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Kam aus Schönhengst nach Eutingen: Auguste Hökel. Foto: Lorch-Gerstenmaier
Kam aus Schönhengst nach Eutingen: Auguste Hökel. Foto: Lorch-Gerstenmaier
14.07.2016

Vor 70 Jahren erster Flüchtling - „Gusti“ Hökel kam als Vertriebene aus Sudetenland

Pforzheim-Eutingen. Am Anfang habe sie nur Bahnhof verstanden, sagt Auguste „Gusti“ Franziska Hökel, geborene Horntrich (89) – und das an der Station Eutingen auf der Bahnlinie von Karlsruhe nach Niefern.

„Wie hai’sch, was kann’sch?“, fragt der Mann, der sich als Bürgermeister Heinrich Seitz entpuppt, die 19-jährige Frau mit dem gestreiften Kleid, die ihm aus dem Viehwaggon heraus um den Hals fällt.

Den weichen badischen Singsang kennt sie nicht – kommt sie doch aus dem Sudetenland, ist Heimatvertriebene, ausgewiesen, ausgesiedelt nach dem Zweiten Weltkrieg von der böhmisch-mährischen Grenze in der heutigen Tschechischen Republik über Bayern nach Baden: insgesamt 1200 Deutsche, aufgeteilt auf 40 Waggons. In denen rumpeln je 30 Personen tagelang nach Westen – hungrig, durstig, verlaust und verdreckt. Hinter ihnen liegen Schikanen, Demütigungen, Isolierung im Lager, die barsche Aufforderung zur Aussiedlung.

Hökel: „Niemand hat uns gesagt, wohin – es hätte ja auch nach Russland gehen können.“ Fast auf den Tag genau vor 70 Jahren kommt einer der Waggons im damals noch selbstständigen Eutingen zum Stehen – immer wieder wird ein Wagen auf der Fahrt vom Flüchtlingsaufnahmelager Kislau bei Bruchsal nach Niefern abgekoppelt: Endstation für 30 wildfremde Menschen in einer vollkommen neuen Umgebung mit nichts in den Händen, nur den Kleidern am Leib, die sie seit Tagen tragen.

Der 12. Juli 1946 ist für die Vertriebenen eine zweite „Stunde null“. In einem dieser Wagen: „Gusti“ Hökel, die damals noch Horntrich heißt, ihre zwölf Jahre ältere Schwester Emmi und die Mutter. Der Vater ist bereits 1936 gestorben. Mehr lesen Sie am Freitag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.