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Erstmals diskutierten Pforzheimer Stadträte über die Zukunft des Technischen Rathaus. Das könnte abgerissen werden, um Platz für eine neue Bebauung mit Schwerpunkt auf dem Einzelhandel zu schaffen.
Erstmals diskutierten Pforzheimer Stadträte über die Zukunft des Technischen Rathaus. Das könnte abgerissen werden, um Platz für eine neue Bebauung mit Schwerpunkt auf dem Einzelhandel zu schaffen. © Ketterl
24.09.2014

Vertagung knapp abgelehnt: Heiße Diskussion um Abriss des Technischen Rathauses

Pforzheim. Erstmals diskutierten Pforzheimer Stadträte über die Zukunft des Technischen Rathaus vor dem Hintergrund einer großräumigen Umgestaltung des östlichen Endes der Fußgängerzone. Ein Antrag auf Absetzung des Themas im gemeinderätlichen Bauausschuss scheiterte mit einer Stimme Mehrheit. Das deutet auf weitere heiße Diskussionen und eine enge Entscheidung hin.

Fast wäre die Abstimmung nach dem Motto "Groß gegen Klein" verlaufen. Doch weil Peter Pfeiffelmann (Linke) mit den drei CDU-Vertretern und den zwei SPD-Stadträten gegen den Antrag von Axel Baumbusch (Grüne Liste) stimmte, fand dessen Antrag auf Absetzung des Themas "Abriss des Technischen Rathauses" am Dienstag im Gemeinderats-Bauausschuss keine Mehrheit. Den sechs Stimmen gegen eine Vertagung standen fünf dafür gegenüber: Grüne Liste, FDP/Freie Wähler, AfD, WiP/Elternliste und UB/LBBH.

Baumbusch hatte angesichts der Wichtigkeit des Themas eine vertiefte Diskussion mit mehr Informationen und mehr Zeit gefordert, vor allem aber Zeit für eine grundlegende Prüfung des Erhalts. Baubürgermeister Alexander Uhlig und CDU-Stadträtin Christine Stavenhagen sprachen sich gerade angesichts der grundlegenden Bedeutung gegen eine Vertagung aus.

In der anschließenden Sachdiskussion machte Stadtplaner Michael Wolf deutlich, dass der Zeitpunkt für das Projekt Innenstadt Ost, das nach den Planungen der Stadt den Abriss des Technischen Rathauses mit einschließt, angesichts des aktuell vorhandenen Interesses von Investoren sehr günstig sei. Weiter stellte Wolf heraus, dass das Technische Rathaus für Einzelhandel praktisch nicht genutzt werden könne. Bleibe es aber für eine andere Nutzung als Baukörper erhalten, so stehe es weiteren Planungen für Handel und somit der angestrebten Belebung der Innenstadt im Wege.

Zudem sei die Bausubstanz des Gebäudes so schlecht, dass seine Sanierung womöglich alle für das gesamte Sanierungsgebiet zur Verfügung stehenden Landeszuschüsse und zudem noch rund acht Millionen Euro an städtischem Geld verschlingen würde. Im Anschluss wurde das Thema lebhaft diskutiert. Auf eine formelle Beschlussempfehlung, obwohl ursprünglich vorgesehen, verzichtete die Stadtverwaltung. Die denkmalpflegerische Diskussion mit erster Beschlussempfehlung soll nun am kommenden Dienstag im Kulturausschuss erfolgen.

Erste Diskussionsbeiträge ließen aber erkennen, dass die Mehrheitsverhältnisse ähnlich sein könnten wie bei der Abstimmung über eine Absetzung des Themas - die größeren Fraktionen in der Abwägung aller Argumente dafür, die kleineren in der Tendenz dagegen. Und: Es könnte knapp werden. Nachdem Linke-Stadtrat Peter Pfeiffelmann zum Schluss der Debatte angekündigt hatte, in der Sache gegen einen Abriss des Technischen Rathauses stimmen zu wollen, ist eine Mehrheit gegen den Abbruch vorstellbar.

CDU-Sprecherin Christine Stavenhagen verwies auf vorausgegangene Beratungen zum Thema und auf die drängende Zeit, SPD-Fraktionschef Ralf Fuhrmann forderte aber dazu auf, sich auch mit möglichen Nutzungen und Planungen fürs Technische Rathaus zu befassen, weil es für die Identität der Stadt nicht unerheblich sei, bevor es ohne solche Überlegungen abgeräumt werde.

Baumbusch warnte vor einem Abriss, vor allem wegen der Unwägbarkeit der Investoren-Pläne. Es gebe ja noch keine konkreten Investoren, die den Stadträten für Gespräche darüber zur Verfügung stünden. Jeder Investor wolle eine freigeräumte Fläche, weil sie einfacher sei. Baumbusch und Fuhrmann erinnerten daran, dass das Technische Rathaus als Baudenkmal Ausflugsziel für Architekten sei. Baumbusch warf der Stadtverwaltung vor, den Abriss gezielt wirtschaftlicher zu rechnen. AfD-Sprecher Bernd Grimmer kritisierte, dass der mögliche Investor der "große Unbekannte" sei.