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Das erweiterte Präsidium mit neuem Stellvertreter: Pia Zehendner, Jonathan Rapp, Paul Jenisch, Pascal Krüger und Martina Elia (von links) mit der JGR-Geschäftsstellenleiterin Mirjam Bußmann (vorne).  Foto: Lutz 

Von „dummem Geschwätz“ bis zu den Zielen für 2020: So war die Sitzung des Jugendgemeinderats

Pforzheim. Von „Schwachsinn“ über das „scheiß Geld“ bis zum „dummen Geschwätz“ reichte die Wortwahl bei der jüngsten Sitzung des Jugendgemeinderats (JGR) am Mittwochabend, bei der es mit knapp dreieinhalb Stunden allein im öffentlichen Teil nicht nur lang, sondern über weite Strecken auch ziemlich ruppig zuging. Neben Reibereien zwischen den Räten wurden jedoch auch politische Ziele auf den Weg gebracht.

Während die Wahl zum stellvertretenden Präsidiumsvorsitzenden bei der jüngsten Sitzung des Jugendgemeinderats (JGR) noch vergleichsweise schnell über die Bühne ging – Pascal Krüger konnte sich gegen Adrian Lind durchsetzen und folgt damit auf Paul Günther in diesem Amt – boten andere Themen am Mittwochabend reichlich Diskussionsstoff. Bei dem sich auch ein Stadtrat einklinkte. Gleich nachdem auf Antrag von Rico Edelmann das Präsidium um zwei Beisitzer erweitert worden war, die nach zwei Wahlgängen mit Martina Elia und Pia Zehendner besetzt wurden, widmete sich der JGR dem Antrag von Tobias Schlamp von der SJR Betriebs gGmbH. Der Sozialpädagoge leitet den Nordstadttreff und machte auf den Mangel an Plätzen für Jugendliche aufmerksam. Diese wünschten sich einen wetter- und sichtgeschützten Unterstand. Ein Anliegen, das alle Räte unterstützten und, nachdem die Kosten dafür veranschlagt sind, in einen Antrag gießen wollen. SPD-Stadtrat Uwe Hück forderte indes „was Gescheites“, also mehr als einen Unterstand. Am „scheiß Geld“ dürfe das nicht scheitern, und wenn er selbst als „Robin Hood“ die Finanzmittel „bei den Reichen“ einsammeln gehen müsste.

Deutliche Worte gab es auch zum Thema Klima-Aktionsplan. Nachdem der JGR bereits bei der Ausrufung des Klimanotstands hitzig diskutiert hatte (die PZ berichtete) setzten die Jungräte die Debatte bei diesem Tagesordnungspunkt fort, der am Ende einstimmig empfohlen wurde. Nachdem Edelmann die Frage aufgeworfen hatte, inwiefern sich der Klimanotstand vom Klima-Aktionsplan mit Blick auf die damit zu ergreifenden Maßnahmen unterscheide, erklärte Beisitzer Jonathan Rapp, dass der Notstand als zusätzliches „Zeichen der Solidarisierung“ mit jenen diene, die schon jetzt unter den Auswirkungen des Klimawandels litten. Von dieser Solidarität, so Sebastian Lind, könne sich „niemand was kaufen“, auf Reden müssten Taten folgen, alles andere sei „Schwachsinn“. Eine Wortwahl, die ihm einen Rüffel des Präsidiumsvorsitzenden Paul Jenisch einbrachte, was Lind nicht davon abhielt, nachzulegen, und sich über das „dumme Geschwätz“ zu ärgern, das man im Rat „häufiger höre“. Gleichzeitig kündigte Adrian Lind an, selbst einen ganzen Tag Bäume zu pflanzen, wenn bis zur nächsten JGR-Sitzung ein Antrag mit konkreten Klimaschutzaktionen vorliege.

Dass sich die Unterstützer der Ausrufung des Klimanotstands sehr wohl konkrete Gedanken für Umweltprojekte machten, unterstrich Rapp mehrfach und verwies dabei auch auf den JGR-Fahrplan für 2020. Zu den sechs Schwerpunktthemen, die fünf der 20 Räte erarbeitet haben, zähle neben Jugendbeteiligung, Plätze für Jugendliche, Kooperationen, vor allem mit dem Gesamtschülerrat, Digitalisierung und Fortführung bereits angestoßener Projekte auch das Thema Nachhaltigkeit.

Mehr über die Sitzung des Jugendgemeinderats lesen Sie am Freitag, 14. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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