760_0900_126973_L760_S4783215_C5.jpg
Martina Puschke ist Gast der Gleichstellungs- und Inklusionsbeauftragten aus Stadt und Enzkreis.  Foto: Eickhoff 

Vortrag über Gewalt an Frauen mit Behinderung: Corona verschlimmert die Situation

Pforzheim. „Nein heißt Nein! – Nur Ja heißt Ja!“, dies sind mit die wichtigsten Sätze im Sexualstrafrecht von 2016, das Frauen vor Gewalt schützen soll. In Deutschland sind zahlreiche Frauen unterschiedlichster Zielgruppen betroffen. Dabei ist es keine Seltenheit, dass Frauen mit und ohne Behinderung Gewalt von nahestehenden Männern, wie dem Vater, dem Bruder oder einem Betreuer, erfahren müssen.

„Früher hat ein einfaches ,Nein‘ der Frau nicht gereicht, da musste sie sich anders wehren“, erklärte Martina Puschke ihren Zuhörern über eine live geschaltete Videokonferenz in einfacher Sprache, initiiert von den Gleichstellungs- und Inklusionsbeauftragten der Stadt und des Enzkreises. Im Rahmen des digitalen Vortrags „Frauen mit Behinderung besser vor Gewalt schützen“ informierte Puschke vor allem über die Gewalt, der verschiedene Zielgruppen ausgesetzt sind, und was dagegen getan werden kann. Sie vertritt mit dem Verein „Weibernetz“ bundesweit das politische Interesse von Frauen mit Behinderung und setzt sich für den Bereich der Anti-Diskriminierungspolitik ein. Laut einer Studie zur „Lebenssituation und Belastung von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“ erleben sie häufiger psychische und körperliche Gewalt als ohne Behinderung, dabei spielt sexualisierte Gewalt eine große Rolle.

Sie tritt häufig in Einrichtungen für Frauen mit Behinderung auf, wo sie zudem viele Entscheidungen nicht selber fällen dürfen.

„Dadurch wird auf die Frauen indirekt eine Gewalt durch Strukturen ausgeübt“, so Puschke. Aus diesem Grund ist sie stolz, dass seit einigen Jahren unter anderem jeder Werkstatt für behinderte Menschen eine Frauenbeauftragte zur Seite stehen muss. Dennoch müssten weitere konkrete Gewalt-Schutzmaßnahmen angepackt werden. Während der Pandemie habe die Gewalt an Frauen zugenommen. „Vielen Frauen in den Werkstätten ging es nicht gut während des Lockdowns, sie konnten sich an keine Frauenbeauftragten wenden, weil diese nicht erreichbar waren“, erklärte die Referentin.

Mit der ersten gemeinsamen Veranstaltung der Initiatoren müsse „ein klares Signal nach außen“ gegeben werden. Es solle deutlich machen, dass Vernetzung, Austausch und Kooperation unerlässlich seien, wenn es darum gehe, die Rechte von Frauen mit Behinderung zu stärken, unterstrich die Behindertenbeauftragte des Enzkreises, Anne Marie Rouvière-Petruzi.