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Gruppenbild im gut besuchten Walter-Witzenmann-Hörsaal der Hochschule: die Professorinnen Frauke Sander (links) und Christa Wehner (rechts) und Rektor Ulrich Jautz (Zweiter von rechts) mit Referent Perikles Simon.  Foto: Meister 

Viele Erkrankungen sind durch regelmäßigen Sport vermeidbar: Mediziner referiert im Rahmen des Studium Generale

Pforzheim. Sport, dürfte der meist genannte Vorsatz bei den jährlichen Silvesterfeiern sein. Doch die Ernsthaftigkeit solcher Vorsätze geht bei den meisten gegen null oder ist spätestens im Frühjahr verschwunden. Dabei gilt Sport seit jeher als ein gesundheitlicher Jungbrunnen. Beim Studium Generale der Hochschule Pforzheim ging Perikles Simon diesem Thema auf die Spur. Simon ist Professor für Sportmedizin an der Gutenberg-Universität Mainz und war vielfach als Experte im Anti-Dopingkampf präsent.

Zunächst erläuterte Simon den Mechanismus des Metabolismus. Dieser sei als ein Funktionsnetzwerk zu betrachten und werde durch Sport gefördert. Bereits eine moderate sportliche Betätigung von täglich 15 Minuten senke das Mortalitätsrisiko um 14 Prozent. Ebenso beuge regelmäßiger Sport einem Schlaganfallrisiko vor. Doch trotz der segensreichen Effekte erweise sich Sport immer häufiger als „Rohrkrepierer“.

Laut Simon gaben in eine Studie 42 Prozent der Befragten an, dass sie keine Zeit und weitere 20 Prozent keine Lust auf Sport hätten. „Es ist erstaunlich, welche Ausreden aus den Rippen gebrochen werden“, so Simon. Dabei zeigt er sich verwundert, weshalb vor allem Menschen mit wenig Zeit regelmäßig Sport machen. Geringe Fitness, wenig Beweglichkeit und Übergewicht wirken sich signifikant auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus und könnten mit der täglichen Nutzung einer Schachtel Zigaretten verglichen werden. Simon machte keinen Hehl daraus, dass sich die hohe Anzahl an Übergewichtiger in Deutschland rasant erhöht. „Dabei haben wir in Deutschland eine Ärztedichte wie in kaum einem anderen europäischen Land“, stellte er klar. Einen politischen Kurs in Richtung einer Gesundheitspolitik kann Simon derzeit nicht erkennen. „Normalerweise muss eine Prävention bereits im Kindergarten beginnen“, forderte Simon. Zwar bezweifelte Simon, dass die fortschreitende Technologisierung allein für das Übergewicht verantwortlich sei, aber Studien legten offen, dass täglich 80 bis 90 Kalorien deshalb weniger verbraucht würden.

Weshalb es in der Bevölkerung zu großen Fitnessunterschieden kommt, rechnet er der Genetik zu. Signifikante Ausdauer- und Kraftausdauer-Gene seien angeboren. „Leider war die Natur in diesem Bereich nicht fair zu uns, und dennoch lassen sich mit regelmäßigen Sport beachtliche Verbesserungen erzielen“, meinte Simon. Statt den Versprechungen der Werbeindustrie zu folgen, gab Simon als Tipp, diszipliniert zu arbeiten und auf sich selbst zu vertrauen.

Telemedizin hat Zukunft

Abschließend ging Simon auf die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz bei der Analysierung von Sportlerdaten, insbesondere DNA-Daten ein. „In diesem Bereich hat sich in den vergangenen Jahres einiges getan, und wird uns noch lange beschäftigen“, ist sich Simon sicher. Ebenso räumt er der Telemedizin und eHealth-Plattformen zukunftsweisenden Charakter zu.