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Auf dieser Wiese hätte die abendliche Musikveranstaltung unter freiem Himmel stattfinden können.
Auf dieser Wiese hätte die abendliche Musikveranstaltung unter freiem Himmel stattfinden können.
26.05.2016

Wartbergbad: Große Jubiläumsparty zum 50-jährigen Bestehen fällt ins Wasser

Sie hätte der Höhepunkt der Feierlichkeiten im Rahmen des 50-jährigen Bestehens des Wartbergbads werden sollen: eine große Party mit Live-Musik bis in die Nacht hinein auf der Liegefläche gleich rechts hinter dem Eingang. Hätte. Denn der Bäderamtschef Bernd Mellenthin hat das Projekt durch zahlreiche Bedenken zum Scheitern gebracht.

Diese konnten in einem gemeinsamen Gespräch zwischen Vertretern von Vereinen, Veranstalter und Bäderbetrieben vor rund zwei Wochen nicht ausgeräumt werden – und Philipp Broll, Inhaber der Pforzheimer Eventagentur „peebee-Entertainment“, zog sein Angebot zurück. Den Veranstalter hatten die Vereine ins Boot geholt. Zahlreiche Vereine und Organisationen sind an den Planungen beteiligt. Der Grund: In diesem Jahr wird es laut Christof Weisenbacher, dem Vorsitzenden des Fördervereins Wartbergbad Pforzheim (WFP), kein Nordstadtfest geben. Dies sei für den verantwortlichen Verein nicht zu stemmen. Stattdessen wollen die Vereine, die sich üblicherweise dort einbringen, gemeinsam das Jubiläumsfest auf dem Freibadgelände ausrichten.

Broll war es, der die Idee aufbrachte, das geplante Tagesprogramm durch eine Abendveranstaltung zu ergänzen. Eine Coverband, vielleicht ein prominenter Gast, Speisen und Getränke schwebten ihm dafür vor. „Ich fand, das Jubiläum hat eine große Veranstaltung verdient“, so Broll, der unter anderem bereits das „Pforzheimer Sommerfest“ und die „Barparade“ veranstaltete. Das finanzielle Risiko hätte er alleine getragen, dafür wären alle Einnahmen des Abends samt Eintritt an die Agentur geflossen. „Alle fanden die Idee super“, erzählt er. Alle außer dem Chef der Goldstadtbäder, Bernd Mellenthin.

„Es kam auf alles ein ,Aber‘ zurück – egal, was ich sagte“, erinnert sich Broll an das Gespräch. „Er sagte, es gefällt ihm nicht und er habe kein gutes Gefühl dabei.“ Hauptbedenken sei neben der Gewährleistung der Sicherheit auch die Frage gewesen, wie der Badebetrieb am Folgetag gewährleistet werden könne. „Ich hätte alles gestellt, was nötig ist“, versichert Broll, „Wir kommen, bauen auf und verlassen das Gelände, wie wir es vorgefunden haben.“

Der Vorschlag sei „recht kurzfristig“ gekommen, erläutert Mellenthin seine Haltung, konkrete Planungen hätten ihm nicht vorgelegen. „Auch wenn es erst mal überschaubar klingt, es hätte noch viel zu regeln gegeben.“ Er spricht von Dingen wie der Stromversorgung und -abrechnung, einer nötigen Absperrung, der Abstimmung mit dem Pächter der Gastronomie, Einlasskontrollen, Abfallentsorgung und Toilettennutzung sowie der Regelung des Übergangs der öffentlichen zur einlasspflichtigen Veranstaltung. Auch die Frage, wie gewährleistet werden könne, dass weder Menschen noch Müll in die Becken gelangen, beschäftigten ihn – und vor allem, die Gewährleistung der Sicherheit der Gäste. „Es ist dabei nicht die Frage, wer die Verantwortung trägt und später vor dem Staatsanwalt steht. Es gilt, von vornherein auszuschließen, dass jemandem was passiert.“ Die Frage, wie lange die Veranstaltung aus Rücksicht auf die Anwohner hätte dauern dürfen, sei ebenso noch zu klären gewesen wie grundlegende vertragliche Rahmenbedingungen.

Im Wesentlichen sehe Mellenthin das Problem in der Kürze der Vorbereitungszeit. Eine Einschätzung, die im Gegensatz zu Veranstalter Broll auch der Weisenbacher teilt. „Die Idee ist erst im März entstanden“, erklärt er, kündigt aber an, noch einmal das Gespräch mit den Verantwortlichen des Bäderbetriebs suchen zu wollen: „Vielleicht gibt es ja zu einem späteren Zeitpunkt eine Möglichkeit.“ Doch auch bei längerer Planung – beispielsweise für das nächste Jahr – Mellenthin glaubt nicht, dass die Veranstaltung eine Bereicherung sein könnte.

„Denkbar ist vieles, aber man muss sich fragen: Ist ein Freibad der geeignete Ort dafür – und was ist der Anlass?“ Er sorgt sich beispielsweise um den Zustand der Liegefläche, nachdem Bühne und Publikum wieder verschwunden seien. „Es ist doch die Frage, wie man einen Geburtstag begehen will. Es ist primär ein Familienbad – und es ist doch toll, wenn man den Nachmittag dort verbringen kann, wie es jetzt geplant ist.“

Die Summe der Bedenken hätte dazu geführt, dass Broll letztlich sein Angebot zurückzog – obwohl er „auf alles eine passable Antwort gegeben“ habe: „Wenn es auf alles, was man entkräftet, doch wieder ein ,Aber‘ gibt“, gelte: „dann eben nicht.“ Auch wenn er bedauert, die Vereine, für deren Anfrage er dankbar gewesen sei, nun zu enttäuschen.

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