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Gastrednerin Sophie Rosentreter in Dillweißenstein.  Eickhoff
Gastrednerin Sophie Rosentreter in Dillweißenstein. Eickhoff
22.11.2015

Vortrag von Rosentreter in Dillweißenstein: Gefühlvoller Umgang mit Demenz

„Im Jahr 2000 wurde Omi komisch. Omi stand vor der Kaffeemaschine und wusste nicht mehr, wie dieses blöde Ding zu bedienen war. Eineinhalb Jahre später erhielten wir die Diagnose Alzheimer und einige bunte Pillen“, schilderte Sophie Rosentreter die ersten Symptome ihrer an Demenz erkrankten Großmutter.

1,3 Millionen Menschen leiden hierzulande unter der Volkskrankheit Demenz, es gilt als Tabuthema, viele Angehörige werden im Umgang mit demenziell Erkrankten hilflos und traurig, sie geraten in eine Abwärtsspirale. „Der Erkrankte bleibt im Alter von fünf bis 25 Jahren stehen, da braucht keiner mit der absurden Zahl 2015 kommen, denn der demenziell Veränderte weiß, dass es 1960 ist.“

Rosentreter beschrieb am Samstagabend auf humorvolle und einfühlsame Weise das Wesen der Demenz und zeigte den Zuhörern zum Thema „Demenz mit Leichtigkeit begegnen“ im Schauinsland in Dillweißenstein neue Wege der Kommunikation auf.

In der heutigen Gesellschaft sei das „Wir“ abhanden gekommen, erklärte Rosentreter. Man müsse mit den Kranken in Kontakt treten. „Wir sind die beste Medizin – soziale Kontakte. Diese Menschen treten eine Reise an, die sie vom Verstand wegführt, aber der Geist und die Seele bleiben und kommen noch mehr zum Vorschein, sie sind bis zum Ende da.“

Sophie Rosentreter, früher Model und Moderatorin, hat jahrelang ihre demenzkranke Großmutter betreut bis zu deren Tod. Daraufhin gründete sie das Unternehmen „Ilses weite Welt“, und bringt das Thema heute deutschlandweit in die öffentliche Diskussion.

„Wir begegnen demenziell Veränderten in ihrer Welt, die wir über ihre Handflächen erreichen können“, betonte Rosentreter. Die Gefühlswelt sei bei ihnen so viel größer als der Verstand. „Wie oft sagte ich zu Omi „Denk doch mal nach!“. Das sei so der dümmste Satz, den man zu einem demenziell veränderten Menschen sagen könne. So wie früher würden die Menschen nie wieder, aber sie seien anders“, sagte Rosentreter.

Irgendwann wollte ihre Großmutter nicht mehr essen. Alle wussten, sie würde bald sterben. Rosentreter wollte die letzten Stunden bei ihr verbringen. „Der Tod kam viermal in dieser Nacht und versuchte, Omi mitzunehmen. Doch Omi schien noch nicht bereit zu sein“, erklärte die Gastrednerin. Als die Familie am nächsten Morgen für einen Moment draußen war, starb die Großmutter. „Viele Menschen gehen, wenn die Familie für kurze Zeit den Raum verlässt. Die Sterbenden wissen, dass ihre Liebsten sie nicht gehenlassen können“, schloss Sophie Rosentreter ihren Vortrag und zeigte mit ihm, das Demenz eine Krankheit ist, aber viele Betroffene hat.

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