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Weihnachtswelt im eigenen Garten. Bei den Mieders in der Arlingerstraße leuchten Weihnachts- und Schneemänner um die Wette.
Weihnachtswelt im eigenen Garten © Ketterl
23.12.2010

Weihnachtswelt im eigenen Garten

PFORZHEIM. „Je erwachsener man wird, desto mehr sollte man sich sein Kind-Sein bewahren", sagt Bodo Mieder, der im Arlinger sein Spielzeugparadies im eigenen Garten hat. Wenn Kinder nach dem Wohnsitz des Weihnachtsmanns fragen, kann man ihnen zumindest Mieders optisch so wirkende Haus-Adresse nennen, bei der derzeit alles weihnachtlich leuchtet und blinkt: Arlingerstraße 7.

Seit die Eheleute Evelyn und Bodo Mieder vor vier Jahren hier eingezogen sind, gestalten sie ihren Garten jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit neuen Motiven, basteln Weihnachtsengel, legen Lichterketten, beleuchten Rentiere, präsentieren einen Weihnachtsmann im Schaukelstuhl und setzen auf das Dach noch einen Plastik-Schneemann obendrauf. Das hat zur Folge, dass eine Art Abend-Tourismus aus Pforzheim und dem Enzkreis eingesetzt hat, denn das leuchtende Spielzeugparadies, das vor allem Kinderaugen erstrahlen lässt, ist werktags von 17 bis 24 Uhr, am Wochenende von 17 bis 1 Uhr beleuchtet.

Eine eigene Stromleitung geht vom Zähler direkt in den Garten, wobei Bodo Mieder nach eigenen Angaben nur für die Beleuchtung 24 Kilowattstunden Strom pro Tag benötigt. „Anstatt zu verreisen, investieren wir das Geld lieber in unsere Stromrechnung, um vor allem Kinder mit unserem Weihnachtsgarten zu erfreuen“, sagt der 53-jährige Produktionsarbeiter, der aus Thüringen stammt. Seine gleichaltrige Ehefrau Evelyn (geborene Wieland)

hatte er im damaligen „Merkur“ in Pforzheim kennengelernt, als er vor 32 Jahren noch in der Elektroabteilung des Kaufhauses gearbeitet hatte. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Diese Frau hat mich elektrisiert“, sagt der Hobby-Elektroniker, der seine Weihnachtsbeleuchtung an 52 Trafos angeschlossen hat.

Tochter Yvonne ist inzwischen 22 Jahre alt, wobei sich die Eheleute bereits auf Enkelkinder freuen, damit sie auch einmal leuchtende Augen im weihnachtlichen Spielzeugparadies der Mieders bekommen.

„Angefangen hat alles vor 15 Jahren mit einem Geschenk für meine Frau, die einen Plastik-Schneemann von meiner Mutter erhielt“, erzählt Bodo Mieder. „Den müsste man eigentlich beleuchten können“, sagte er sich und setzte seinen Plan in die Tat um. Seitdem verdient sich der Weihnachtsgeschenk- und Versandhandel an Bodo Mieder eine goldene Nase, denn jedes Jahr wird etwas Neues für den Garten angeschafft. Der Weihnachts-Nippes füllt inzwischen Keller und Speicher.

Allein zum Aufbau seiner Lichtschläuche am Haus sowie seiner Weihnachts-Deko im Garten benötigt der Hausherr 42 Stunden, wobei die Weihnachtsplanung jedes Jahr noch in den Sommerferien stattfindet. „Diese Vorlaufzeit benötige ich, um neue Motive zu gestalten und zu basteln, denn es soll immer anders aussehen, damit es den Passanten nicht langweilig wird, wenn sie unser Weihnachts-Haus betrachten“, sagt er. Neu in diesem Jahr sei der Weihnachtsmann, der im Schaukelstuhl am Kaminfeuer sitze.

Wer den Garten durch den leuchtenden Weihnachtsbogen mit Tannenzweigen betritt, links den Lichterwald mit stilisierten Tannen sieht und einem Heer beleuchteter Schneemänner entgegentritt, der wird auch noch mit einer Weihnachtsmelodie empfangen – ausgelöst durch eine Lichtschranke. Und dann fällt der Blick auf die Eingangstür des Hauses, über der ein Weihnachtsengel schwebt, den der Hausherr selbst gebastelt hat: Den Puppenkopf fand er im Sperrmüll, die Flügel wurden aus Plexiglas gefertigt, der Korpus ist ein gebasteltes Drahtgeflecht, über den ein altes Kommunionkleid passgerecht geschneidert wurde. „Und die Fackel, die der Weihnachtsengel in der Hand hält, ist der Freiheitsstatue in New York nachempfunden“, betont er.

Ferner hat Bodo Mieder eine beleuchtete Schneepiste in seinem 100 Quadratmeter großen Garten mit drei Nikoläusen, die alle auf einem Paar Skier unterwegs sind, aufgebaut.

„In früheren Jahren saß einmal ein Nikolaus in einem Oldtimer oder in einer nachgebauten Höhle, aber ich liebe die Abwechslung in der Gestaltung“, erinnert er sich. „Nicht die Erwachsenen, sondern vor allem die Kinder erkennen die neuen Details in meinem Weihnachts-Garten, weil sie ganz anders und intensiver schauen“, freut er sich und schaltet die Blau-Stern-Beleuchtung auf seinem Walnussbaum ein.