Pforzheim-Eutingen. Angefangen hat alles mit zwei jungen Männern, die ihr Publikum in schwäbischer Mundart mit etwas unterhalten haben, das man heute wohl Comedy nennen würde. Über viele Jahre und zahlreiche Veranstaltungen hinweg, durch kreative Ideen und das mutige Ausprobieren neuer Konzepte, hat sich daraus ein Verein entwickelt, der inzwischen mehr als 50 Mitglieder zählt und weit über die Grenzen des namensgebenden Pforzheimer Stadtteils hinaus bekannt ist: der Rock-Club Eutingen.
Ein Treffpunkt für Gleichgesinnte soll er sein, eine Heimat für alle bieten, die authentische, handgemachte Musik mögen. Dabei ist es egal, ob man AC/DC oder Deep Purple bevorzugt, ob man für Rockabilly oder für Heavy Metal brennt. „Wir freuen uns immer über neue Mitstreiter und Unterstützer“, sagt der Vorsitzende Christian Morlock, der kaum fassen kann, was in den vergangenen Jahren alles entstanden ist.
Fast schon ein bisschen nostalgisch klingt es, wenn er von den Ursprüngen erzählt, von dem Comedy-Duo, das er einst mit einem Kumpel gebildet hat. Als „der Punk und der Proll“ sind die beiden auf den Bühnen gestanden, immer mit humorvollen Sprüchen im Gepäck. 2010 entstand daraus eine Rockband, die Klassiker des Genres mit neuen Texten in Pforzheimer Mundart interpretierte. „Punk ’n’ Proll“ sind seither „gut rumgekommen“ und oft im legendären Rockkeller „Sakrema“ in Pforzheim aufgetreten, zudem immer wieder bei Motorradtreffen und einmal sogar beim Festival „Metalacker“ in Tennenbronn. Als 2019 der zehnte Geburtstag der Formation bevorstand, überlegten sich Morlock und seine Kollegen, wie man ihn angemessen feiern könnte.
Schnell kamen sie auf die Idee, im kommenden Jahr ihr eigenes kleines Festival auf die Beine zu stellen: nicht irgendwo in der Pampa oder in einer Halle, sondern beim Maislabyrinth, das über den Sommer für ein paar Wochen am Eutinger Ortsrand aufgebaut und abwechselnd von gemeinnützigen Organisationen betreut wird. Bei der Eröffnung im Juli 2019 sprach Morlock den Eutinger Ortsvorsteher Andreas Renner an, der sofort seine Unterstützung für „Rock am Mais“ zusagte. Doch aus dem Vorhaben wurde nichts, zumindest zunächst. Denn die Corona-Krise und die mit ihr verbundenen Beschränkungen des öffentlichen Lebens machten eine Veranstaltung in dieser Größenordnung unmöglich. Unzählige Gespräche hatten Morlock und seine Kollegen bereits geführt, ein halbes Jahr in die Planung investiert und bis zuletzt auf eine Besserung der Lage gehofft, als sie schweren Herzens die Absage verkünden mussten. Beerdigen wollten sie ihr Vorhaben allerdings nicht. Als die Beschränkungen nach mehr als zwei Jahren endlich dauerhaft gelockert waren, nutzten sie im September 2022 ihre Chance und stellten gemeinsam mit dem Ortsverein des Roten Kreuzes ein zweitägiges Festival auf die Beine, das in Erinnerung bleiben sollte: nicht nur wegen der handgemachten Livemusik, sondern auch wegen des bunten Familienprogramms.
Eine feste Größe
Für Morlock und seine Kollegen stand fest: Die Veranstaltung muss im kommenden Jahr wiederholt werden, dann allerdings deutlich größer und vor allem mit einem gemeinnützigen Verein im Hintergrund. Im Mai 2023 wurde der Rock-Club Eutingen aus der Taufe gehoben. Zu seinen Zielen gehört das Ermöglichen von Live-Auftritten in einer Zeit, in der immer mehr Clubs und Konzertsäle verschwinden. Zudem will er jungen, aufstrebenden Bands eine Bühne und eine Plattform bieten, um auf sich und auf ihre Musik aufmerksam zu machen.
Beides hat der Verein schon im Sommer 2023 bei der zweiten Ausgabe des Festivals umgesetzt, das an zwei Tagen fünf Bands geboten hat, zudem ein Kinderprogramm mit Rouven Sadler. 2024 fiel die Veranstaltung etwas kleiner aus, aus Rücksicht auf das 500-jährige Bestehen, das drei Eutinger Vereine und die Feuerwehr gemeinsam gefeiert haben. Auch daran hat sich der Rock-Club aktiv beteiligt.
Längst ist der Verein im Stadtteil bekannt und mit seinem Stand eine feste Größe auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt. Dass er in kürzester Zeit auf mehr als 50 Mitglieder anwachsen konnte, führen die Verwaltungsmitglieder vor allem auf den engagierten Vorsitzenden Christian Morlock zurück, der immer „kräftig die Werbetrommel“ gerührt und Menschen gezielt angesprochen hat.
Ein Grund sind aber sicher auch die Veranstaltungen, mit denen der Verein überregional Aufmerksamkeit erregt. Auch künftig will er jedes Jahr ein Wochenende am Eutinger Maislabyrinth gestalten: in ungeraden Jahren mit handgemachter Livemusik beim Festival „Rock am Mais“, in geraden Jahren mit einem DJ und einer „Tonträgermusikaufführung“ bei einer entspannten Rock-Club-Party. Für diesen Sommer laufen die Vorbereitungen: Vom 25. bis zum 27. Juli sollen beim „Rock am Mais“ insgesamt zehn Bands auftreten. Was genau geboten wird, will der Verein bald verkünden.

