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Die Themenausgabe „Heimat“ der „Pforzheimer Zeitung“ entstand 2010 in Kooperation mit dem Verkehrsverein. Ein großer Erfolg, erinnert sich der scheidende Vorsitzende Rolf Spiertz, dessen Arbeit stets von Heimatliebe geprägt war. Foto: Meyer
Die Themenausgabe „Heimat“ der „Pforzheimer Zeitung“ entstand 2010 in Kooperation mit dem Verkehrsverein. Ein großer Erfolg, erinnert sich der scheidende Vorsitzende Rolf Spiertz, dessen Arbeit stets von Heimatliebe geprägt war. Foto: Meyer
29.12.2017

Wechsel im Verkehrsverein: „Das war mein Baby“

Pforzheim. Für viele überraschend gibt Rolf Spiertz den Vorsitz des Pforzheimer Verkehrsvereins ab. Er bleibt in der Stadt präsent und weiß sein Werk in guten Händen.

Er hat dem altehrwürdigen Verkehrsverein eine Frischzellenkur verordnet und den Begriff „Heimat“ zur modernen Marke gemacht. Wie kaum ein Zweiter zeigt er Präsenz bei Veranstaltungen und Festen. Fast neun Jahre lang war der Mann mit dem markanten Schnauzbart Gesicht und treibende Kraft des Verkehrsvereins Pforzheim. Dass Rolf Spiertz zum Jahreswechsel dessen Vorsitz abgibt, kommt für viele Wegbegleiter und Freunde überraschend und löst Bedauern aus. Der Schritt erfolgt schweren Herzens, ist aber wohlüberlegt.

Wie immer in seiner beruflichen und ehrenamtlichen Arbeit hat der langjährige C & A-Chef nichts dem Zufall überlassen. Es sei ihm wichtig gewesen, jemanden zu finden, der den Verkehrsverein in seinem Sinne und in dem seines Vorgängers Peter Ketterer weiterführt, sagt Spiertz im PZ-Gespräch. Ein ungeregelter Übergang? Undenkbar! „Dafür bin ich zu bekannt in Pforzheim. Wenn ich diesen Verein gegen die Wand fahre, kann ich mich hier nicht mehr sehen lassen.“

Dass sein bisheriger Stellvertreter, der frühere CCP-Chef Günter Ihlenfeld (Jahrgang 1950), die Leitung zunächst kommissarisch übernimmt und sich bei der Mitgliederversammlung in der ersten Jahreshälfte zur Wahl stellen will, sei für ihn „das schönste Geschenk“, sagt Spiertz: „Ich weiß, dass der Verein gut geführt wird.“

Ein Jahr lang habe er mit sich gerungen. So stolz sei er gewesen, als erster Nicht-Pforzheimer den Verkehrsverein zu führen: „Das war mein Baby.“ Doch im Jahresverlauf reifte der Entschluss, der an seinem 65. Geburtstag am 16. November endgültig fiel. Einen einzelnen Grund gibt es nicht. Spiertz wirkt topfit. Vielleicht ist es nun einfach genug – über Jahrzehnte hat er auf vielfältige Weise Verantwortung getragen. „Man wird dünnhäutiger und macht sich mehr Gedanken“, sagt Spiertz und: „Es gibt Dinge, die haben mich belastet.“ Davon wolle er sich befreien. „Ich musste etwas für mich persönlich machen und will mich mal mit mir beschäftigen. Ich denke, dass das für mich und meine Familie die richtige Entscheidung ist.“

Gönnen werden ihm wohl alle den Rückzug ins Private. Denn Spiertz, der vor Weihnachten alle Mitglieder und Weggefährten persönlich oder in individuellen Schreiben informierte, hat bislang überwiegend ein öffentliches Leben geführt. Mehrere Ordner bergen – säuberlich archiviert – die Projekte und Maßnahmen, die er mitersonnen und umgesetzt hat. „Ich war auch immer meine eigene Sekretärin“, sagt der scheidende Vorsitzende verschmitzt.

Alle Errungenschaften zu benennen, würde jeden Rahmen sprengen. Ein Meilenstein war sicher gleich zu Beginn das junge, frische Design und das moderne Logo „Heimatliebe“ samt Internet-Auftritt, das den weit über 100 Jahre alten Verein ins Heute holte. Diese Neuerung mündete am 16. Oktober 2010 in eine Themenausgabe „Heimat“ der PZ. Auch eine „Heimatliebe“-Edition vom Edelpils der Brauerei Ketterer kam auf den Markt. 150 Lebkuchenherzen übergaben Spiertz und seine Frau Renate einst an jene OechsleFest-Besucher, die zum neuen „Dirndl-Abend“ in Tracht erschienen – inzwischen ist diese Veranstaltung ein Selbstläufer und kaum mehr ein Gast ohne Tracht auszumachen.

Der Verkehrsverein, der sich maßgeblich an den Kosten für René Dantes Bertha-Benz-Skulptur auf dem Waisenhausplatz beteiligte, rang auch jahrelang um das Aufstellen von Stelen, die auf stadthistorische Besonderheiten hinweisen. Ende 2015 finanzierte man die erste – eine Bertha-Benz-Stele an der Ecke Berliner Straße/Luisenstraße. Inzwischen bereichern mehr als 20 solcher Hingucker das Stadtbild. Und nicht zuletzt ist der „Bockschuss“ von und mit Theatermime Markus Löchner längst ein Publikumsrenner. Auch heuer muss man sich nach Vorverkaufsstart sicher wieder sputen, um eine Karte für den im Wortsinn süffisanten Jahresrückblick am 23. und 24. März im „Schlosskeller“ zu ergattern.

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