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Waschbär wird zum Hinterhofstar in der Pforzheimer Nordstadt

Pforzheim. Scheinbar seelenruhig ist am Karfreitagmorgen ein Waschbär auf dem Dach eines Hinterhauses an der Rudolfstraße in der Pforzheimer Nordstadt herumspaziert. Und prompt wurde er zum Gesprächsthema, das sich in der Nachbarschaft von Balkon zu Balkon verbreitete.

Ulrike Sachs wollte eigentlich nur eine Zigarette auf dem Balkon rauchen, als sie das Tier entdeckte. Sie hatte es zum ersten Mal im Hinterhof gesehen. Nach und nach kamen auch andere Hausbewohner auf die Idee, ein bisschen Frischluft in die Wohnung zu lassen – und schon hatte der Waschbär ein interessiertes Publikum.

Stören ließ er sich anscheinend nicht bei seinem Treiben auf dem Dach. Ob es ihm bei seinem Streifzug über dem Hofboden nur um die Aussicht und die wärmende Sonne ging? Oder hoffte er, eine fette Stadttaube schnappen zu können? Schließlich sind Waschbären keine Schmusetiere, sondern höchst agile, intelligente Raubtiere. Sie leben zwar zu 40 Prozent vegetarisch, doch der Rest ist tierische Nahrung. Krebse fischen sie zielsicher aus dem Wasser, Frösche werden ebenso gejagt wie Mäuse oder Vögel.

Gut möglich aber, dass der Waschbär ein Plätzchen gefunden hat, an dem Katzenfutter ausgelegt wird. Das ist dann wie eine Einladung zum Fast-Food-Genuss. Das Katzenfutter verschwindet nämlich extrem „fast“ im Waschbärbauch – und die üblichen, verwöhnten Stubentiger wissen meistens nicht so recht, wie sie auf den frechen, ungebetenen Gast reagieren sollen. Der weiß sich nämlich zu wehren. Und: Eine Katzenklappe ist für Waschbären die Eintrittskarte in einen großen Abenteuerspielplatz mit potenzieller Gratisbewirtung. So eine Wohnung sieht hinterher schon deutlich anders aus, wenn sich dort das kleine Raubtier austoben darf.

Mit der Gesichtsmaske sehen sie ein bisschen so aus, wie  die Panzerknacker, jene letztlich stets an ihrer geistigen Beschränkheit scheiternden Ganoven aus den Micky-Maus-Comics. Das wirkt lustig und die Kapriolen der sehr gut kletternden Fellknäuel muten frech und witzig an. Doch beim wem die Tiere einmal in einem alten Haus auf dem Speicher oder Dach herumgetobt haben, weiß, dass der Spaß an den putzigen, aber lauten Kerlchen zu nächtlicher Stunde schnell aufhört.

Dass Füchse sich bis weit in die Stadt hinein trauen, ist schon länger bekannt. Wildschweine gehören in Berlin zum vertrauten Straßenbild in den Außenbezirken der Metropole. In unserer Region liest man regelmäßig von ihnen, wenn zum Beispiel wie vor fast zehn Jahren einmal vier Wildschweine in ein Bekleidungsgeschäft in Maulbronn galoppieren oder sie die Kreisstraßen im Halbdunkel unachtsam überqueren und Autofahrer nicht mehr bremsen können. Aber Waschbären in der Nordstadt? 

Am Fuße der Rudolfstraße geht die Bahnlinie entlang. Und zwischen Hauptbahnhof, Sarow-Installation und Abelio-Bahnwerk breitet sich an den Schienen entlang ein ordentliches Stück Brachland aus. Offenes Gelände, Büsche – das gleiche Bild bietet sich in östlicher Richtung zum Güterbahnhof hin. Da könnte es ein Waschbär schon eine Weile aushalten, wenn er genug Futterstellen für Katzen findet. Nicht selten wird er an Orten satt, an denen Müll nicht sicher genug platziert ist. Und sicher ist nicht viel vor den Tieren, die wahre Spezialisten im Öffnen von Verschlüssen sind. Das durften auch schon Kleintierzüchter erfahren, denen Waschbären zum Beispiel einst in Niefern-Öschelbronn die Käfige geöffnet haben, um mit den zwei- oder vierbeinigen Rassetieren den eigenen Speiseplan zu bereichern.

Zunächst einmal aber ist der ausgezeichnete Kletterer der Star im Hinterhofareal an der unteren Rudolfstraße. Gut möglich, dass dem tierischen Besucher die Gegend so gut gefällt, dass er sich dort öfter blicken lässt. Das hätte dann auch eine soziale Funktion für die Anwohner, denn so hätten die Gespräche von Balkon zu Balkon immer ein attraktives Thema. Und so mancher Hauskatze täte es vielleicht sogar gut, ein bisschen unfreiwillig auf die Diät gesetzt zu werden.

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Bildergalerie

Waschbären: Süß, aber gefährlich

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