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Ingeborg Grässle, Abgeordnete für die CDU im Europaparlament in Straßburg, ist in Pforzheim zur neuen Landesvorsitzenden der Frauenunion in Baden-Württemberg gewählt worden.
Ingeborg Grässle, Abgeordnete für die CDU im Europaparlament in Straßburg, ist in Pforzheim zur neuen Landesvorsitzenden der Frauenunion in Baden-Württemberg gewählt worden. © dpa
19.09.2015

Wahl in Pforzheim: Ingeborg Gräßle wird Landesvorsitzende der Frauen Union

Pforzheim. Die Europaabgeordnete Ingeborg Gräßle ist neue Vorsitzende der baden-württembergischen Frauen Union. Auf einer Versammlung der CDU-Frauenorganisation in Pforzheim erhielt sie am Samstag gut 96 Prozent der Stimmen, wie Gräßle sagte.

Die Frauen Union (FU) pocht auf eine gleichmäßige Verteilung von Regierungsämtern zwischen Männern und Frauen nach der Landtagswahl 2016 im Fall eines CDU-Siegs. «Was Guido Wolf gesagt hat, muss er halten und wird er halten», sagte die neue Vorsitzende des Südwest-Verbandes der CDU-Frauenorganisation, Ingeborg Gräßle, am Samstag in Pforzheim. Wolf hatte angekündigt, nach einem Wahlsieg «in etwa» die Hälfte der Kabinettsitze an Frauen zu vergeben. Damit seien 50 Prozent gemeint, betonte Gräßle.

Die CDU-Europaabgeordnete aus Heidenheim hatte bei der Versammlung der Südwest-FU nach eigenen Angaben gut 96 Prozent der Stimmen bekommen. Der Verband hat rund 10.000 Mitglieder. Gräßle hatte keine Gegenkandidatin. In Brüssel zählt die 54-Jährige als Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses im EU-Parlament zum Kreis der einflussreichen deutschen Politiker. Die bisherige Stellvertreterin wird Nachfolgerin der Bundestagsabgeordneten Annette Widmann-Mauz, die nach 20 Jahren den Landesvorsitz räumt und Ende September zur Bundeschefin der Frauen Union aufsteigen will.

Die frühere Journalistin Gräßle sagte nach der Wahl, sie wolle den Frauen in der CDU eine starke Stimme geben, damit sie mehr Ämter und Mandate einfordern und bekommen. Als ermutigendes Zeichen wertete sie es, dass die Südwest-CDU für die anstehende Landtagswahl mindestens 15 Wahlkreis-Kandidatinnen benannt habe. Das seien so viele wie noch nie. Der Südwest-CDU wird immer wieder vorgeworfen, vor allem auf Männer zu setzen. Im Südwest-Landtag liegt der Frauenanteil unter den CDU-Mandatsträgern aktuell bei nur 20 Prozent.

Die CDU hatte bei der Landtagswahl besondere Schwierigkeiten bei Frauen und 5,7 Prozentpunkte in dieser Gruppe verloren. Die Partei startete deshalb das Projekt «Frauen im Fokus», um Frauen als Mitglieder und Wählerinnen zu gewinnen.

Ein Blick auf die grün-rote Landesregierung mit elf Ministerien: Theresia Bauer ist Wissenschaftsministerin, Silke Krebs Staatsministerin (beide Grüne), Katrin Altpeter ist Sozialministerin und Bilkay Öney (beide SPD) Integrationsministerin.

Die Christdemokratin Gräßle plädiert für ein Landesbetreuungsgeld zur Fortsetzung des vom Bundesverfassungsgericht gekippten Bundesbetreuungsgeldes, von dem nach ihren Worten bislang mehr als 100 000 Eltern im Südwesten profitiert haben. Damit solle Baden-Württembergerinnen auch künftig erleichtert werden, ihr Kind in der ersten Zeit nach der Geburt zu Hause zu betreuen.

Zudem will sie sich für flexible Teilzeitlösungen in Betrieben starkmachen. Als Themen, die Frauen besonders ansprechen, nannte die 54-Jährige Gesundheit, Bildung, Pflege und Sicherheit. Der dialogorientierte Wahlkampf von Winfried-Kretschmann-Herausforderer Wolf komme bei den Frauen gut an, sagte Gräßle.

Unter Grün-Rot sei die Sache der Frauen nicht vorangetrieben worden, monierte die Heidenheimerin. So sei die Regierung die im Koalitionsvertrag versprochene Novelle des Chancengleichheitsgesetzes von 2005 schuldig geblieben. Überdies schlägt die FU eine Änderung des Wahlrechts vor: Dabei solle die Hälfte der Abgeordneten wie bisher direkt in den 70 Wahlkreisen gewählt werden. Die anderen Abgeordneten würden aber nicht mehr aus den unterlegenen Wahlkreiskandidaten, sondern über eine paritätisch besetzte Liste ins Parlament einrücken. Damit bliebe die Regel erhalten, dass nur eine Stimme abgegeben werden kann. Der baden-württembergische Landtag ist mit einem Frauenanteil von 20,3 Prozent Schlusslicht in Deutschland.

Überdies liegt den Delegierten der FU ein Antrag für die Bundesdelegiertentagung der FU vor, der dem sogenannten Social Freezing eine Absage erteilt. Darin heißt es: «Die FU der CDU Deutschlands lehnt das vorsorgliche Konservieren von unbefruchteten Eizellen aus unternehmensstrategischen und personalpolitischen Gründen ab.» Dies widerspreche allen staatlichen, unternehmerischen und gesellschaftspolitischen Bemühungen für eine familienfreundlichere Arbeitswelt.