Vier Jahre für besonders schweren Raub und gefährliche Körperverletzung

Pforzheim. Paul S., vor der Großen Auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe angeklagt wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, ist am Montag zu vier Jahren Haft und Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik verurteilt worden.

In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Andreas Heidrich, es liege kein minderschwerer Fall vor, auch wenn letztlich nicht nachgewiesen werden konnte, ob der Angeklagte oder ein Mittäter dem 52-jährigen Opfer einen Fußtritt ins Gesicht verpasst hatte. Vielmehr handle es sich um einen „stinknormalen“ Raub mit einer erheblichen Körperverletzung, wie es leider oft vor Gericht verhandelt werde.

Am 13. Dezember vergangenen Jahres war der aus Mühlacker stammende 28-Jährige mit drei Kumpels aus der Nordstadt in die Stadtmitte gezogen, um jemanden auszurauben und so schnell an Geld zu kommen. Zwei Männer hatten die Gruppe an der Auerbrücke Ecke Emma-Jaeger-Straße nach dem Weg in eine Bar gefragt und waren von dem Angeklagten und seinen Begleitern in die Irre geführt worden. Auf der Rückseite der Inselschule schließlich zückte das Opfer sein Handy. Weil er Panik bekommen habe und glaubte, der Mann wolle die Polizei rufen, hatte er ihm mit dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen und sich das Handy genommen. Zusätzlich soll einer der Täter dem 52-Jährigen ins Gesicht getreten haben. Der Mann, der zu seiner Zeugenaussage nicht aufgetaucht war, trug eine Platzwunde an Augenbraue und Lippe, einen Nasenbeinbruch sowie eine Augenverletzung davon. In einem Schreiben hatte sich Stefan S. bei seinem Opfer entschuldigt. Die Tat sei feige, hinterlistig und brutal gewesen und er bereue sie sehr und schäme sich, hieß es unter anderem in dem Brief.

Zur Tatzeit sei der Angeklagte, wie er selbst aussagte, in einer manischen Phase gewesen. Seine Psychopharmaka hatte er zuvor eigenmächtig abgesetzt. Der Sachverständige Dr. Ralph-Michael Schulte bestätigte in seiner Aussage, dass der Angeklagte an einer bipolaren Störung, an einer Suchterkrankung sowie einer dissozialen Persönlichkeitsstörung leide. Letztere zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Betroffene zwischen seinem Verhalten und geltenden gesellschaftlichen Normen eine erhebliche Diskrepanz aufweist. Angesichts des Krankheitsbildes und der elf Vorstrafen gehe er von einer negativen Zukunftsprognose mit erheblichem Rückfallrisiko aus, so Schulte, weshalb er die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik empfahl. Paul S. brauche eine sehr enge Führung. Dieser verfolgte die Ausführungen von Schulte und Heidrich mit aufmerksamem Blick und nahm das Urteil gestern an, damit ist es rechtskräftig.