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Mäßig hart, weitestgehend fair und recht lebhaft verlief die Podiumsdiskussion der OB-Kandidaten (vorne, von links) Peter Boch, Andreas Kubisch und Gert Hager am Dienstagabend im Kulturhaus Osterfeld. © Seibel
PZ-news zeigt das Streitgespräch der vier OB-Kandidaten im Livestream auf Facebook. © Türschmann
02.05.2017

Wahlkampf im Video: OB-Kandidaten diskutieren im Osterfeld

Pforzheim. Mäßig hart, weitestgehend fair und recht lebhaft verlief die Podiumsdiskussion der OB-Kandidaten Gert Hager, Peter Boch und Andreas Kubisch am Dienstagabend im Kulturhaus Osterfeld. PZ-news zeigt das Streitgespräch im Video.

Es darf forscher zur Sache gegangen werden als bei den Ortsteilveranstaltungen beziehungsweise der Kandidatenvorstellung im CongressCentrum Pforzheim in der vergangenen Woche – dafür sorgen PZ-Lokalchef Marek Klimanski und die Politiklehrerin und Referentin für Wirtschaft am Regierungspräsidium Karlsruhe, Stefanie Wally. Zwischen den Kabarettnummern von Raphael Mürle alias Oskar Schneider stellen sich die drei Kandidaten Hager, Boch und Kubisch vor vollem Haus den Fragen der Moderatoren und indirekt des Publikums.

Bildergalerie: OB-Wahl in Pforzheim: Podiumsdiskussion im Osterfeld

Soziales/Jugend: Betreuungsplätze fehlen – keine Frage. Andreas Kubisch (Liste Eltern) gesteht, kein Versprechen abgeben zu können, wie er die nötigen Investitionen – die Rede sei von 20 bis 25 Millionen Euro – in den nächsten zwei Jahren stemmen könne. Gert Hager (SPD) verweist auf erfolgte beziehungsweise geplante Einstellungen von Geldern in den Haushalt und führt Auftritte bei Ausbildungsmessen und Fachtagen an. Peter Boch (CDU) plädiert für eine bundesweit „aggressive Werbeoffensive“, um Personal nach Pforzheim zu locken. Kubisch fragt ketzerisch: „Wer will denn schon nach Pforzheim?“ und wirbt für mehr Arbeitsgemeinschafts-Angeboten an Schulen und mehr Jugendzentren.

Kultur/Bildung: Alle Kandidaten bekennen sich zur Vielfalt des kulturellen Angebots. Kubisch regt an, die öde Innenstadt mit Kultur zu beleben, räumt ein, dass der Vergleich mit New Orleans wohl doch etwas gewagt ist – aber ein Anfang wäre gemacht. So auch die Blumenkübel auf dem Mittelstreifen der Zerrennerstraße – für Boch bekanntlich „Rost“, für Hager Cortenstahl, den er – wenn man schon mal bei US-Vergleichen ist – wie in Chicago – mit künstlerischen Elementen durch Studenten verfremden und beleben könne.

Wirtschaft/Stadtentwicklung: Zwar wurden in Hagers achtjähriger Amtsperiode, das betont er immer, über 10.000 Arbeitsplätze geschaffen. Aber welche? Wie bekommt man gut bezahlte Jobs in die Stadt und damit Einkommenssteuer in die Kasse? Eine derartige Rückvergütung in Millionenhöhe werde es demnächst geben, so Hager auf Nachfrage der Moderatoren. Kubisch kann sich zur Belebung der Innenstadt eine konzeptionelle Fortführung der Bleichstraße mit Verkehrsberuhigung bis zur Kallhardtstraße und beim Kupferdächle und begrüntes Parkhaus vorstellen. Hager und Boch reklamieren für sich die Chef-Rolle bei der Akquise von Unternehmen. 

Der Saal im Osterfeld war komplett gefüllt. Selbst die Stehplätze waren rar geworden. Einer fehlte jedoch auf dem Podium: Am Morgen der Podiumsdiskussion erreichte das PZ-Medienhaus eine überraschende Nachricht. In einem Brief an die Verlagsleitung kündigte der parteilose OB-Kandidat Dimitrij Walter an, an der Diskussion nicht teilzunehmen.

Seine Begründung ist ein Vorwurf an die PZ – diese sei „weder demokratisch noch neutral“. Auf der Internetseite der „Pforzheimer Zeitung“ sehe er „alle 30 Sekunden ein Video von Herrn Hager“ – Videos anderer Kandidaten sehe er nicht. Mit den "Videos" meint Walter wahrscheinlich die Wahlwerbung, die sich im Wechsel mit anderer Werbung auf einer bestimmten Werbefläche zeigt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Video, sondern um eine Anzeige mit einen Link auf eine Hager-Webseite. Auf dieser Werbefläche hätte auch Walter eine Anzeige schalten können. Das sieht man bei PZ-news ganz demokratisch und ganz neutral. Hat er aber nicht. Immerhin: Kandidat Walter saß im Publikum.