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© Symbolbild: dpa
26.09.2011

Versuchter Totschlag: Prozess in Karlsruhe gestartet

Vier Männer im Alter von 27 bis 44 Jahren sind seit Montag vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Karlsruhe angeklagt, zwei Saufkumpane schwer misshandelt zu haben. Den einen so schwer, dass er nur knapp überlebte (die PZ berichtete). Beide Fälle ereigneten sich Ende Januar an einem Wochenende zwischen Freitag und Sonntagabend.

Opfer und mutmaßliche Täter haben etwas gemeinsam: Sie leben alle seit längerem in den Notunterkünften im Eutinger Tal zwischen der Firma Behr und dem Klärwerk. Drei der Angeklagten sind arbeitslos, einer arbeitet sporadisch als Minijobber. Sie sind alle schon mehr oder weniger mit Gerichten, Gefängnissen und Entgiftungseinrichtungen in Berührung gekommen – und in der Siedlung für ihre Aggressionen und Gewaltbereitschaft bekannt. Bis zu den Vorfällen Ende Januar trafen sich Opfer wie Täter regelmäßig zum Besäufnis.

In beiden Fällen hatte sich die Gruppe abends zunächst bei einem der Angeklagten, dem 33-jährigen Walter Z. (Name geändert), getroffen. Dieser hat nach Überzeugung von Staatsanwalt Henning Heil im ersten Fall das Opfer ebenfalls geschlagen, bei der Quälerei des zweiten Opfers aber lediglich zugeschaut und es unterlassen, Hilfe zu holen.

Er sitzt deshalb im Gerichtssaal mit seiner Verteidigerin links auf der Seite des Staatsanwalts, seine Kumpels auf der anderen Seite mit ihren Verteidigern. Walter Z. belastete diese beim erste Verhandlungstag mit seinen Aussagen schwer. Bis auf einen 27-jährigen Angeklagten räumten dann auch alle ein, in beiden Fällen mehr oder weniger viel Gewalt angewendet zu haben. Das Gericht muss nun versuchen, Tritte und Schläge zuzuordnen.

Da das erste Opfer, ein 46-jähriger Mann, das Bier für eine verabredete Wette nicht beibringen konnte, verprügelte ihn die Gruppe am Freitag abend 28. Januar, mit Schlägen und Tritten nach Aussage von Walter Z. in dessen Wohung – eine Stunde lang. Das Opfer erlitt Frakturen und Verletzungen im Gesicht und eine doppelten Nasenbeinbruch.

Am Sonntag abend ging die Gruppe mit dem Vorsatz los, 57-jährigen Bekannten zu misshandeln. Der lebt in der Wohnung seiner psychisch kranken Freundin. Erst sass er bei den Schlägen noch auf dem Sofa, später lag er am Boden , als er Tritte ins Gesicht bekam und auf ihn drauf gesprungen und uriniert wurde. Die Gruppe hatte die Freundin derweil ins Schlafzimmer geschickt. Nachdem sie den 57-Jährigen grausam zugerichtet hatten und er sich nicht mehr rührte, verließen die Täter die Wohnung und kümmerten sich nicht um den schwerverletzten. Eine Nachbarin fand ihn am nächsten Morgen, auf dem Sofa sitzend.