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Durchtrainiert, technisch versiert und fest entschlossen: Uwe Hück setzt einen Körpertreffer bei Francois Botha. Immer wieder gerät der „weiße Büffel“ in die Defensive, der im „Charity-Fight“ vielleicht nicht mit voller Härte zurückschlägt, aber in allen acht Runden durchaus gefordert wird. Fotos: Tilo Keller
08.11.2015

Vier Fäuste für Südafrika: Hück bietet Botha Paroli

Es geht gegen Mitternacht, als sich Uwe Hück und Francois Botha in den Armen liegen. Bis zum letzten Gong haben sich der Porsche-Betriebsratschef und der „weiße Büffel“ bei ihrem Schlagabtausch in der Ludwigsburger MHP-Arena nichts geschenkt. Unentschieden, lautet das Urteil der Punktrichter.

Noch im Ring kündigen die Faustkämpfer an, bei einer Neuauflage des Duells im August 2016 in Bothas Heimat Südafrika eine Entscheidung zu erzwingen. Die 4100 Besucher haben bis dahin Spektakuläres erlebt, und sie ahnen nicht, dass sie in dieser Nacht der „Charity-Fights“ noch ein Paukenschlag erwartet – Schrecksekunde inklusive.

Explosionen und Funkenregen haben gleich zu Beginn dafür gesorgt, dass alle Feuer und Flamme sind für Promiboxen, Bühnenzauber und den guten Zweck. Wie bei der Premiere vor zwei Jahren, sammelt Hück Geld für seine Lernstiftung, Ex-Profiboxer Luan Krasniqi haut sich für SOS-Kinderdörfer voll rein. Um möglichst viele Spenden zu ergattern, fahren die Veranstalter groß auf. „Nu Addition“ mit Nathalie Dorra, auf deren Begleitstimme auch Udo Lindenberg bei seinen Auftritten setzt, sorgt ebenso für Wirbel auf der Bühne wie Showtänzerinnen und Peter Freudenthaler von der Pforzheimer Formation „Fools Garden“ – deren Superhit „Lemon Tree“ zündet bis heute. Kabarettist Christoph Sonntag ist wunderbar witzig und wird nur ernst, als er zu Hücks Ehren in die Rolle des Ringsprechers schlüpft.

Dreimal gehen die Lichter aus

Die Sensationen und großen Gefühle aber gibt’s im Ring. Nach dem ersten Thaibox-Kampf, den Alex Schmitt nach Punkten gewinnt, verkündet Bundestrainer Marc Schmid, dass sein Verband Hück zum deutschen Sportler des Jahres gekürt hat. Später wird der Porsche-Mann auch noch zum Ehrenpräsidenten der World Boxing Federation (WBF) ernannt. Untröstlich ist die Lokalmatadorin Özlem Sahin, die ihr Heimspiel vergeigt und den Weltmeistertitel an Gretchen Abaniel von den Philippinen verliert. Unwiderstehlich sind jene drei Faustkämpfer, die ihre Gegner frühzeitig in die Knie zwingen. Alesia Graf macht mit Marianna Gulyas kurzen Prozess. Ebenfalls in Runde zwei beendet Firat Arslan seine absolut überzeugende Vorstellung gegen Paata Aduashvili (Georgien). Der 45-jährige Donzdorfer kündigt an, noch einmal um eine Weltmeisterschaft boxen zu wollen – am liebsten gegen Dauerrivale Marco Huck. Und dann jener Paukenschlag: So entschlossen und aggressiv hat man den amtierenden Charity-Weltmeister Luan Krasniqi zu Profi-Zeiten nie gesehen. Derart heftig malträtiert er Danny Williams, der einst Mike Tyson ausknockte und voll im Saft steht, dass Williams auf die Bretter kracht und sein Trainer das Handtuch wirft. Der Brite bleibt reglos liegen, versucht dann, aufzustehen, bricht erneut zusammen. Still ist es in der Arena, als der Ringarzt den Boxer versorgt und endlich Entwarnung gibt: Er ist wieder bei sich.

Diesem starken Krasniqi muss sich stellen, wer den Ausscheidungskampf in Südafrika gewinnt. Hück scheint gewappnet: Vor den Augen etlicher Promis – darunter Landeswirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) und Porsche-Größen wie Vorstandschef Oliver Blume, der frühere Boss Wendelin Wiedeking und Ferdinand Porsches Urenkel Daniell Porsche – hat er sich als technisch versierter und konditionsstarker Boxer präsentiert. Sie würden ihm wieder die Daumen drücken, wenn er nach einem Sieg gegen Botha erneut in Ludwigsburg im Duell mit Krasniqi blaue Flecke für soziale Zwecke riskieren würde: „Das sind mir meine Jugendlichen wert.“

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