit 58 Prozent den höchsten Anteil und hat damit seit dem Jahr 1990 um zehn Prozent zugenommen. Diese Entwicklung ging fast ausschließlich zu Lasten der Fußwege (24 Prozent). Der Anteil des öffentlichen Personnahverkehrs (ÖPNV) konnte durch ständige Verbesserungen mit 17 Prozent gehalten werden. Gering ist der Anteil der Radfahrer mit einem Prozent.

In dem Gutachten wird hervorgehoben, dass der Fußgängerverkehr vor allem durch trennende Elemente wie Bahnstrecken, hochbelastete Hauptverkehrsstraßen, Gewässer sowie ausgedehnte Gewerbegebiete erschwert wird. Die zum Teil im Wegenetz vorliegenden Mängel wie erschwerte und daher unsichere Möglichkeiten, Straßen zu überqueren sowie die starke Inanspruchnahme von Flächen durch den fließenden wie auch den ruhenden Kraftfahrzeugverkehr, würden die Bewegungsfreiheit von Fußgängern behindern.

Auf der anderen Seite bestehen im innerstädtischen Straßennetz erhebliche Belastungen. Die Gutachter gehen zudem davon aus, dass der motorisierte Individualverkehr weiter zunehmen werde. An dem müsse sich das Straßennetz orientieren. Denn wichtige städtische Ziele müssten sowohl aus Pforzheim wie aus der Region gut erreicht werden.

Gut abgeschnitten haben, wie Noßwitz erläuterte, die Parkmöglichkeiten in Pforzheim. Im Vergleich zu Städten ähnlicher Größenordnung bestünden vergleichsweise hohe Kapazitäten. Selbst zu einer Spitzenzeit wie vormittags um 11 Uhr betrage die Auslastung nur 85 Prozent. Bei dieser Auswertung gab es jedoch noch das mittlerweile abgerissene Parkhaus an der Deimlingstraße mit seinen 600 Stellplätzen. Mit in das Leitbild aufgenommen wurde, dass Parkhäuser für Kunden- und Besucherverkehr wie auch für Anwohner genutzt werden sollen. Langzeitstellplätze für Beschäftigte seien in außerhalb der Innenstadt gelegenen Parkierungsanlagen auszuweisen. Wobei, wie gesagt, konkrete Maßnahmen bisher nicht beschlossen wurden. Was Bürgermeister Alexander Uhlig zur Bemerkung veranlasste, dass bei den nun anstehenden beiden Schritten der Weg steiniger werde. Denn nun gelte es, Pflöcke für die Zukunft einzuschlagen.

Verkehrsleitbild

Die wichtigsten Thesen des Leitbilds als verbindliche Grundlage für die weitere Bearbeitung des neuen Verkehrsentwicklungsplans sind:

 Für alle Verkehrsteilnehmer sollen gleichwertige Verkehrschancen geschaffen werden.

Zielsetzung ist eine Stadt der kurzen Wege.

Zukünftig sollen 50 Prozent aller Wege zu Fuß, mit dem öffentlichen Personennahverkehr, mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Das Fußwegenetz ist auszubauen und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Der Radverkehr soll entlang geeigneter Achsen und in den Stadtteilen gefördert werden.

Die Flächen für Fußgänger und Radfahrer müssen attraktiv und sicher ausgestaltet sein, um deren Akzeptanz zu erhöhen.

Der öffentliche Personennahverkehr muss trotz seines hohen Standarts einen Qualitätssprung bewältigen, um seinen Anteil bei der Wahl der Verkehrsmittel weiter zu erhöhen.

 Die Erreichbarkeit wichtiger städtischer Ziele mit dem motorisierten Individualverkehr soll gewährleistet werden. Dies soll aber möglichst stadtverträglich geschehen.

Gefahrenstellen im Verkehrsnetz sind weiter zu entschärfen.

Parkraum an Straßen ist vorrangig Anwohnern und Kunden beziehungsweise Besuchern zur Verfügung zu stellen.

Güterverkehr ist auf den kürzesten Wegen zu gewährleisten.

Verkehrliche Stärken der Stadt sind im Sinne des Stadtmarketings hervorzuheben. pm