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Weniger ist mehr:  Die Planer regen an, die Hauptverkehrsachsen auf ein so genanntes Vorbehaltsnetz zu reduzieren. Hinzu kommen ein Innenstadtring für fließenden Verkehr und ein Parkring für alle, die in die City wollen.
Weniger ist mehr: Die Planer regen an, die Hauptverkehrsachsen auf ein so genanntes Vorbehaltsnetz zu reduzieren. Hinzu kommen ein Innenstadtring für fließenden Verkehr und ein Parkring für alle, die in die City wollen.
Plan 1:  Kommt nur die halbe Westtangente, muss ein Tunnel unter der Zerrennerstraße her.  Grafiken:   Stadt
Plan 1: Kommt nur die halbe Westtangente, muss ein Tunnel unter der Zerrennerstraße her. Grafiken: Stadt
19.03.2009

Verkehrsplaner setzen auf Pforzheimer Bürger

PFORZHEIM. Ohne zumindest einen Teil der Westtangente und ohne durchgängig befahrbaren Unterbau der Zerrennerstraße wird es keine Verkehrslösung für Pforzheim geben. Darauf läuft der Verkehrsentwicklungsplan hinaus.

Über Geld spricht man nicht. Nicht gerne jedenfalls, und nicht in konkreten Zahlen. So halten das in aller Wohlerzogenheit auch diejenigen, die gestern den Stand der Dinge rund um den Pforzheimer Verkehrsentwicklungsplan 2020 vorgestellt haben: Von Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (FDP) über Baubürgermeister Alexander Uhlig (CDU) und seine Mitarbeiter bis hin zu Ulrich Noßwitz, dem Verkehrsplaner des Büros Dr. Brenner.

Was die einzelnen, in Betracht gezogenen Maßnahmen kosten, das wird in groberen Schätzungen erst in den kommenden Monaten auf den Tisch gelegt. In der Phase, in der aus den möglichen Lösungen der Pforzheimer Verkehrsprobleme ein konkretes Konzept werden soll. Der nächste Schritt dazu ist, die Bürger mit an Bord zu holen. „Wir wollen den Plan unter Einbindung der Bevölkerung entwickeln“, sagt Christel Augenstein.

Bürgerversammlung am Mittwoch

Nächsten Mittwoch, 25. März, stellt sie ihn ab 19 Uhr bei einer Bürgerversammlung im CongressCentrum vor. Und in mehreren abendlichen Foren, alle im Verlauf des April, mit Experten der Stadt und des Planungsbüros können sich die Bürger an den Planungen der einzelnen Themenbereiche beteiligen, die Anmeldung erfolgt über den Internet-Auftritt der Stadt (www.pforzheim.de).

Grundsätzlich kann dabei über alles gesprochen werden. Doch es gibt Vorgaben. Eine resultiert alleine schon aus dem Leitbild. Auf umweltverträgliche Art, also zu Fuß, mit dem Fahrrad und per Bus und Bahn sollen künftig wieder 50 Prozent aller Wege in Pforzheim zurückgelegt werden.

Die Quote war deutlich gesunken. Weil aufs Fahrrad in Pforzheim aber nur der ungewöhnlich niedrige und durch die Berg- und Tal-Lage alleine nicht erklärbare Anteil von einem Prozent entfalle, sei er zuversichtlich, schon durch mehr Radler dem Ziel nahe zu kommen, sagt Planer Noßwitz. Seine Ergebnisse sprechen tendenziell gegen eine Stadtbahnlinie durch die City, eher sei ein Straßenbahnnetz bis in die Höhenstadtteile denkbar. Bleibt die Stadt den Bussen als alleinigem Träger des öffentlichen Personennahverkehrs treu, dann müsste auch dort kräftig investiert werden.

Busse weiterhin auf dem Leo

Der Leopoldplatz bietet sich als zentraler Verknüpfungspunkt weiterhin an, er sei ein Grund für die feste Verankerung der Stadtbusse. Allerdings solle er umgestaltet werden, locke zu viele Fahrzeuge an, die dort nicht hingehörten. „Wenn sich Autofahrer den Spaß machen, in aller Gemütsruhe über den Leopoldplatz zu fahren, muss man sich fragen, welche Unverfrorenheit dahinter steckt“, sagt Noßwitz.

Für die Zerrennerstraße sieht er in ihrer heutigen Form keine Zukunft. Sie wird den Überlegungen zufolge entweder zu einem Stadtboulevard verkehrsberuhigt und mit einer durchgängig befahrbaren Tiefgarage unterbaut oder gleich komplett untertunnelt und dafür überirdisch gesperrt. Anders werde es kaum gehen, vermutet Noßwitz. Welche dieser beiden Varianten zum Tragen kommt, hängt maßgeblich von der Westtangente ab. Entsteht die nur zum Teil als Umfahrung der Stadt ins Brötzinger Tal hinunter, muss die Brötzinger Brücke ausgebaut und die Zerrennerstraße untertunnelt werden. Ist bis etwa 2020 die gesamte Westtangente bis ins Nagoldtal hinein fertig, reicht bei der Zerrenner Straße die Stadtboulevard-Lösung. „Keine Maßnahme wirkt für sich alleine, es gibt immer Wechselwirkungen“, sagt Baubürgermeister Uhlig dazu. Und wenn die Westtangente gar nicht kommt? „Sie kommt“, sagt Oberbürgermeisterin Augenstein. „Ich bin ganz zuversichtlich“.