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Er hat auf dem OechsleFest mittlerweile Tradition: der Dirndlabend. Doch was ist in diesem Jahr angesagt?  Foto: Ketterl 

Vorbereiten für den Dirndlabend: In ist, wer drin steckt

Pforzheim/Schömberg. Er hat auf dem OechsleFest mittlerweile Tradition: der Dirndlabend. Schon am Samstag, 1. September, steigt die beliebte Sause wieder auf dem Marktplatz. Da geht es natürlich kaum ohne Tracht. Doch was ist in diesem Jahr angesagt? Wie kurz darf der Rock sein, wie tief der Ausschnitt? Und wie knotet die Dirndlträgerin ihre Schürze, um nicht den ganzen Abend angegraben zu werden? Antworten gibt die PZ gemeinsam mit dem Modehaus Bertsch in Schömberg.

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Was ist trendy beim Dirndl?

Einfach spitze

Sie sorgt für das perfekte Dekolleté: die Dirndlbluse. Bei einem Dirndl mit vielen Details braucht es ein klassisches Modell. Wer nicht mit einer üppigen Oberweite gesegnet ist, greift laut Sandra Dreßler, Verkäuferin beim Modehaus Bertsch in Schömberg, am besten zur Carmenbluse mit Raffungen (Foto). Daneben sind Modelle komplett aus Spitze angesagt. Den Rest erledigt der gepolsterte Dirndl-BH. Er zeichnet sich dadurch aus, dass die Träger weit außen sitzen und die Körbchen nicht die gesamte Brust verhüllen. „So ist auch beim tiefen Dekolleté nichts vom BH zu sehen“, verrät Dreßler. Doch nicht immer liegt der Fokus auf dem Ausschnitt. Angesagt sind auch hochgeschlossene Dirndlmodelle. Sie machen dann auch die Bluse überflüssig.

Sag’s durch die Blume

Der Trend geht weg vom klassischen Karomuster, hin zu geblümten Stoffen. Kaum eine Kollektion kommt ohne Spitze aus. Dirndl und Schürze sind aufwendig mit Perlen und Pailletten besetzt. Angesagt sind Farbtöne wie Rosé oder Brombeere. Daneben gibt es viele Dirndlmodelle in Pastellfarben. Auch hochgeschlossene Varianten werden immer beliebter. Die meisten Kleider sind aus Baumwolle. Mit Knöpfen, Ösen und Seidenband wird das Dirndl perfekt geschnürt.

Die Gretchenfrage

Zugegeben, es braucht ein wenig Übung, bis der Gretchenzopf, der um den Kopf rankt, gelingt. Wer es unkompliziert mag, greift daher zum Blumenkranz. Was auch immer geht, ist ein französischer Zopf, bei dem Strähnen nach und nach mit aufgenommen werden. Auch Hochsteckfrisuren kommen kaum ohne Flechtwerk aus. Einfach mal ausprobieren. Getoppt wird der Look noch mit dem farblich passenden Nagellack und Lippenstift. Es gibt sogar Fake-Tattoos mit Herzen, Edelweiß oder Schriftzügen wie „I mog di“.

Keinen Korb kassieren

Ausschlaggebend ist bei der Schleife der Dirndlschürze weder Material noch Farbe, sondern vor allem der Sitz des Knotens. Ledige Frauen binden die Schleife von ihnen aus gesehen links. Wer den Schlupf rechts trägt, ist vergeben – „oder will einfach seine Ruhe“, so Dreßler. Eine Schleife vorne in der Mitte bedeutet, dass die Trägerin noch Jungfrau ist. Frauen, die den Knoten hinten tragen, sind verwitwet. Allerdings gilt das auch nicht für alle. Bei manchen gibt es zwar einen Korb, aber auch gleich ein Glas Wein – jedenfalls auf Bestellung. Denn auch die Bedienungen binden die Schürze hinten. Ohnehin sollte Mann mit dem Flirten vorsichtig sein. Denn nicht jede Frau kennt diese Regeln auch.

Eine Tracht Strick

Während im vergangenen Jahr beim Dirndlabend auf dem OechsleFest bei hochsommerlichen Temperaturen geschwitzt wurde, dürften die Werte laut Wetterprognosen in diesem Jahr abends unter die 20-Grad-Marke sinken. Dann wärmt eine Trachtenjacke. Viele sind in Naturtönen wie Grau und Beige gehalten. „Ansonsten sollte die Jacke einen Farbton des Dirndls wieder aufgreifen“, rät Bertsch-Verkäuferin Sandra Dreßler. Es ist aber natürlich auch in Ordnung, wenn man eine gewöhnliche Strickjacke wählt, die hinterher auch noch zur Jeans passt.

Auf die Länge kommt es an

Die jungen Frauen lieben sie, die kurzen Kleider. Tradition hat das Dirndl allerdings, wenn der Rocksaum mindestens das Knie umspielt. „Das Kleid darf nicht zu kurz sein“, warnt Dreßler. Neben dem sogenannten Midi-Dirndl mit einer Rocklänge von 60 bis 70 Zentimetern zählt auch das bodenlage Dirndl zu den klassischen Schnitten. Doch dabei kommt es auf die Körpergröße an. Kleinen Frauen kann auch ein Mini-Dirndl mit einer Rocklänge von 50 Zentimetern bis zum Knie reichen. Also vor dem Kauf unbedingt in das Kleid schlüpfen. Vor allem, weil ein Dirndl niemals zu weit sein darf. Grundsätzlich gilt es, immer eine Nummer kleiner zu wählen, als man sonst trägt. Ebenso wichtig ist die Länge der passenden Schürze. Sie sollte einige Zentimeter oberhalb des Rocksaums enden.

Völlig von den Socken

Toll zum Dirndl sind Schuhe mit Absatz, findet Verkäuferin Dreßler. Besonders beliebt sind hier Riemchenschuhe. Wer sich in Pumps allerdings unwohl fühle, könne auch zu flachen Ballerinas greifen. Darin lasse sich auch die Nacht durchtanzen. Praktisch sind laut Dreßler dazu halterlose Strümpfe. Da bereits das Dirndl sehr eng sitze, enge eine Strumpfhose nur zusätzlich ein. An kälteren Tage machen sich schlanke Schnürstiefeletten mit Wollsocken oder Stulpen gut. Was laut Modeexperten gar nicht geht, sind Stiefel mit hohem Schaft, Turnschuhe oder Flip-Flops. Auch bei Chucks scheiden sich die Geister. Allerdings gibt es für Experimentierfreudige inzwischen zünftige Modelle mit Herz- und Hirschprints und kariertem Futter.

Bloß nichts verlieren

Fehlen noch die Accessoires: Geld, Handy und Taschentücher werden in einer kleinen Umhängetasche verstaut, , wie Modehaus-Chefin Ursula Bertsch (rechts) zeigt. Diese gibt es in Leder und in Filz. So hat die Trägerin die Hände frei. „Die Clutch bleibt am Ende doch nur auf der Bierbank liegen“, so Dreßler. Beim Schmuck geht kaum etwas ohne Perlen. Dazu ein Edelweiß oder Trachtenherz-Anhänger.