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In ihrem Programm nimmt sich Anny Hartmann Themen aus Wirtschaft und Politik zur Brust. Foto: Fux
In ihrem Programm nimmt sich Anny Hartmann Themen aus Wirtschaft und Politik zur Brust. Foto: Fux
09.03.2018

Volkswirtin seziert das Thema Gleichstellung auf humorvolle Art

Pforzheim. Anny Hartmann ist die perfekte Wahl, wenn es um politisches Kabarett im Kulturhaus Osterfeld zum Internationalen Frauentag geht. Denn die pazifistische Schnellfeuerwaffe des politischen Kabaretts, wie sie sich selbst nennt, ist spitzzüngig, bissig, humorvoll und clever und nimmt vor allem kein Blatt vor den Mund – im Gegenteil.

In ihrem Programm „No Lobby ist perfect“ zieht die studierte Volkswirtin messerscharfe Schnitte, entlarvt Mechanismen der Finanzwirtschaft, stellt Lobbyisten kalt und schafft es, wirtschaftliche Zusammenhänge unterhaltsam zu erklären und auf den Punkt zu bringen. Hartmann ist nicht nur spritzig, sondern auch aktuell. Da wird rasch der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in die Riege der Lobbyisten eingereiht. Der Lobbyist könne sich nicht irren, wenn es um seine Belange gehe. Und Martin Schulz betone immer wieder, kein Abi zu haben, als wäre dies eine Leistung. „In NRW ist dies auch so“, spottet die Kabarettistin. Sie entlarvt nicht nur die Parteispende und deren Schwester, das „Sponsoring“, und macht auf ganz eigene Art plausibel, weshalb die Linken in den Medien nicht präsent sind: „Kein Sponsoring – keine Häppchen, kein Anfüttern“. Auch der These: „Wähler machen aus Protest das Kreuzchen bei der AfD“, nimmt Hartmann mit einem ureigenen Vergleich die Stichhaltigkeit: „Wenn dir ein Bier nicht schmeckt, dann trinkst du doch auch nicht aus der Kloschüssel.“

Immer wieder streut das quirlige Energiebündel, das unaufhaltsam, ohne Punkt und Komma spricht, erklärt und auch ein bisschen die Welt verbessern möchte, klassische Themen und Pointen zum Weltfrauentag ein, unterschiedliche Verdienste der beiden Geschlechter beispielsweise: „Wir verdienen nicht weniger, wir kriegen nur weniger.“ Auch für die gesellschaftliche Erwartung, dass Frauen auf ihre Kleidung zu achten hätten, sich nicht sexy anziehen dürfen, findet die Kabarettistin ein männliches Gegenbeispiel: „Einem Mann im teuren Anzug wirft man doch auch nicht vor, wenn er sein Portemonnaie geklaut bekommt“. Auch die Geruchlosigkeit von K.-o.-Tropfen, die obendrein im Internet frei erhältlich seien, verurteilt sie scharf und hat in der chemischen Industrie weitere Lobbyisten entdeckt.

Für die Ungerechtigkeit, dass es wenig Frauen in der Führungsetage gibt, findet sich ebenso rasch eine Antwort mit Pfeffer: „Frauen auf Führungsetagen kann man bei Geschäftsreisen nicht zu Hause lassen.“ Immer wieder trifft die Volkswirtin, die den Kapitalismus hinterfragt und an Sozialkritik nicht spart: „Es geht uns gut, weil es anderen schlecht geht“, den Nerv des überwiegend weiblichen Publikums.