Corona: Pforzheimer Apotheke beklagt Mangel an Medikamenten

Videoreportage: Corona-Krise verschärft Engpässe bei der Versorgung mit bestimmten Medikamenten – auch in Pforzheim

Pforzheim. Holger Isensee betreibt die Pregizer Apotheke in der Pforzheimer Innenstadt. Bereits seit Monaten haben er und seine Kollegen mit dem Mangel an Nachschub von wichtigen Arzneimitteln wie Antibiotika, Diabetesmedikamenten oder Psychopharmaka zu kämpfen. Die Corona-Krise habe die ohnehin schon angespannte Lage auf dem weltweiten Medikamentenmarkt noch weiter verschärft. Hinzu komme der Mangel an Zutaten für Desinfektionsmittel oder die Schwierigkeit, Schutzmasken und weitere Schutzausrüstung zu bekommen. 

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„Ich bin jetzt seit über 26 Jahren im Geschäft, wir haben so etwas wahrscheinlich seit Kriegsende noch nie erlebt“, verweist Isensee auf die besondere Situation. Und: „Das ist ein absolutes Novum für uns, und wir sind immer wieder am Improvisieren.“ Ursächlich dafür ist aber nicht in erster Linie die Corona-Krise. Viele Patienten seien teilweise seit Jahren auf eine bestimmtes Medikament eines speziellen Herstellers eingestellt. Wenn das gerade nicht lieferbar sei, müsse man als Apotheker und zum Teil mit Hilfe des Arztes nach einem passenden Ersatzmedikament suchen. Das führe zu Verunsicherung bei den Patienten und sei mit hohem Erklärungsbedarf verbunden. Woher kommen solche Engpässe: „Es gibt für die meisten Wirkstoffe weltweit nur sehr, sehr wenige Hersteller, die sich dann in Indien, in China, vielleicht noch in den Vereinigten Staaten befinden“, so Isensee. Wenn dann einer dieser Hersteller ausfalle, „dann herrscht sofort weltweit ein Engpass an diesem Wirkstoff“, so Isensee.

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Durch die Corona-Krise habe sich die Lage insoweit verschärft, dass zum Beispiel Indien beschlossen hätte, erst einmal keine Wirkstoffe mehr zu exportieren. Zudem habe man in der westlichen Welt allzu gerne die Kosten für eine ausreichende Lagerhaltung eingespart. Und Isensee klagt weiter: „Diese Dinge kommen jetzt natürlich gnadenlos auf den Tisch, weil wir in diesen Zeiten unglaubliche Engpässe haben, an Rohstoffe wie Alkohol, Glyzerin ran zu kommen. Wir bekommen keine Glasgefäße mehr zum Abfüllen von Desinfektionsmitteln. Es ist überall Notstand.“ Man bekomme „kleckerlesweise“ bestimmte Dinge geliefert: „Heute zum Beispiel 100-Milliliter-Flaschen. 50-Milliliter-Flaschen gibt es jetzt nicht mehr. Vorher war es umgekehrt. Es ist sehr, sehr angespannt das Ganze.“

Apotheker Isensee hofft, dass es durch die aktuellen Folgen der Corona-Krise bei den Verantwortlichen endlich zu einem Umdenken komme. „In meinem Augen muss Deutschland, muss Europa unbedingt wieder dahin kommen, unabhängiger von diesen Importen zu werden“, sagt er. Solche Rohstoffe und deren Endprodukte wieder vor Ort herzustellen, würde die Medikamente zwar etwas teurer machen, aber die Versorgung der Patienten wäre verlässlicher.