nach oben
Logisches Denken und sorgfältiges Arbeiten gefragt: Tutor Benjamin Voit (links) zeigt den Schülern bei der Kinder-Uni, wie sie selbst eine kleine Kettenreaktions-Maschine bauen. Professor Thomas Hensel (hinten) erklärt die Prinzipien.  Foto: Ketterl
Logisches Denken und sorgfältiges Arbeiten gefragt: Tutor Benjamin Voit (links) zeigt den Schülern bei der Kinder-Uni, wie sie selbst eine kleine Kettenreaktions-Maschine bauen. Professor Thomas Hensel (hinten) erklärt die Prinzipien. Foto: Ketterl
21.07.2017

Warum einfach, wenn es kompliziert geht?

Pforzheim. Normalerweise gilt für Ingenieure der Konstruktionsgrundsatz „einfach, eindeutig und sicher“. Bei der Kettenreaktionsmaschine, auch „Rube-Goldberg-Maschine“ genannt, wird dieses Prinzip umgekehrt. Möglichst umständlich und ausgefallen wird damit eine einfache Aufgabe, wie das Betätigen eines Lichtschalters, erledigt. Professor Thomas Hensel zeigte und erklärte den Schülern bei der Vorlesung der Kinder-Uni, wie solche Maschinen funktionieren und wie die Teilnehmer dabei nicht nur etwas über Physik lernen, sondern auch Freundschaft, Leidenschaft, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein in den Vordergrund rückt.

„Das Motto lautet wie bei den drei Musketieren ‚Einer für alle, alle für einen‘“, erklärte Professor Hensel. An der „Rube-Goldberg-Maschine“ der Hochschule Pforzheim arbeiteten 88 Studenten acht Monate lang. Es galt, den Weltrekord aus Riga mit 412 verschiedenen, aufeinanderfolgenden Schritten zu toppen.

Die Pforzheimer Studenten planten, im Alfons-Kern-Turm auf relativ engem Raum eine Maschine zu bauen, bei der 500 Schritte aufeinanderfolgen. Dabei wurden Elektromotoren, Spielzeug, jede Menge Holz und sogar eine Bärenfalle verbaut. Den Anfang machte ein fallengelassener Apfel, der schlussendlich einen Toilettendeckel anheben und einen Luftballon enthüllen sollte. Die Maschine lief allerdings nie komplett fehlerfrei, wodurch die Studenten den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde knapp verpassten.

Die Schüler konnten sich auch selbst als Erfinder einer solchen Maschine versuchen. Beim Spiel „Maus reißt aus“ bauten sie in Teams eine Kettenreaktionsmaschine in Miniaturformat – und mussten schnell feststellen, wie fehleranfällig Maschinen sind.

Auch das rund 20 Jahre alte Computerspiel „The Incredible Machine“ (Die Unglaubliche Maschine) begeisterte die Schüler. Hier war logisches Denken gefordert: Wie kombiniert man Rampen, Keilriemen und Motoren am geschicktesten, um einen Basketball in den Korb zu befördern? Professor Hensel zeigte den Schülern auch weitere, ausgefallene Maschinen. So hilft die Maschine „The Dresser“, die als Kunstwerk zu verstehen ist, beim Anziehen und Bügeln.