nach oben
08.04.2014

Versuchter Überfall auf Solarium: Neun Monate auf Bewährung

An einem Abend im November, es ist bereits dunkel, da macht sich der damals 21-jährige Angeklagte auf den Weg zu seiner Freundin. Mehrere Joints und eine halbe Flasche Jägermeister hat er da bereits nach eigenen Angaben intus. Unter diesen Bedingungen kommt dem Arbeitslosen, der bis heute keine Ausbildungsstelle gefunden hat, eine scheinbar gute Idee.

Er beschließt kurzerhand, ein Solarium in der Zerrennerstraße auszurauben. Eine Waffe hat der junge Mann nicht dabei. Aber seine Statur ist groß, massig und kann durchaus bedrohlich wirken. Kurz vor Ladenschluss um 22 Uhr betritt er das Solarium in dem sich zwei junge Frauen, die Angestellte und eine Freundin, gerade auf den Heimweg machen wollen. „Wir haben geschlossen. Bitte kommen Sie morgen wieder“, sagt erstere. Aber der Angeklagte reagiert nicht, geht stattdessen hinter die Theke, zieht sich da erst einen schwarzen Schal über Mund und Nase und sagt: „Das ist ein Überfall. Gib mir das Geld.“ Die späte Maskierung ist nicht das Einzige, was der Angeklagte nicht bedacht hat. Die Angestellte kennt ihn. Seine Freundin hatte aushilfsweise in eben jenem Solarium gearbeitet, er hatte sie mehrmals von dort abgeholt.

Daran erinnert sich die Angestellte und sagt es ihm ziemlich mutig ins Gesicht. Ihre Freundin fordert sie auf, die Polizei zu rufen. Der Angeklagte bringt nicht viel mehr heraus, als immer wieder das Geld zu fordern. Aber das, so behauptet die junge Frau, liege im Hinterzimmer in einem Tresor. Als er registriert, dass die andere Frau bereits den Hörer am Ohr hat, will er, dass sie auflegt. So richtig bedrohlich aber scheint er auf keine der beiden zu wirken. Geistesgegenwärtig lockt die Angestellte ihn von ihrer Freundin weg und zeigt ihm den Tresor. Und da beschließt er plötzlich, die Flucht zu ergreifen. Spontan gekommen, spontan gegangen. Beide Male mit leeren Händen. Statt der erwarteten 700 oder 800 Euro Tageseinnahmen hat er nun nach Ende der Hauptverhandlung am Dienstagmorgen vor dem Schöffengericht erneut eine Bewährungsstrafe bekommen.

Erst im Juni vergangenen Jahres war eine Bewährungsstrafe wegen Betrugs, gefährlicher Körperverletzung und Verkauf von Marihuana abgelaufen. Dass Richter Hermann Meyer dennoch die Freiheitsstrafe von neun Monaten erneut auf Bewährung verhängte, begründete er damit, dass zwar eine diffuse Bedrohung von dem Angeklagten geschaffen worden sei, dieser aber nicht bewaffnet gewesen sei. Eine räuberische Erpressung sei deshalb nicht bewiesen, der geständige Angeklagte folglich wegen einfacher Erpressung zu verurteilen.

Einen Gefängnisaufenthalt hielt er nicht für förderlich. Staatsanwältin Christine Roschinski hatte eine Bewährungsstrafe von vier Jahren und 120 Arbeitsstunden gefordert. Meyer verhängte drei Jahre und 90 Arbeitsstunden, mit der Begründung: „Entweder sie kapieren es jetzt in drei Jahren oder überhaupt nicht mehr“.