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Letztmalig: Monika Descharmes hat es zumindest versucht.
24.03.2011

Wahlkampf-Endspurt der FDP: Pfeile gegen Rot-Rot-Grün

PFORZHEIM/ENZKREIS. Die FDP will an der Macht bleiben – um ihrer selbst und des Landes willen. Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Der politische Gegner wird nicht geschont. Am Mittwochabend war Finale im Reuchlinhaus.Vier Stunden vor ihrem Eintreffen in Pforzheim waren sie noch gemeinsam in Berlin im Bundestag: der Abgeordnete Professor Erik Schweickert und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel.

Bildergalerie: Neujahrsempfang der FDP

Nun laufen sie ein im Reuchlinhaus, gesellen sich zum Spitzenkandidaten der Landes-FDP, Justizminister Professor Ulrich Goll und den Lokalmatadoren Monika Descharmes (Kandidatin für Pforzheim) und Hans-Ulrich Rülke (Landesfraktionsvorsitzender und Kandidat für den Enzkreis). Die Aufgaben sind klar verteilt: Die Bundespolitiker rahmen ein. Schweickert begrüßt, Niebel erklärt die Welt; Descharmes barmt es in leichter Abwandlung des Heine-Gedichts um das „Ländle“, wenn sie nächtens daran denkt, dass ab dem Wochenende Rot-Grün regieren könnte; Rülke, der schärfste Rhetoriker des liberalen Quintetts, geht in gewohnter Manier den politischen Gegner am härtesten an, spricht von „Ablenkungsmanövern“, „Heuchelei“ und „Doppelbödigkeit“, geißelt Ideenarmut und wähnt SPD und Grüne auf der Suche nach einem „Bündnis mit den Kommunisten“.

Bildergalerie: Frühstück bei den Rülkes

Der ehemaliger Generalinspekteur Harald Kujat bekommt sein Fett ab, weil er – wie Teile der SPD und der Grünen – den Amerikanern in Libyen Unfähigkeit vorwirft, aber die deutsche Enthaltung im Sicherheitsrat kritisiert. Rülke: „Was für Leute in Deutschland General werden durften, ist eine Katastrophe.“

Florett statt Säbel

Dann überlässt er Goll das Feld. Deutlich dezenter lässt es der Rechtsprofessor und stellvertretende Ministerpräsident angehen. Er bevorzugt das Florett statt den Säbel. In der Sache sind sich die beiden „Ulis“ einig: Atomenergie sei „natürlich“ ein Auslaufmodell – es sei bloß die Frage, wann abschalten. Und verlogen wäre es, wenn man dann Atomstrom bei den Nachbarn einkaufte. Regenerative Energien ausbauen? Gerne – aber seien es nicht die Blockierer von den Grünen, die sich gegen die notwendigen Leitungen und Speicher aussprächen? In einem Punkt ist der Justizminister fassungslos: wie ein Landtagsabgeordneter behaupten könne, das Demokratiemodell habe sich „restlos verbraucht“. Natürlich ein Grüner . . . Viele Länder, das will Goll sagen, wären froh, wenn sie auf solch’ hohem Niveau jammern könnten. Er wolle, dass das Land „vorne bleibt“. Und das gehe nur mit den Liberalen.