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Die 25-jährige Vertikaltuch-Artistin Scarlett Sperlich musste nach ihrem Absturz in die Manege vom Notarzt ins Siloah gebracht werden. Am Montag wurde sie in eine Klinik nach Karlsruhe verlegt.
Die 25-jährige Vertikaltuch-Artistin Scarlett Sperlich musste nach ihrem Absturz in die Manege vom Notarzt ins Siloah gebracht werden. Am Montag wurde sie in eine Klinik nach Karlsruhe verlegt. © Symbolbild: dpa
22.12.2014

Vertikaltuch-Artistin im Pforzheimer Weihnachtszirkus abgestürzt

Zur Premiere des diesjährigen Weihnachtszirkus auf dem Pforzheimer Messplatz waren mehr als die eigentlich zur Verfügung stehenden Plätze im Hauptzelt belegt worden. Viel Publikum, viel Applaus – auch für die jungen Artisten, die gerade erst ihre Ausbildung bei der Staatlichen Artistenschule in Berlin beendet hatten. Überschattet wurde das Zirkusspektakel durch einen Unfall von Vertikaltuch-Artistin Scarlett Sperlich, die aus vier bis fünf Metern auf ein Podest in der Manege krachte und sich zum Entsetzen der Zuschauer schwer verletzte.

Der Zirkus „Fantasia“, der zum dritten Mal den Weihnachtszirkus in Pforzheim durchführt, ist ein Familienunternehmen, mit dem sich Andreas Sperlich, Spross einer im Raum Stuttgart bekannten Artistendynastie (Zirkus „Bonanza“), seinen Traum vom eigenen Zirkus erfüllt hat. Mit seiner Frau Stefanie und ihren Kindern Scarlett, Billy, Sarah und Anthony bilden sie den Kern auch der Darbietungen in jedem Programm. Tochter Scarlett war mit ihrer Nummer am seidenen Vertikaltuch nach der Pause an der Reihe. Von der Zeltkuppel hing das weiße Tuch bis auf den Boden. Kraftvoll erklomm sie mit einem aus roten Stoffbahnen genähten Kostüm ihr weißes Vertikaltuch bis zur höchsten Stelle, dabei mit einem Sicherungsseil verbunden, das zwei Männer in der Manege mitführen sollten. War es deren Unachtsamkeit, dass sich das Tuch zwei Mal am Podest verhakte und Scarlett Sperlich den Schraubenflug abbrechen musste? Unter der Zirkuskuppel wickelte sie ihren Körper nach einem genau festgelegten Muster so mit dem langen Tuch ein, dass sie sich in Windeseile abwärts in die Tiefe herausrollen konnte. Eigentlich gesichert durch das Seil, das die beiden Männer halten sollte. Oder hatte sich Scarlett Sperlich in der Höhe verschätzt?

Sie stürzte beim Abrollen auf ein Podest. Man konnte ein Krachen hören. Den Zuschauern stockte der Atem oder sie schrien auf. Zirkusmitarbeiter rannten in die Manege. „Ist ein Arzt hier?“, wurde gefragt. Zwei Männer eilten in die Manege. Der leblos erscheinende Körper der Artistin bewegte sich nicht. Die umstehenden Menschen bildeten einen Sichtschutz. Der Artistenvorhang wurde geöffnet, die Zirkusleute packten das gesamte Podest und trugen es mit der jungen Artistin unter großem Applaus des Publikums hinaus.

Eine Lautsprecherstimme beruhigte die rund 700 Zuschauer, von denen viele mit erschreckten Gesichtern das Zelt langsam und schweigend verließen. Zu ihnen zählte auch Hans-Joachim Hartung, der mit seinen drei, zwischen vier und zwölf Jahre alten Enkeln nach dem Absturz den Zirkus verließ. Es hätte an diesem Abend bei mehreren Nummern der zumeist sehr jungen Artisten Patzer gegeben, erklärte er PZ-news. Doch der Unfall sei natürlich ein schrecklicher Moment gewesen, den er seinen Enkeln lieber erspart hätte.

Die Aufklärung über den Gesundheitszustand von Scarlett Sperlich kommt schnell über Lautsprecherstimme: „Es ist nur die Hand.“ Inzwischen ist klar: Das Handgelenk ist gebrochen, wie eine Zirkussprecherin am Montagmittag erklärte. Dazu musste das 25-jährige Unfallopfer noch Prellungen und eine leichte Gehirnerschütterung erleiden. Am Montagvormittag sei sie zu Spezialisten in ein Karlsruher Krankenhaus verlegt worden. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, erklärte die Zirkussprecherin und verwies auch auf die Familie, die den ersten Schock überstanden habe. Dass Scarlett Sperlich ein echtes Zirkuskind ist, zeigt ihr spontaner Wunsch, die Show und das Zirkusleben wie gewohnt weiterzuführen.

Der Pforzheimer Weihnachtszirkus ist bis zum 6. Januar auf dem Messplatz zu sehen. Täglich gibt es zwei Vorstellungen um 16 und um 19.30 Uhr (außer am 24. Dezember und am 1. Januar). Infos und Karten gibt es unter Telefon 0162-5963355 oder im Internet unter www.weihnachtscircus-pforzheim.de