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Auch nach 100 Jahren sei noch viel zu tun, sind sich die IG-Metall-Frauen einig und setzen ein Zeichen. Viele Forderungen seien heute noch aktuell. Foto: Fischle
Auch nach 100 Jahren sei noch viel zu tun, sind sich die IG-Metall-Frauen einig und setzen ein Zeichen. Viele Forderungen seien heute noch aktuell. Foto: Fischle
11.11.2018

Wahlrecht ist nicht alles: Frauen bemängeln Lohnlücke

Pforzheim. Lang ersehnt und hart erkämpft, erhielten Frauen in Deutschland im November 1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs, das Recht, zu wählen und gewählt zu werden. Anlässlich dieses Jubiläums hat die Gewerkschaft IG Metall/Bezirk Baden-Württemberg für 100 Frauen aus Betrieben des Bundeslandes einen gemeinsamen Festakt im Reuchlinhaus. Besonders in der Goldstadt kommen viele ihrer Gewerkschaftsmitglieder aus der Schmuckbranche.

Als 1908, damals noch in Preußen, ein Verbot für Frauen ausgesprochen wurde, sich politisch zu beteiligen, beschloss der Deutsche Metallverarbeiterverband – der Vorgänger der späteren IG Metall–, dies zu missachten. Daraufhin setzten sie sich gemeinsam mit anderen Gewerkschaften und der SPD für ein Frauenwahlrecht ein. 1918 trat mit der Ausrufung der Republik eine Reform in Kraft trat, welche deutschen Frauen ab dem 20. Lebensjahr das Recht zu wählen gab. Doch auch heute, 100 Jahre später, sei noch viel zu tun, sind sich die IG-Metall-Frauen einig.

Die Entwicklungsorganisation Oxfam bescheinigte Deutschland zuletzt unter anderem Mängel im Einsatz gegen Ungleichheit, so gehe beispielsweise das Entgelttransparenzgesetz nicht weit genug, da es nur bei Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten greife. Mit durchschnittlich 21 Prozent sei die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen eine der größten in Europa. „Gleichstellungspolitik ist Zukunftspolitik. Es wäre ein deutlicher Fortschritt, wenn gleicher Lohn für gleiche Arbeit nicht nur eine Redewendung wäre, sondern eine Tatsache,“ erklärte die Bezirksfrauen-Sekretärin Tatjana Funke.

Zum Festakt hielten Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter IG Metall Baden-Württemberg, Christiane Benner, die zweite Vorsitzende der IG Metall sowie Funke Jubiläumsansprachen. Marion Rösch begleitete die Veranstaltung musikalisch am Flügel. Zitzelsberger ist eine faire Bezahlung von Frauen gleichstellungspolitisch besonders wichtig. Benner ist der Ansicht, ein Blick zurück zeige „uns, wie viele großartige Frauen für unsere Sache gestritten haben“. Von deren Engagement profitieren heute alle. „Und es ist Auftrag für uns, es ihnen mit unserem Handeln gleichzutun.“

Bevor die Frauen in Kostümen von damals zur Abschlussaktion wiederkamen, erhielten sie in Gruppen eine Führung durch das Schmuckmuseum.