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Meilensteine der Pandemie: Der Psychologe Stephen Grünewald durchleuchtet sie. Screenshot: Eickhoff 

Vielschichtiger Expertenblick auf die Pandemie: Es hat sich ein Schattenalltag entwickelt

Corona ist eine unsichtbare Gefahr, die die Bevölkerung sinnlich nicht wahrnehmen kann. Der Virus ist in eine Sphäre gerauscht, die in den vergangenen Jahren von einem digitalen App-Solutismus regiert wurde, durch den wir die Welt mit einem Handstreich spielerisch kontrolliert haben. So schildert Stephen Grünewald, Diplom-Psychologe und Gründer des renommierten Rheingold Forschungsinstituts, das erste Aufkommen von Covid-19 in Deutschland. Seine digitale Demonstration des Themas „Wie tickt Deutschland nach einem Jahr Corona?“ am Mittwochabend ist der Auftakt der Vortragsreihe Studium Generale an der Hochschule Pforzheim.

Das Mitglied des Corona-Expertenrats der NRW-Landesregierung durchwandert in seinem Vortrag, der bereits am Wochenende zusammen mit den beiden Initiatoren und Professorinnen Christa Wehner und Frauke Sander aufgenommen wurde, die Meilensteine der Pandemie. Bereits in der ersten Phase wird den Menschen durch das Virus „die Begrenztheit all ihres Tuns“ vor Augen geführt.

Aus diesem Grund entwickelt die Gesellschaft Handlungen, die sie aus der Ohnmacht des Nichtstuns herausführen sollen. Daraus entstehen Umgangsformen, die diese Handlungsfähigkeit zurück zu erobern versuchen, wie ausufernde Hamsterkäufe –nach dem Motto „ich hamstere also bin ich“ oder das „international belächelte Phänomen des Klopapierhortens. Der Kauf davon hat „im doppelten Sinne Geschäftstüchtigkeit“ bewiesen, erörtert Grünewald In „Tiefeninterviews“ kristallisierten sich für den Psychologen während der beiden Lockdowns Verhaltensmuster heraus. Der erste Lockdown versprach noch ein Erfolgserlebnis zu werden, die Zahlen sanken, er entwickelte einen abenteuerlichen Beigeschmack. Im zweiten Lockdown gehen die Zahlen nur mühsam zurück, es entstand ein „zunehmender Zermürbungsprozess“. Es hat sich „eine Art Schattenalltag“ entwickelt.